Was die anhaltende Trockenheit mit den BĂ€umen macht
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 05:00 Uhr | dpa.deEin Sommer der Superlative: Mehrere BundeslĂ€nder verzeichneten im Juli Hitzerekorde. Mehrere groĂe deutsche FlĂŒsse â allen voran Rhein, Elbe und Donau â verbuchten extreme NiedrigwasserstĂ€nde. Nachdem eine Hitzewelle die nĂ€chste ablöst und langanhaltender Landregen weiterhin nicht in Sicht ist, stellt sich die Frage: Was macht das mit unseren BĂ€umen? Eine Zwischenbilanz des Sommers 2026.
Wie ist die Ausgangslage?
Deutschlands BĂ€ume leiden schon seit Jahren massiv unter Trockenheit und Hitze. Die SchĂ€den begannen spĂ€testens mit dem DĂŒrrejahr 2018. Laut Waldzustandsbericht fĂŒr 2025 kĂ€mpfen die deutschen WĂ€lder seitdem weiter mit den gravierenden Folgen. Eichen, Buchen, Kiefern und Fichten und andere BĂ€ume stehen also nicht erst jetzt unter hartnĂ€ckigem Klimastress. Unter den hĂ€ufigsten Arten sind bereits vier von fĂŒnf BĂ€umen krank.
Welche Auswirkungen hat das auf Ăkosysteme?Â
Forscher der Technischen UniversitĂ€t MĂŒnchen (TUM) haben herausgefunden, dass seit 2018 in ganz Europa ein beispielloser Biomasseverlust, also der organischen Masse an BĂ€umen und Pflanzen, zu beklagen sei. Das bedeute auch einen hohen Verlust des im Wald gespeicherten Kohlenstoffs.
FĂŒr die Ăkosysteme ist das eine besorgniserregende Entwicklung: BĂ€ume binden nicht nur das Treibhausgas CO2. Sie produzieren auch Sauerstoff, speichern Wasser, schĂŒtzen Böden und bieten Lebensraum fĂŒr unzĂ€hlige Arten.
Dieser empfindliche Kreislauf des Lebens ist seit Jahren aus der Balance. «In Deutschland, dem Land mit dem höchsten Holzvorrat der EU, verlieren gestörte WĂ€lder jĂ€hrlich im Schnitt rund 125 Tonnen Biomasse pro Hektar», heiĂt es in einer TUM-Mitteilung zu einer jĂŒngst veröffentlichten Studie im Fachjournal «Nature Geoscience». «WĂ€hrend zunehmende DĂŒrren BĂ€ume schwĂ€chen, verbessern sie die Lebensbedingungen fĂŒr BorkenkĂ€fer.»Â
Welche Folgen haben die Hitzewellen dieses Sommers?
Die im langjĂ€hrigen Vergleich deutlich zu hohen Temperaturen und geringen NiederschlĂ€ge haben vielerorts zum Austrocknen der oberen Bodenschicht gefĂŒhrt. Beispiel Nordrhein-Westfalen: «94 Prozent der LandflĂ€che von NRW sind Ende Juli von ungewöhnlicher Trockenheit und DĂŒrre betroffen - Tendenz steigend», berichtete der Landesbetrieb Wald und Holz der Deutschen Presse-Agentur in DĂŒsseldorf.Â
Besonders angegriffen seien diesjĂ€hrige FrĂŒhjahrsanpflanzungen von Laub- und Nadelgehölzen. «Es ist damit zu rechnen, dass auf den WiederbewaldungsflĂ€chen, wo Sturm, DĂŒrre und BorkenkĂ€fer-Massenvermehrung gravierende SchĂ€den hinterlassen haben, junge Pflanzen absterben.» Ăltere BĂ€ume könnten aufgrund ihrer Verwurzelung in tieferen Bodenschichten zumeist noch ausreichend Wasserreserven finden.
Was merkt man vor Ort?
Wer in diesen Wochen drauĂen unterwegs ist, wĂ€hnt sich vielerorts bereits beim Herbstspaziergang. Als Schutzreaktion auf die Hitze und die Trockenheit werfen viele BĂ€ume teilweise oder sogar komplett ihr Blattwerk ab. In NRW fielen derzeit besonders in der Eifel und vor allem bei Birken und Linden viele gelb verfĂ€rbte oder sogar bereits kahle Baumkronen auf, berichtete der Landesbetrieb Wald und Holz.
In Wuppertal sorgen sich die Anwohner um ihre Alleen. In der bergischen GroĂstadt mussten in diesem Jahr schon fast 1.000 vertrocknete StadtbĂ€ume gefĂ€llt werden. «Die mehr als 80 Jahre alten Buchen in unseren GrĂŒnanlagen sind doch immer dran gewöhnt gewesen, dass die Sommer feuchter und kĂŒhl waren im Bergischen, mit der Hitze und der Trockenheit kommen sie gar nicht zurecht und vertrocknen rasant», berichtete der Wuppertaler Forstabteilungsleiter in der vergangenen Woche dem WDR.
Wo sieht es in Deutschland besser und wo schlechter aus?
Laut «Hitze-Check 2026» der Deutschen Umwelthilfe sind zwischen 2018 und 2025 infolge der Klimakrise und der damit verbundene DĂŒrre bereits fast eine Million BĂ€ume in 195 StĂ€dten mit mehr als 50.000 Einwohnern verschwunden. Besonders schlecht schnitten in der Gesamtauswertung Offenburg, Lahr und Mannheim ab.
Wuppertal gehörte dagegen neben Kiel zu den StĂ€dten, die positiv hervorstachen. Wuppertal setzt kĂŒnftig auf hitzeresistente Baumarten wie die europĂ€ische Hopfenbuche, den Amberbaum oder die Esskastanie.
Wie hoch sind die aktuellen HitzeschĂ€den?Â
Das lÀsst sich noch nicht belastbar sagen. Sicher schwÀche die diesjÀhrige Trockenheit die BÀume weiter, stellten die Forstexperten vom NRW-Landesbetrieb fest. Aber: «Viele Baumarten werden erst im nÀchsten Jahr mit deutlichen Absterbe-Erscheinungen in der Krone reagieren.»
Insbesondere vorgeschĂ€digte BĂ€ume seien gefĂ€hrdet, mittelfristig abzusterben. «An beispielsweise durch Wurzelpilzbefall geschĂ€digten BĂ€umen ist in den nĂ€chsten Jahren mit deutlichen FolgeschĂ€den zu rechnen.»Â
Derzeit sind wieder geschulte Teams in den WĂ€ldern unterwegs, um deren Gesundheitszustand systematisch zu erfassen. Die Daten werden in die Waldzustandsberichte von Bund und LĂ€ndern einflieĂen. Erst dann wird das GesamtausmaĂ zuverlĂ€ssig sichtbar.Â
Wie schlimm sind die Aussichten fĂŒr den Wald?
Der Waldexperte Cornelius Senf bleibt positiv. «WĂ€lder sind durchaus in der Lage, sich von Störungen zu erholen», stellt der TUM-Professor fest. «Es besteht also Grund zur Hoffnung, denn die meisten gestörten FlĂ€chen werden wieder als Kohlenstoffspeicher fungieren.» DafĂŒr mĂŒsse die Waldbewirtschaftung aber an den Klimawandel angepasst werden.
