Zwischenfall im All: Was es mit den ISS-Lecks auf sich hat
06.06.2026 - 12:45:32 | dpa.de
Wie ungewöhnlich sind die Lecks an der Internationalen Raumstation ISS, wegen derer mehrere Astronauten zeitweise die Raumstation verlassen mussten? FĂŒr Experten sind sie keine groĂe Ăberraschung.Â
«Man muss immer die GröĂe der ISS bedenken», sagte der Ex-Chef der EuropĂ€ischen Raumfahrbehörde Esa, Jan Wörner, der Deutschen Presse-Agentur. «Bei einer so groĂen Infrastruktur sind immer gewisse Leckraten an Verbindungen vorhanden. Kritisch wird es, wenn lokales Materialversagen, zum Beispiel einer Dichtung, vorhanden ist. Dann kann es zu unkontrolliertem Fortschritt des Lecks kommen. Deshalb ist eine Evakuierung eine VorsichtsmaĂnahme.»
Astronauten verlassen Raumstation ISS zeitweise
Am Freitag mussten die vier Mitglieder der SpaceX-Crew 12 und der US-Astronaut Chris Williams sich zeitweise von der Raumstation in das Dragon-Raumschiff begeben. WĂ€hrenddessen sollten zwei Stellen am sogenannten Swesda-Modul repariert werden. Von der dafĂŒr zustĂ€ndigen russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos hieĂ es, eine Stelle sei umgehend abgedichtet worden, fĂŒr eine weitere Stelle liefen Vorbereitungsarbeiten. Da die Arbeiten pausiert wurden, gab die Nasa fĂŒr die fĂŒnf Raumfahrer wenig spĂ€ter wieder grĂŒnes Licht, zunĂ€chst auf die Raumstation zurĂŒckzukehren.Â
Roskosmos teilte mit: «Die Sicherheit der Besatzung und der Bordsysteme ist nicht gefÀhrdet, der Druck an Bord der ISS ist stabil und wird auf dem vorgesehenen Niveau gehalten.» Wann die Reparaturen fortgesetzt werden sollten, war zunÀchst offen.
VerschleiĂ nach vielen Andockungen
Der russische Raumfahrtexperte Georgi Trischkin erklĂ€rt die Lecks mit dem zunehmenden VerschleiĂ im Swesda-Modul. Es gebe Mikrorisse in den alten SchweiĂnĂ€hten des Moduls und Defekte. «Das Hauptproblem ist jedoch der VerschleiĂ des Andockteils des Moduls», schreibt er in einer Analyse zu dem neuerlichen Luftaustritt. Swesda habe 66 AndockvorgĂ€nge hinter sich. «Das ist mehr als bei allen anderen Modulen der Station. Jeder Andockvorgang bedeutet eine zusĂ€tzliche Belastung fĂŒr die Konstruktion des Andockteils», erklĂ€rt er.Â
«Mit diesen Lecks hat man schon seit sieben Jahren zu tun und arbeitet an ihnen mit wechselhaftem Erfolg.» Diesmal handele es sich um ein neues Leck â nicht um die Folge einer frĂŒheren Reparatur, weshalb es schwieriger sei, eine Ursache zu finden, so Trischkin.Â
Kooperation im All trotz Krieg und Spannungen
Laut dem Betreiber SpaceX passen bis zu sieben Personen in das «Dragon»-Raumschiff. An Bord der Internationalen Raumstation (ISS) leben und forschen seit rund 25 Jahren kontinuierlich Raumfahrer und Raumfahrerinnen.Â
Auf der ISS arbeiten Russland, die USA, Kanada, Japan und die EuropĂ€ische Raumfahrtagentur ESA zusammen. Das wissenschaftliche GroĂprojekt lĂ€uft trotz des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine weiter. Die Station fliegt im All in etwa 400 Kilometern Höhe um die Erde.
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