Ende der Hantavirus-QuarantĂ€ne fĂŒr Betroffene in Sicht
19.06.2026 - 05:00:24 | dpa.deNach dem Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff ist fĂŒr die noch in QuarantĂ€ne verbliebenen deutschen Passagiere ein Ende des Ausnahmezustands in Sicht. Alle, die noch in hĂ€uslicher Isolation sind, dĂŒrfen diese in den kommenden Tagen verlassen, wie eine dpa-Abfrage bei den zustĂ€ndigen Ămtern ergeben hat.Â
FĂŒr eine Person aus der Region Heilbronn lĂ€uft die QuarantĂ€ne am Wochenende aus, auch fĂŒr eine Person aus Mittelsachsen endet die Isolation in den nĂ€chsten Tagen. Beiden geht es nach Angaben der Behörden gut. Zwei Kontaktpersonen in Bayern entwickelten ebenfalls keine Symptome, eine hat die QuarantĂ€ne bereits verlassen, fĂŒr die andere sollte die Frist voraussichtlich am Samstag enden. Eine der beiden war anfangs in der Uniklinik DĂŒsseldorf. Aus Berlin hieĂ es ebenfalls, die QuarantĂ€ne der betroffenen Kontaktperson sei demnĂ€chst abgelaufen.
Damit orientieren sich die Behörden weitgehend an der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die eine Ăberwachung der Menschen vom Schiff bis zum 21. Juni empfohlen hatte.Â
Seltene Ansteckungen von Mensch zu Mensch
Auf einer in Argentinien begonnenen Kreuzfahrt des Schiffes «Hondius» der niederlĂ€ndischen Reederei Oceanwide Expeditions hatten sich mehrere Menschen mit dem Hantavirus â konkret mit dem sĂŒdamerikanischen Andes-Typ des Virus â angesteckt. Drei Menschen starben infolge ihrer Infektion, mehrere weitere steckten sich an und erkrankten. Das Andesvirus gilt als einziges Hantavirus, bei dem es vereinzelt auch Mensch-zu-Mensch-Ăbertragungen geben kann. Ăblicherweise werden Hantaviren von Nagetieren ĂŒbertragen, etwa durch Kotpartikel in aufgewirbeltem Staub.Â
Rund 150 Menschen aus 23 LĂ€ndern waren demnach auf der «Hondius». Wegen des Ausbruchs legte das Schiff im Mai an der Insel Teneriffa an, von wo aus die Menschen an Bord unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen in ihre HeimatlĂ€nder kamen. In mehreren LĂ€ndern, darunter Kanada, Frankreich und Spanien, wurden bei Mitreisenden Infektionen mit dem Virus bestĂ€tigt.Â
Nach Angaben der WHO sind die ĂŒberlebenden Infizierten alle auf dem Weg der Genesung und teils aus den KrankenhĂ€usern entlassen worden. Schon vor Wochen hatte die WHO das Risiko fĂŒr die breite Bevölkerung als gering bewertet.
Die grĂŒndlich desinfizierte «Hondius» ist mittlerweile wieder zu einer neuen Expedition aufgebrochen. Die Crew-Mitglieder wĂŒrden nach abgeschlossener QuarantĂ€ne in den nĂ€chsten Tagen nach Hause fliegen, hieĂ es von einer Sprecherin der Reederei.
Die Suche nach dem Anfang
Wo genau sich die Passagiere der «Hondius» mit dem Hantavirus angesteckt haben, ist trotz intensiver Suche noch nicht geklĂ€rt. Weil das Schiff am 1. April von Ushuaia in der Provinz Tierra del Fuego (Feuerland) im Ă€uĂersten SĂŒden Argentiniens aus in See gestochen war, suchten die argentinischen Behörden zunĂ€chst dort nach dem Ursprung der Infektion. Dazu stellten Mitarbeiter des Forschungsinstituts MalbrĂĄn in Ushuaia Fallen auf, um Nagetiere zu fangen, die das Hantavirus ĂŒbertragen können. Dabei wurden keine Exemplare der Langschwanz-Zwergreisratte (Oligoryzomys longicaudatus) gefunden, die als wichtigste TrĂ€ger des Andesvirus gelten, wie MalbrĂĄn mitteilte. Auch in der weiter nördlich gelegenen Provinz Mendoza an der Grenze zu Chile wurden keine verdĂ€chtigen Nagetiere gefangen.Â
Ein niederlĂ€ndisches Paar, das an der Infektion starb, war nach Angaben des Gesundheitsministeriums von Tierra del Fuego nach einer monatelangen Reise durch ganz Argentinien, Chile und Uruguay am 29. MĂ€rz in Ushuaia eingetroffen und hatte sich am 1. April auf der «Hondius» eingeschifft. Bereits am 3. April - fĂŒnf Tage nach ihrer Ankunft in Ushuaia - zeigten sie erste Symptome, zitiert die Fachzeitschrift «Science» die Virologin Valeria MartĂnez vom Forschungsinstitut MalbrĂĄn. «Eine so kurze Inkubationszeit ist nicht unmöglich, aber sehr unwahrscheinlich.» Die Pan-Amerikanische Gesundheitsorganisation schĂ€tzt die Inkubationszeit des Hantavirus auf 7 bis 39 Tage.Â
Ein Nagetier im Wohnmobil?
Die derzeit wahrscheinlichste Hypothese ist, dass ein infiziertes Nagetier wĂ€hrend der Fahrt des niederlĂ€ndischen Paars durch Argentinien in einer anderen Provinz in das Wohnmobil eingedrungen war und den Mann dann zu einem spĂ€teren Zeitpunkt ansteckte. «Das kommt hier in der Gegend zu Beginn des Winters ziemlich hĂ€ufig vor», sagte MartĂnez. «Die Nagetiere dringen auf der Suche nach Nahrung und Unterschlupf in die Autos ein.»Â
In Uruguay, wo das Paar nach seiner Rundreise das Wohnmobil abstellte, untersuchten Wissenschaftler das Fahrzeug. «Wir haben weder Kot noch offensichtliche Spuren von Nagetieren gefunden», sagte die Virologin Adriana Delfraro von der uruguayischen UniversitÀt der Republik. Die Forscher nahmen Abstriche aus dem Fahrzeug, um nach Hinweisen auf das Virus oder seinen Nagetierwirt zu suchen. Gewissheit gibt es jedoch weiterhin keine.
