Nachhaltigkeit, ISG-Studie

Nachhaltigkeit entscheidet: ISG-Studie zeigt Wende bei Rechenzentren

Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 23:05 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studie zeigt: Nachhaltigkeit wird zum Schlüsselkriterium bei der Wahl von Rechenzentren. Neue Projekte setzen auf wassersparende Kühlung und Ökostrom.

KI-Ära: Deutsche Rechenzentren setzen auf Nachhaltigkeit und Effizienz
Modernes nachhaltiges Rechenzentrum in deutscher Landschaft mit wassereffizienter Kühlungsinfrastruktur. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Wasser sparen, Abwärme nutzen, Ökostrom: Deutschlands Rechenzentren rüsten sich für das KI-Zeitalter – und Nachhaltigkeit wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

Nachhaltigkeit als zentrales Kriterium bei der Partnerwahl

Die Integration von Künstlicher Intelligenz in die Unternehmens-IT verändert den deutschen Markt für Rechenzentren grundlegend. Eine neue Studie des Analysehauses ISG, veröffentlicht am 4. August 2026, zeigt: Deutsche Unternehmen stellen ihre privaten und hybriden Cloud-Umgebungen massiv auf KI-Workloads um. Dabei gilt Nachhaltigkeit inzwischen als ebenso wichtiges Auswahlkriterium wie technische Leistungsfähigkeit und Datensouveränität.

Der Wandel hin zu vorausschauendem und autonomem Betrieb stellt hohe Anforderungen an die Infrastruktur. Steigende Kosten der Hyperscaler und veränderte Lizenzmodelle treiben sensible Workloads zunehmend in Hybrid-Umgebungen. Die Studie, für die 105 Anbieter bewertet wurden, sieht darin einen klaren Trend: Effizienz und Ressourcenschonung entscheiden immer häufiger über Auftragsvergaben.

Strengere Regularien und ehrgeizige Klimaziele

Der Druck kommt auch aus Brüssel und Berlin. Bereits Anfang dieses Jahres wurden Betreiber größerer Anlagen verpflichtet, ihre Abwärme zu erfassen. Bis 2028 soll in Deutschland ein Ziel von 20 Prozent Abwärmerückgewinnung erreicht werden. Einige Anbieter peilen sogar schon 2027 eine Netto-Null-Bilanz bei den Emissionen der eigenen Betriebsabläufe an.

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Großprojekte setzen auf wassersparende Kühlung

Besonders deutlich wird der Wandel bei neuen Großanlagen. Im hessischen Birstein gab die Gemeinde im Frühsommer grünes Licht für das Rechenzentrum „Frank Cube“. Das Projekt mit einer Leistung von 200 Megawatt soll zwischen 2029 und 2030 in Betrieb gehen und setzt auf eine wassereffiziente Kühlung. In der Region stehen schätzungsweise 400 bis 500 Megawatt erneuerbare Energien zur Verfügung, um die Anlage zu versorgen.

Auch das Rheinische Revier positioniert sich als digitaler Knotenpunkt. Microsoft investiert mehr als drei Milliarden Euro in vier Hyperscale-Rechenzentren in der ehemaligen Kohleregion. Unterstützt wird der Ausbau durch erhebliche staatliche Fördermittel und die Nähe zum Exascale-Supercomputer JUPITER in Jülich. Rund 60 Millionen Menschen sollen von der geringen Latenz profitieren.

Innovative Lösungen für Wasser- und Wärmemanagement

Dienstleister entwickeln zunehmend spezialisierte Werkzeuge für den hohen Ressourcenbedarf von KI. Der französische Umweltkonzern Veolia hat am 4. August 2026 eine integrierte Serviceplattform vorgestellt, die Wasser-, Energie- und Kreislaufwirtschaft für Rechenzentren optimiert. Erste Projekte zeigen: Der Wasserverbrauch ließ sich an einzelnen Standorten um die Hälfte reduzieren, Abwärme versorgt zehntausende Anwohner mit Heizenergie.

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Im Bereich der Spezialkühlung entstehen neue Partnerschaften zur Überwachung von Flüssigkühlungssystemen. Sensoren erfassen dabei Parameter wie Leitfähigkeit und pH-Wert, um den zuverlässigen Betrieb flüssigkeitsgekühlter Server-Racks sicherzustellen. Unternehmen wie SciDev haben erste Design- und Ingenieursverträge mit Hyperscale-Betreibern abgeschlossen.

Globale Perspektive: Regulierungswelle weltweit

Der deutsche Effizienzfokus steht im Kontext einer internationalen Verschärfung der Regeln. Thailand kündigte am 5. August 2026 strengere Vorgaben zur Überwachung von Strom- und Wasserverbrauch an – inklusive eines speziellen Überwachungsausschusses.

In den USA liegt der Anteil der Rechenzentren am Stromverbrauch inzwischen bei vier bis fünf Prozent. Der Gouverneur von Texas hat Anfang August eine umfassende Prüfung aller Rechenzentren angeordnet, die einen Netzanschluss beantragen. Betreiber müssen künftig detaillierte Angaben zu Wasserverbrauch, Kühltechnik und Netzwirkung machen. Die Kosten für notwendige Netzerweiterungen sollen auf die Entwickler abgewälzt werden.

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