Nachrichtenlose Vermögen: 86% der Deutschen fordern Sozialfonds
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 17:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Umgang mit verwaisten Bankkonten und ungenutzten Vermögenswerten stößt in der deutschen Bevölkerung auf ein eindeutiges Echo. Ergebnisse einer forsa-Umfrage zeigen eine starke Präferenz für eine gemeinnützige Verwendung von Geldern, zu deren Eigentümern kein Kontakt mehr besteht.
Während die gesetzlichen Rahmenbedingungen in Deutschland im internationalen Vergleich noch Lücken aufweisen, verdeutlichen Daten aus dem In- und Ausland das finanzielle Ausmaß dieses Phänomens.
Hohe Akzeptanz für unabhängige Sozialfonds
Einer im Februar 2026 durchgeführten forsa-Umfrage unter 1.622 Personen ab 18 Jahren zufolge befürwortet eine deutliche Mehrheit der Menschen in Deutschland eine Neuregelung beim Thema nachrichtenlose Vermögen.
Demnach sprachen sich 86 Prozent der Befragten dafür aus, diese Mittel in unabhängige Sozialfonds umzuleiten. Im Gegensatz dazu plädierten lediglich zwei Prozent dafür, die Gelder weiterhin bei den Banken zu belassen. Eine Übertragung an den Staat wurde von acht Prozent der Teilnehmer befürwortet.
Die Untersuchung macht zudem deutlich, dass dieser Konsens über verschiedene Bevölkerungsschichten hinweg besteht. Die Zustimmungswerte für eine Umleitung in Sozialfonds bewegten sich über alle befragten Gruppen hinweg in einem Korridor zwischen 80 Prozent und 92 Prozent.
Milliardenbeträge auf verwaisten deutschen Konten
Die wirtschaftliche Bedeutung einer gesetzlichen Regelung wird durch Schätzungen zum vorhandenen Volumen untermauert. Ein Gutachten des Bundesforschungsministeriums aus dem Februar 2026 beziffert das auf nachrichtenlosen Konten liegende Kapital in Deutschland auf bis zu 4,2 Milliarden Euro.
In der Schweiz liegen 6,75 Milliarden Franken auf rund 960.000 kontaktlosen Konten — und 2025 konnten bei 78 Prozent der 190.000 Anfragen tatsächlich bestehende Guthaben identifiziert werden. Ansprüche können jedoch der Verjährung unterliegen, weshalb eine frühzeitige Recherche sinnvoll ist. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie systematisch prüfen, ob auch Ihnen noch Geld zusteht. Leitfaden zur Kontenrecherche jetzt anfordern
Trotz dieser Summen nimmt die Bundesrepublik eine Sonderrolle ein: Deutschland gilt als der einzige G7-Staat, der bislang über keine gesetzliche Regelung für den Umgang mit nachrichtenlosem Vermögen verfügt.
Im politischen Raum gibt es jedoch Bestrebungen für eine Veränderung der Situation. So wurde im Bundestag bereits ein entsprechender Antrag der Grünen eingebracht, der eine rechtliche Grundlage für die Behandlung dieser Vermögenswerte schaffen soll.
Internationale Vergleiche und das Beispiel Schweiz
Andere Staaten haben bereits seit Jahren etablierte Systeme im Einsatz. Das Vereinigte Königreich betreibt beispielsweise schon seit 2008 einen speziellen Sozialfonds für nachrichtenloses Vermögen. Dieses Modell sieht zudem eine Rückzahlungsgarantie vor, falls sich rechtmäßige Eigentümer zu einem späteren Zeitpunkt melden.
In der Schweiz zeigt sich eine ähnliche Problematik insbesondere im Bereich der beruflichen Vorsorge. Bei der Stiftung Auffangeinrichtung BVG liegen auf rund 960.000 kontaktlosen Konten brachliegende Guthaben in Höhe von insgesamt 6,75 Milliarden Franken.
Deutschland ist der einzige G7-Staat ohne gesetzliche Regelung für nachrichtenloses Vermögen — bis zu 4,2 Milliarden Euro liegen hierzulande auf verwaisten Konten. Ob und wann sich das ändert, ist offen. Wer Klarheit über das eigene Guthaben will, sollte nicht auf eine politische Einigung warten: Unser Leitfaden führt Sie durch die kostenlose Suche über die Zentralstelle 2. Säule und zeigt, welche Fristen Sie beachten müssen. Checkliste verwaiste Konten jetzt sichern
Dass ein hohes Interesse an der Wiederauffindung dieser Mittel besteht, belegen Zahlen aus dem Jahr 2025. In diesem Zeitraum gingen 190.000 Anfragen nach vergessenen Pensionskassengeldern ein. In 78 Prozent der Fälle konnte dabei tatsächlich ein bestehendes Guthaben identifiziert werden.
Fachleute verweisen in diesem Zusammenhang auf die Möglichkeit einer kostenlosen Suche über die Zentralstelle 2. Säule. Gleichzeitig wird darauf aufmerksam gemacht, dass Ansprüche auf diese Gelder der Verjährung unterliegen können, was die Notwendigkeit einer frühzeitigen Recherche unterstreicht.
