Nahrungsergänzung, Arztpraxen

Nahrungsergänzung: 19 gefälschte Arztpraxen locken Verbraucher in Falle

Veröffentlicht: 13.07.2026 um 23:54 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Verbraucherschützer warnen vor gefälschten Arztpraxen und illegalen Präparaten. Zoll zieht Bilanz: 1.400 Produkte aus dem Verkehr.

Nahrungsergänzungsmittel: Betrugswelle und fragwürdige Produkte
Eine Hand hält ein Smartphone, das eine gefälschte medizinische Website anzeigt, im Hintergrund verschwommene Nahrungsergänzungsmittel. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel wird zunehmend von professionellen Betrügern heimgesucht.

Die Verbraucherzentrale schlägt Alarm. Im Juli 2026 wurden 19 angebliche Arztpraxen, drei Kliniken und vier Apotheken identifiziert, hinter denen sich unseriöse Anbieter verstecken. Die Täter nutzen fingierte Webauftritte medizinischer Einrichtungen, um Vertrauen zu erschleichen.

Gefälschte Experten und illegale Produkte

Die beworbenen Präparate haben oft keine erforderliche Anzeige in Deutschland. Stattdessen setzen die Betrüger auf scheinbare Expertenmeinungen. Parallel warnen Fachleute vor Deep-Fake-Videos von Prominenten und Phishing-Kampagnen, die Verbraucher zu Zahlungen oder Datenpreisgabe drängen.

Doch nicht nur der Betrug ist das Problem. Auch die wissenschaftliche Basis vieler populärer Mittel ist fragwürdig.

Kollagen, Ashwagandha und Co. – was wirklich hilft

Anti-Aging mit Kollagen-Präparaten? Unabhängige Studien belegen keine Wirkung, so eine Ernährungsexpertin im Juli 2026. Effektiver sei eine ausgewogene Ernährung mit Vitamin C und Eiweiß.

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Beim Trend-Wirkstoff Ashwagandha rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zur Vorsicht. Mögliche Nebenwirkungen: Leberschäden, Übelkeit und Kopfschmerzen. Die empfohlene Maximaldosis liegt bei 3 Gramm der Pflanze beziehungsweise 10 Milligramm Withanolide. Schwangere und chronisch Kranke sollten komplett verzichten.

Auch fermentierte Lebensmittel als natürlicher Ersatz für Abnehmmedikamente sind kritisch zu sehen. Eine Übersichtsarbeit im Journal of Food Science (2025) deutet zwar auf Potenzial gegen Adipositas hin, doch die Gleichsetzung mit hochwirksamen Medikamenten ist wissenschaftlich nicht haltbar.

Zoll zieht Bilanz: 1.400 Produkte aus dem Verkehr

Die Problematik reicht über Lebensmittel hinaus. Der Zoll in Karlsruhe zog 2025 rund 1.400 von 1.700 überprüften Produkten aus dem Verkehr. Oft steckten Potenzmittel oder Abnehmspritzen dahinter, die als Lebensmittel deklariert waren – etwa als sogenannter Potenzhonig.

Die Gesundheitsrisiken sind enorm: unkontrollierte Dosierungen, unvorhersehbare Wechselwirkungen. Die Strafverfolgung der meist im Ausland ansässigen Händler gestaltet sich schwierig.

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Gleichzeitig registrieren Polizeibehörden mehr Rezeptbetrug. Organisierte Banden fälschen Papierrezepte für teure Diabetes-Medikamente, Schmerzmittel oder Gewichtsreduktionspräparate. Mitte 2026 kam es zu Festnahmen in Apotheken, wo Personen mit gefälschten Rezepten Beruhigungsmittel beziehen wollten. Das elektronische Rezept gilt als fälschungssicherer, befindet sich aber noch in der Umstellungsphase.

Signal aus Frankreich: 75.000 Euro Strafe für Greenwashing

Der rechtliche Druck wächst. Im Sommer 2026 verurteilte ein französisches Gericht einen namhaften Getränkehersteller zu 75.000 Euro Schadenersatz. Grund: irreführende Aussagen zur Umweltverträglichkeit und Recyclingfähigkeit. Verbraucherorganisationen werten das Urteil als wichtiges Signal für mehr Transparenz.

Die Verbraucherzentralen erinnern daran: Nahrungsergänzungsmittel sind keine geprüften Arzneimittel. Sie ergänzen die Nahrung – sie heilen keine Krankheiten. Bei Online-Angeboten gilt: auf vollständiges Impressum achten, keine Vorkasse bei unbekannten Anbietern und kritisch bleiben bei auffällig günstigen Preisen oder versteckten Servicegebühren.

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