Nahrungsergänzungsmittel, Produktion

Nahrungsergänzungsmittel: Produktion in Deutschland erreicht 241.000 Tonnen

Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Herstellung und Produktionswert legten 2025 zu; zugleich wachsen Herstellerzahl und Kreatin-Segmente, während Fachleute Regulierungslücken kritisieren.
Moderne industrielle Produktionsanlage mit Edelstahlmaschinen in einer hellen, sterilen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die deutsche Industrie hat im Jahr 2025 so viele Nahrungsergänzungsmittel hergestellt wie nie zuvor. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes belief sich das Produktionsvolumen auf rund 241.000 Tonnen. Dies entspricht einem Zuwachs von 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr und einem deutlichen Anstieg von 48,4 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019. Die Branche verzeichnet damit einen langfristigen Aufwärtstrend, der sich sowohl in den Mengendaten als auch in den Umsätzen und Herstellerzahlen widerspiegelt.

Steigende Umsätze und wachsende Herstellerzahl

Parallel zum Volumen legte auch der finanzielle Wert der gefertigten Erzeugnisse deutlich zu. Laut dem Statistischen Bundesamt stieg der Produktionswert im Jahr 2025 um 12,6 Prozent auf gut 2,08 Milliarden Euro.

Seit 2019 hat sich dieser Wert damit mehr als verdoppelt, was auf spürbar gestiegene Preise bei den Endprodukten hindeutet. Ernährungsexperten verweisen darauf, dass sich auch der Umsatz mit Vitaminen, Mineralstoffen und Eiweißgetränken seit 2019 fast verdoppelt hat und inzwischen bei über 2 Milliarden Euro liegt.

Mit der Nachfrage vergrößerte sich zugleich die industrielle Basis: Das Statistische Bundesamt zählte im Jahr 2025 insgesamt 72 Hersteller mit mindestens 20 Beschäftigten. Im Jahr 2024 lag dieser Wert noch bei 64 Betrieben, während 2019 lediglich 52 Unternehmen dieser Größenordnung in dem Bereich tätig waren.

Gestützt wird diese Entwicklung durch eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung. Einer Umfrage des Verbraucherzentrale Bundesverbands aus dem Jahr 2025 zufolge nehmen 77 Prozent der Menschen in Deutschland regelmäßig entsprechende Präparate ein.

Behördliche Skepsis und Kritik an Regulierungslücken

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Fachbehörden bewerten den flächendeckenden Konsum zurückhaltend. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält Nahrungsergänzungsmittel für gesunde Personen mit einer normalen Ernährung in der Regel für überflüssig. Da die Präparate rechtlich als Lebensmittel eingestuft werden, ist vor ihrem Verkauf keine behördliche Prüfung der Wirksamkeit vorgeschrieben. Vor diesem Hintergrund mahnen Ernährungsexperten zur Vorsicht vor einem übermäßigen Konsum.

Zusätzliche Kritik formiert sich an speziellen Produktgruppen. In einem Schreiben an die Bundesministerien für Wirtschaft sowie Ernährung und Landwirtschaft warnten Mediziner, Wissenschaftler und Verbraucherschützer vor erheblichen Qualitäts- und Sicherheitsmängeln bei Präparaten mit pflanzlichen Stoffen, sogenannten Botanicals. Die Unterzeichner fordern, die gegenwärtig unzureichend geregelte Marktsituation durch verbindliche Vorgaben zu beenden.

Spezifische Segmente und der Einfluss von Trends

Die Expansion des Marktes wird durch einzelne Wirkstoffe und Darreichungsformen beschleunigt. Marktanalysen von Innova Market Insights zeigen beispielsweise, dass der Bereich Kreatin zwischen 2022 und 2025 dreimal so schnell zulegte wie der gesamte Markt für Nahrungsergänzungsmittel.

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Von Januar bis August 2026 kletterte die Zahl der Neueinführungen mit Kreatin im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 62 Prozent. Während reine Kreatinpräparate um 52,7 Prozent wuchsen, legten Kombinationen mit bioaktiven Stoffen im Jahresvergleich um 134 Prozent zu. Neuheiten abseits der klassischen Fitness-Kategorie verzeichneten sogar ein Plus von 194,7 Prozent.

Zugleich zeigen sich deutliche Preisunterschiede je nach Verarbeitungsstufe: Der Medianpreis pro Kilo lag bei unaromatisiertem Kreatinpulver bei 73 Euro und bei aromatisierten Varianten bei 83 Euro. Dagegen erreichten Produkte mit bioaktiven Zusätzen einen Medianpreis von 222 Euro je Kilo, während weiterverarbeitete Formate wie Riegel oder Gummis auf 275 Euro pro Kilo kamen.

Auch internationale Entwicklungen rund um das Thema gesundes Altern treiben die Nachfrage nach spezifischen Wirkstoffen an. Während dort vermehrt experimentelle Ansätze und Substanzen beworben werden, verweisen Fachleute darauf, dass die wissenschaftliche Absicherung im Bereich frei verkäuflicher Ergänzungsmittel oft begrenzt bleibt.

Die anhaltenden Produktionszuwächse in Deutschland belegen jedoch, dass das Konsumenteninteresse an frei verkäuflichen Präparaten ungebrochen hoch ist.

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