Nancy Grace Roman: Heidelberger Teleskop startet zur Exoplanetenjagd
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 16:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit dem erfolgreichen Start des Nancy Grace Roman Space Telescope am 30. August 2026 hat eine neue Ära der astrophysikalischen Beobachtung begonnen. Während die NASA-Mission primär auf die Erforschung Dunkler Materie und Dunkler Energie ausgerichtet ist, spielt das Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) in Heidelberg eine entscheidende Rolle für den zweiten wissenschaftlichen Schwerpunkt: die Entdeckung und Charakterisierung von Exoplaneten.
Das Institut entwickelte das Coronagraph Instrument (CGI), das erstmals das schwache Licht von Planeten direkt neben ihren extrem hellen Heimatsternen sichtbar machen soll.
Optische Hochleistung aus Heidelberg
Das am 30. August 2026 vom Kennedy Space Center gestartete Teleskop nutzt das CGI, um Sternenlicht um den Faktor 1 Milliarde zu unterdrücken. Oliver Krause vom MPIA bezeichnete das Instrument als das technisch anspruchsvollste Gerät für optische Beobachtungen, das bisher in den Weltraum befördert wurde. Nur durch diese enorme Lichtfilterung lassen sich Planeten in der direkten Umgebung von Sternen optisch isolieren.
Zur Sicherstellung der notwendigen Präzision entwickelte das Heidelberger Institut sechs hochpräzise Ausrichtungsmechanismen, die sogenannten Precision Alignment Mechanisms (PAM).
Diese Komponenten sorgen dafür, dass Filter und Spiegel über einen Beobachtungszeitraum von acht Stunden mit einer maximalen Abweichung von lediglich 40 Millibogensekunden stabil ausgerichtet bleiben. Beim Bau des komplexen Instruments erhielt das MPIA Unterstützung durch das Unternehmen von Hoerner & Sulger.
Internationale Zulieferer für Elektronik und Sensorik
An der technischen Ausstattung des CGI waren zudem ABB und Nüvü Cam?ras beteiligt. Die Unternehmen entwickelten eine hochempfindliche Kamera-Elektronik für das Auslesesystem, die auf die Größe eines Schuhkartons komprimiert wurde. Das System ist strahlungshärtet und für den Betrieb bei kryogenen Temperaturen ausgelegt.
ABB verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung im Weltraumsektor und hat bereits über 140 optische Systeme in den Orbit gebracht. Der entsprechende Vertrag für diese Mission wurde bereits im Jahr 2020 durch das NASA Jet Propulsion Laboratory vergeben. Die kanadischen Unternehmen lieferten zudem die Kamerasysteme ExCam und LoCam für das Coronagraph Instrument.
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Für die elektrische Infrastruktur des Teleskops lieferte Infineon HiRel strahlungshärtete Leistungshalbleiter. Diese Komponenten sind nach MIL-PRF-Standards qualifiziert und zeichnen sich durch eine spezielle Charakterisierung hinsichtlich der Gesamtionisationsdosis (TID) und Einzeleventeffekten (SEE) aus.
Weitwinkel-Optik und gigantische Datenmengen
Neben dem CGI ist das Wide Field Instrument (WFI) das zweite Hauptinstrument an Bord. BAE Systems lieferte hierfür die optomechanische Baugruppe, die unter anderem den 2,4-Meter-Hauptspiegel sowie das thermische Management umfasst. Die Bildsensorik stammt von Teledyne Space Imaging.
Das WFI nutzt 18 H4RG-10 Infrarot-Arrays mit insgesamt über 300 Millionen Pixeln. Dies stellt laut Herstellerangaben die größte Infrarot-Fokalebene dar, die bisher im Weltraum eingesetzt wurde. Das Sichtfeld des Teleskops ist damit etwa 100-mal größer als das des Hubble-Weltraumteleskops, was die Erfassung von Licht von mindestens einer Milliarde Galaxien ermöglichen soll.
Auch die Europäische Weltraumorganisation (ESA) ist mit Beiträgen wie Detektoren, Batterien, Star Trackern und der Bereitstellung einer 35-Meter-Antenne an der Mission beteiligt.
Missionsverlauf und ökonomische Eckdaten
Das Teleskop, dessen Gesamt-Lebenszykluskosten mit 4,3 Milliarden US-Dollar beziffert werden, befindet sich nach dem Start mit einer Falcon-Heavy-Rakete auf dem Weg zum Lagrange-Punkt L2. Dieser liegt etwa 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Die Reisezeit dorthin wird mit circa drei Monaten kalkuliert.
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Die Primärmission ist auf mindestens fünf Jahre ausgelegt, wobei eine Ausweitung auf 10 bis 15 Jahre für möglich gehalten wird. Mit einem täglichen Datenaufkommen von 1,4 Terabyte Rohdaten bewältigt das Nancy Grace Roman Space Telescope die höchste Datenmenge einer bisherigen NASA-Astrophysik-Mission.
Die erste Inbetriebnahme soll etwa 90 Tage in Anspruch nehmen, sodass erste Aufnahmen vor Weihnachten erwartet werden. Sämtliche wissenschaftlichen Daten werden ohne Embargo direkt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
