NDRC-Veto gegen SoftBank: ABB entgehen 5,3 Milliarden US-Dollar
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie chinesische Behörde für die Sicherheitsprüfung ausländischer Investitionen, die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC), hat die Übernahme des China-Geschäfts von ABB Robotics durch den japanischen Technologiekonzern SoftBank untersagt.
Der Schweizer Industriekonzern ABB bestätigte die verweigerte Genehmigung. Für ABB bedeutet die Entscheidung einen herben Rückschlag, da das Unternehmen aus der Transaktion einen Nettoerlös von rund 5,3 Milliarden US-Dollar erwartet hatte. Der Abschluss des Verkaufs war ursprünglich für Mitte bis Ende 2026 vorgesehen gewesen.
Sicherheitsbedenken und Sorge um Datenflüsse
Offizielle Gründe für das Veto nannten die chinesischen Behörden bislang nicht. Wie die Financial Times berichtete, befürchte Peking jedoch, dass sensible Industriedaten aus dem Robotikbereich ins Ausland abfließen könnten. Diese Daten könnten demnach zum Training von Modellen für künstliche Intelligenz genutzt werden, möglicherweise auch bei OpenAI, wo SoftBank als Großinvestor engagiert ist.
Zudem habe die Prüfbehörde NDRC den Verbleib von geistigem Eigentum und Produktionskapazitäten in China untersucht. Im Vorfeld seien Bedingungen wie ein Teilverkauf an chinesische Eigentümer oder eine Abspaltung an lokale Anteilseigner erwogen worden.
Nach Angaben von Fachmedien handelt es sich um den zweiten öffentlich bekannten Fall in diesem Jahr, in dem die chinesische Führung ein internationales Geschäft im Bereich der Schlüsseltechnologien stoppt.
Betroffen von der Entscheidung ist die Kontrolle über die globale Zentrale von ABB Robotics in Shanghai, die Fertigungsstandorte, die Forschungseinrichtungen sowie Betriebsdaten von Robotern in chinesischen Fabriken.
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Große Bedeutung des chinesischen Marktes für ABB
China stellt den größten Markt für die Robotiksparte von ABB dar und macht rund 30 Prozent des Robotikgeschäfts des Konzerns aus. Mindestens 90 Prozent der für Kunden in der Volksrepublik gebauten Einheiten werden lokal gefertigt.
Im Stadtbezirk Pudong in Shanghai betreibt ABB seit 2022 eine Roboterfabrik, deren Baukosten bei 150 Millionen US-Dollar lagen. Insgesamt umfasst die Präsenz des Gesamtkonzerns in China rund 30 Gesellschaften und etwa 15.000 Beschäftigte in fast 130 Städten.
Die globale Sparte ABB Robotics beschäftigte zuletzt weltweit rund 7.000 Mitarbeiter und erzielte im Jahr 2024 einen Umsatz von 2,3 Milliarden US-Dollar; das US-Hauptquartier samt Fertigungswerk befindet sich in Auburn Hills im Bundesstaat Michigan.
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Bei den Auftragseingängen verzeichnete das Robotikgeschäft in China ein deutliches Wachstum: Für das Geschäftsjahr 2025 lagen die Bestellungen bei 928.000 US-Dollar nach 662.000 US-Dollar im Vorjahr 2024. Im dritten Quartal 2026 legte das Geschäft in China um 32 Prozent zu.
Chinesische Marktdaten unterstreichen die Dimension des Standorts: Im Jahr 2024 entfielen 54 Prozent der weltweiten Installationen von Industrierobotern auf China, der Gesamtbestand überstieg 2 Millionen Einheiten. Der Marktanteil kletterte auf 57 Prozent, verglichen mit rund 28 Prozent im vorangegangenen Jahrzehnt.
Überraschung an den Finanzmärkten und weitere Schritte
Die behördliche Blockade traf Marktbeobachter unerwartet. Analyst Florian Sager von der Zürcher Kantonalbank sprach von einer Überraschung, da die fusionskontrollrechtliche Prüfung bereits positiv abgeschlossen gewesen sei.
Berichten zufolge war die Freigabe des Geschäfts bis kurz vor der Entscheidung erwartet worden. An den Finanzmärkten reagierte die ABB-Aktie mit leichten Abgaben und sank um 0,62 Prozent auf 70,02 Schweizer Franken, während der Leitindex SMI nahezu unverändert bei minus 0,01 Prozent notierte.
Die Transaktion ist trotz der behördlichen Hürde womöglich noch nicht endgültig gescheitert. SoftBank prüfe derzeit das Einreichen eines erneuten Antrags bei den Behörden. Zudem befinden sich ABB und SoftBank weiterhin im engen Austausch, um mögliche Alternativen auszuloten.
