Nebennierenadenom, Patienten

Nebennierenadenom: 4 von 10 Patienten kommen nach OP ohne Blutdruckmittel aus

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 06:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Nebennierenadenom verursachte bei einer Patientin schwer einstellbaren Blutdruck; nach der Entfernung waren keine Blutdruckmittel mehr nötig.
Ein heller, steriler Behandlungsraum in einer Klinik mit klaren Linien und natĂŒrlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Wenn sich ein hoher Blutdruck trotz mehrfacher medikamentöser Behandlung nicht einstellen lĂ€sst, rĂŒckt in der klinischen Praxis zunehmend die Suche nach organischen Ursachen in den Fokus. Wie ein Fallbericht des Taipei City Hospital Yangming Branch verdeutlicht, kann hinter einer therapierefraktĂ€ren Hypertonie eine behandelbare Grunderkrankung stehen.

Dort wurde der Fall einer 58-jÀhrigen Patientin dokumentiert, deren Blutdruck und Diabetes trotz der Gabe von drei Antihypertensiva unkontrolliert blieben. Als Auslöser diagnostizierten Fachleute um Dr. Chen Yu-an ein linksseitiges Nebennierenadenom mit primÀrem Aldosteronismus. Nach der chirurgischen Entfernung der Neubildung benötigte die Frau keine blutdrucksenkenden Medikamente mehr.

HĂ€ufigkeit und Ursachen hormoneller Hypertonieformen

Die im Fallbericht zitierte Studienlage zeigt, dass primÀrer Aldosteronismus keineswegs eine seltene Ausnahme darstellt: Nahezu einer von zehn aller Hypertoniepatienten ist davon betroffen. Liegen zusÀtzlich eine therapieresistente Hypertonie, eine HypokaliÀmie oder ein Diabetes vor, steigt der Anteil auf nahezu zwei von zehn Patienten.

Bei dieser endokrinen Erkrankung fĂŒhrt eine ĂŒbermĂ€ĂŸige Sekretion von Aldosteron zu einer Retention von Natrium und Wasser, gepaart mit Kaliumverlust und Blutdruckanstieg. Typische Auslöser sind ein Aldosteron-produzierendes Adenom, auch als Conn-Adenom bezeichnet, sowie die adrenale Hyperplasie.

Neben Aldosteronomen können auch andere hormonproduzierende Nebennieren- oder Nierentumoren eine sekundĂ€re Hypertonie auslösen. Dazu zĂ€hlt das PhĂ€ochromozytom, das ĂŒber eine Überproduktion von Adrenalin und Noradrenalin die klassische Trias aus Kopfschmerz, Schwitzen und Tachykardie hervorrufen sowie Blutdruckwerte von teils ĂŒber 200/110 mm Hg verursachen kann.

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Diagnostische Pfade und chirurgische Erfolgsaussichten

FĂŒr die Erkennung sekundĂ€rer Ursachen stehen spezifische AbklĂ€rungsverfahren zur VerfĂŒgung. Neben dem Blutdruckmonitoring und der Bestimmung von Elektrolyten umfasst die Diagnostik den Aldosteron-Renin-Quotienten beziehungsweise die Aldosteron-Renin-Ratio sowie Bestimmungen von Metanephrinen im Plasma oder im 24-Stunden-Urin.

Zur weiteren Differenzierung dienen der Kochsalzbelastungstest, bildgebende Verfahren wie CT oder MRT der Nebennieren sowie die selektive Nebennierenvenenblutentnahme.

Wird ein Adenom festgestellt, stellt die laparoskopische oder robotische Adrenalektomie eine gezielte Option dar, um den Bluthochdruck vollstĂ€ndig zurĂŒckzubilden. Nach einer solchen Tumorentfernung sind innerhalb eines Jahres nahezu vier von zehn Betroffenen vollstĂ€ndig ohne Antihypertensiva beschwerdefrei, wĂ€hrend weitere nahezu fĂŒnf von zehn Patienten ihre Medikamentendosis reduzieren können.

Liegt hingegen eine bilaterale Hyperplasie vor oder wird auf eine Operation verzichtet, erfolgt in der Regel eine medikamentöse Therapie mit Aldosteronantagonisten wie Spironolacton oder Eplerenon, ergĂ€nzt durch Lebensstilmaßnahmen wie Salzrestriktion, Gewichtsreduktion und Bewegung.

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GefĂ€ĂŸverĂ€nderungen und vaskulĂ€re Ursachen

Über den reinen Blutdruckwert hinaus beeinflusst die Therapie auch die GefĂ€ĂŸgesundheit. Eine prospektive Follow-up-Studie der Gazi University in Ankara mit 30 Patienten mit primĂ€rem Aldosteronismus untersuchte GefĂ€ĂŸparameter sechs Monate nach Behandlungsbeginn. Dabei stieg die arterielle Compliance sowohl in Quer- als auch in LĂ€ngsebene signifikant an (p<0,05), wobei der Anstieg in der chirurgisch behandelten Gruppe ausgeprĂ€gter war als in der medikamentösen Gruppe (p=0,033).

Auch die arterielle DistensibilitÀt in der Querebene verbesserte sich (p<0,05), wÀhrend die Carotis-Intima-Media-Dicke in der Gesamtkohorte sowie in der medikamentösen Gruppe sank (p<0,05).

Keine signifikanten Änderungen zeigten sich beim ?-Steifigkeitsindex, dem ElastizitĂ€tsmodul, der PulswellenelastizitĂ€t (PWV) und den Strain-Parametern (p>0,05). Als PrĂ€diktoren fĂŒr eine stĂ€rkere Verbesserung der Compliance ermittelten die Forscher ein jĂŒngeres Alter, eine kĂŒrzere Hypertoniedauer, das mĂ€nnliche Geschlecht sowie die DurchfĂŒhrung einer chirurgischen Behandlung (jeweils p<0,05).

Neben hormonellen Tumoren kommen auch vaskulÀre Engstellen als Ursache sekundÀren Bluthochdrucks infrage. Ein Bericht des RAK Hospital in Ras Al Khaimah beschreibt einen 62-jÀhrigen Mann mit therapieresistentem Bluthochdruck, bei dem eine Verengung von circa 70 Prozent an einer die linke Niere versorgenden Arterie festgestellt wurde.

Nach einer Katheter-Angioplastie und dem Einsetzen eines Stents besserte sich die Blutdruckeinstellung. Dr. Ahmed Sharafeldin vom RAK Hospital gab dabei zu bedenken, dass ein unkontrollierter Blutdruck zwar nicht als unvermeidbar hingenommen werden sollte, der Nachweis einer Nierenarterienstenose jedoch nicht automatisch eine Stent-Implantation erfordert.

Viele Patienten seien mit einer medikamentösen Therapie, engmaschiger Überwachung und der Behandlung kardiovaskulĂ€rer Risikofaktoren ausreichend versorgt.

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