Netto, Alnatura

Netto und Alnatura kooperieren: 80 Bio-Produkte ab August in 260 Filialen

Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 07:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bio-Lebensmittel legen im ersten Halbjahr 2026 um 3,8 Prozent zu. Drogeriemärkte und Discounter gewinnen an Bedeutung, während der Fachhandel stagniert.

Bio-Markt wächst: Drogerien und Discounter treiben Umsatz mit Öko-Lebensmitteln
Regal in einem Lebensmittelgeschäft mit einer Auswahl an hochwertigen Bio-Produkten und frischem Obst und Gemüse. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln zeigt in der ersten Jahreshälfte 2026 eine stabil aufsteigende Tendenz. Wie aus Daten des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) und der Nachrichtenagentur dpa hervorgeht, erreichte der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln im zweiten Quartal 2026 ein Volumen von 4,75 Milliarden Euro. Dies entspricht einer Steigerung von 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Für das gesamte erste Halbjahr 2026 summierten sich die Erlöse in diesem Segment damit auf insgesamt 9,6 Milliarden Euro.

Verschiebungen in den Vertriebskanälen

Hinter den positiven Gesamtzahlen verbirgt sich eine deutliche Verschiebung innerhalb der verschiedenen Handelssegmente. Besonders dynamisch entwickelten sich die Drogeriemärkte. Unternehmen wie dm und Rossmann konnten ein Umsatzplus von 20 Prozent im Bio-Bereich verzeichnen. Der Anteil von Bio-Produkten am Gesamtsortiment dieser Anbieter liegt laut den vorliegenden Daten bei 12,5 Prozent.

Auch die klassischen Vollsortimenter im Lebensmitteleinzelhandel, darunter Rewe und Edeka, konnten ihre Bio-Umsätze um 5 Prozent steigern. Im Gegensatz dazu zeigt sich der spezialisierte Bio-Fachhandel weniger wachstumsstark. In diesem Segment stagnierte der Umsatz zuletzt bei 0,82 Milliarden Euro. Diese Entwicklung unterstreicht den Trend, dass Bio-Produkte zunehmend über den konventionellen Handel und Drogerien bezogen werden.

Strategische Kooperationen und Preispolitik

Ein markantes Beispiel für die zunehmende Präsenz von Bio-Marken im Discountbereich ist die im August 2026 begonnene Kooperation zwischen Netto Marken-Discount und Alnatura. In 260 Berliner Filialen wurden rund 80 Produkte des Bio-Pioniers in das Sortiment aufgenommen. Es handelt sich dabei um den ersten Fall, in dem ein Discounter Alnatura-Produkte führt. Das Angebot konzentriert sich vorerst auf das Trockensortiment; Frischeprodukte sind nicht Teil der Auswahl.

Bezüglich der Dauer dieser Partnerschaft gibt es unterschiedliche Signale: Während Alnatura betont, dass es sich um einen zeitlich begrenzten Test handle, bezeichnet Netto die Einführung als Auftakt einer möglichen Zusammenarbeit. Flankierend dazu hat Alnatura die Preise seiner Eigenmarke „Prima! Alnatura“ auf das Niveau von Drogeriemärkten gesenkt, um die preisliche Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen.

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Politische Zielvorgaben und regulatorische Hürden

Trotz des Marktwachstums gibt es Kritik an der Umsetzung ökologischer Standards in der öffentlichen Beschaffung. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, einen Bio-Anteil von 30 Prozent in den Kantinen der Ministerien zu erreichen. Aktuelle Daten zeigen jedoch erhebliche Abweichungen. Während das Innenministerium einen Bio-Anteil von 14,2 Prozent erreicht, liegt dieser Wert beim Verteidigungsministerium lediglich bei 3,67 Prozent, bei Gesamtausgaben für Lebensmittel von 24,8 Millionen Euro. Kritiker werfen den Ministerien vor, die Kontrolle über die Zielvorgaben zu vernachlässigen, da mehr als die Hälfte der Ressorts für das Jahr 2025 keine konkreten Bio-Anteile oder Tierwohl-Quoten beziffern konnte. Insgesamt gibt der Bund jährlich über 66 Millionen Euro für Lebensmittel aus.

Zusätzlich sorgen regulatorische Vorgaben der EU für Herausforderungen in der Landwirtschaft. Die EU-Öko-Verordnung schreibt Weidegang für alle Tiere in Bio-Betrieben vor. Ein vom EU-Parlament angenömener Änderungsantrag zur Weidepflicht betrifft hunderte Betriebe, die diese Anforderungen aufgrund lokaler Gegebenheiten oft nur schwer erfüllen können. Exemplarisch steht hierfür der bayerische Betrieb Bigelmaier, dem bei Nichterfüllung der Weidepflicht der Entzug der Bio-Zertifizierung droht.

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Nachhaltigkeit im Fokus der Qualitätsprüfung

Abseits der landwirtschaftlichen Erzeugnisse bleibt die Nachhaltigkeit bei Fischprodukten ein kritisches Thema. Ein Marktcheck des WWF, der 1519 Produkte untersuchte, stufte lediglich 27 Prozent als empfehlenswert ein. Demgegenüber stehen 22 Prozent auf der „roten Liste“ und 51 Prozent gelten als zweite Wahl. Besonders kritisch wird die Situation bei Makrele (92 Prozent kritisch) und Kabeljau (75 Prozent kritisch) bewertet, während Alaska-Seelachs meist als unbedenklich eingestuft wird. Experten raten Verbrauchern, auf Siegel wie ASC oder MSC zu achten und Produkte aus Grundschleppnetz-Fischerei zu meiden.

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