Netzhautalterung: Grönlandhai zeigt Reparatur-Mechanismus für 400 Jahre
Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 04:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Grönlandhai gilt als eines der langlebigsten Wirbeltiere überhaupt – Schätzungen zufolge kann die Art bis zu 400 Jahre alt werden. Eine in Nature Communications veröffentlichte Studie liefert nun einen Erklärungsansatz, warum das Sehorgan des Tieres über diesen enorm langen Zeitraum funktionsfähig bleibt: Die Netzhaut des Grönlandhais verfügt über eine hochaktive DNA-Reparatur, die zentral vom ERCC1-XPF-Komplex getragen wird.
Ein Reparaturmechanismus als Schlüssel zur Langlebigkeit
Ein Forschungsteam der UC Irvine um Dorota Skowronska-Krawczyk fand heraus, dass in der Netzhaut des Grönlandhais die Expression von ERCC4, auch als XPF bekannt, deutlich erhöht ist.
Dieser Mechanismus gilt als Schlüsselfaktor dafür, dass sich Zellschäden in der Netzhaut über Jahrhunderte hinweg nicht in dem Maße anhäufen, wie man es angesichts der Lebensspanne erwarten würde. Die DNA-Reparatur schützt offenbar lichtempfindliches Gewebe, das normalerweise besonders anfällig für alterungsbedingte Schäden ist.
Angepasst an die Dunkelheit der Tiefsee
Neben der Reparaturfähigkeit interessierte sich das Team auch für die visuelle Ausstattung des Tieres. Der Grönlandhai besitzt demnach Rhodopsin, das auf blaues Licht mit einer Wellenlänge von 458 Nanometern reagiert, sowie eine hohe Konzentration der Fettsäure DHA in der Netzhaut. Beide Eigenschaften passen zum Lebensraum der Art in den kalten, lichtarmen Tiefen des Nordatlantiks und des Arktischen Ozeans.
Auffällig ist zudem, dass Parasiten der Art Ommatokoita elongata, die häufig an den Augen von Grönlandhaien siedeln, die Sehfähigkeit der Tiere offenbar kaum beeinträchtigen. Laut den Untersuchungen des UC-Irvine-Teams liegt die Lichtdurchlässigkeit trotz Parasitenbefall bei 70 bis 100 Prozent – ein Hinweis darauf, dass die Netzhaut des Grönlandhais auch gegenüber äußeren Belastungen bemerkenswert widerstandsfähig ist.
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Relevanz für die Alterungsforschung beim Menschen
Für die Longevity-Forschung ist besonders eine Beobachtung von Bedeutung: Der Mensch verfügt über dieselben Gene wie der Grönlandhai, exprimiert sie jedoch in deutlich geringerem Maß. Das legt nahe, dass nicht das Fehlen bestimmter genetischer Werkzeuge den Unterschied in der Alterungsgeschwindigkeit der Netzhaut ausmacht, sondern die Intensität ihrer Aktivierung.
Das Forschungsteam um Skowronska-Krawczyk plant deshalb Versuche an Mäusen, um zu prüfen, ob und wie sich die beim Grönlandhai beobachteten Reparaturmechanismen auf Säugetiere übertragen lassen.
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Bedeutung für die Altersforschung
Die Netzhaut gilt in der Alternsforschung als besonders aufschlussreiches Gewebe, weil sie ständig Licht ausgesetzt ist und daher anfällig für oxidative Schäden und Zellalterung ist.
Ein Organismus, der dieses empfindliche Gewebe über Jahrhunderte funktionsfähig hält, liefert damit potenziell übertragbare Erkenntnisse für die Erforschung altersbedingter Augenerkrankungen beim Menschen, etwa der altersbedingten Makuladegeneration.
Ob sich die beim Grönlandhai identifizierten Mechanismen tatsächlich in klinisch nutzbare Ansätze übersetzen lassen, dürften die geplanten Mausstudien des UC-Irvine-Teams in den kommenden Jahren zeigen.
