Neu5Gc, Typ-2-Diabetes

Neu5Gc und Typ-2-Diabetes: Nach Fleischkorrektur kein signifikanter Zusammenhang

Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 13:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Beobachtungsanalyse fand höhere relative Risiken, doch nach Berücksichtigung des Fleischkonsums war der Zusammenhang nicht mehr signifikant.

Neu5Gc aus rotem Fleisch: Diabetesrisiko erhöht, Ursache bleibt offen
Frisches, rohes Gemüse auf einem rustikalen Holztisch bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Auf der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für das Studium des Diabetes (EASD) im Jahr 2026 in Mailand ist eine vorläufige Beobachtungsanalyse vorgestellt worden, die den Zusammenhang zwischen der Aufnahme des Zuckermoleküls Neu5Gc über rotes Fleisch und dem Typ-2-Diabetes-Risiko untersucht hat.

Die Auswertung basiert auf der französischen NutriNet-Santé-Kohorte und beleuchtet eine spezifische biochemische Komponente von tierischen Lebensmitteln, liefert jedoch gleichzeitig klare Hinweise auf methodische Einschränkungen.

Beobachtete Risikomuster in der NutriNet-Santé-Kohorte

Die Untersuchung umfasste Daten von 89.953 Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 42 Jahren, von denen 79 Prozent Frauen waren. Alle Teilnehmenden waren zu Beginn der Erfassung frei von Typ-2-Diabetes und Krebserkrankungen. Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 7,2 Jahren traten in der Kohorte 966 neue Fälle von Typ-2-Diabetes auf.

Beim Vergleich der geschätzten Neu5Gc-Aufnahme aus Fleisch wiesen die Forschenden deutliche Unterschiede auf: Gegenüber dem niedrigsten Quintil lag das relative Risiko im höchsten Quintil um 63 Prozent höher, während es im zweithöchsten Quintil um 41 Prozent erhöht war.

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Bei einer Betrachtung von Neu5Gc aus sämtlichen Nahrungsquellen zeigte sich im höchsten gegenüber dem niedrigsten Quintil ein um 37 Prozent höheres relatives Risiko. Eine einzelne Berichterstattung stellte den Wert von 63 Prozent fälschlich als 37 Prozent dar. Eine Zufuhr von Neu5Gc über Milchprodukte zeigte hingegen keinen Zusammenhang mit der Erkrankungswahrscheinlichkeit.

Fehlende statistische Signifikanz nach Korrektur für Fleischkonsum

Trotz der deutlichen Risikounterschiede in den primären Berechnungen relativiert sich das Bild bei einer detaillierten statistischen Bereinigung. Sobald die gesamte Menge des konsumierten roten Fleisches in den Modellen berücksichtigt wurde, war der Zusammenhang zwischen der Neu5Gc-Aufnahme und Typ-2-Diabetes nicht mehr statistisch signifikant. Dies bedeutet, dass sich der Effekt des einzelnen Moleküls nicht zweifelsfrei vom generellen Verzehr von rotem Fleisch trennen lässt.

Nach einer statistischen Anpassung an den Body-Mass-Index (BMI) blieb die Assoziation hingegen signifikant. Eine ergänzende Mediationsanalyse ergab zudem, dass Adipositas rund 13 Prozent des beobachteten Gesamtzusammenhangs erklären könnte.

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Grenzen der Aussagekraft und offene Mechanismen

Aus wissenschaftlicher Sicht sind die präsentierten Befunde mit Vorsicht zu bewerten. Da es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt, beweist die Auswertung der NutriNet-Santé-Daten keine ursächliche Verbindung zwischen der Zufuhr von Neu5Gc und der Entstehung von Typ-2-Diabetes. Sie liefert ebenso wenig einen Beweis dafür, dass die Substanz im Körper chronische Entzündungen hervorruft.

Hinzu kommt, dass entsprechende Antikörper gegen Neu5Gc in der Kohorte nicht direkt im Labor gemessen wurden. Der postulierte biologische Wirkmechanismus bleibt damit rein hypothetisch. Fachleute verweisen zudem darauf, dass die Ergebnisse bislang nicht unabhängig validiert sind und folglich weder eine Kausalität noch einen eigenständigen, vom Fleischkonsum losgelösten Neu5Gc-Effekt belegen.

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