Neurodermitis: Antihistaminika zeigen nur unbedeutende Wirkung
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 12:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Chronische Entzündungen von Haut und Atemwegen stehen vor einem Umbruch. Neue Studien und Zulassungen verändern die Behandlungsstrategien bei Neurodermitis und COPD – und stellen etablierte Medikamente infrage.
Antihistaminika bei Neurodermitis: Wirken sie überhaupt?
Eine systematische Übersichtsarbeit im British Medical Journal stellt den routinemäßigen Einsatz von Antihistaminika gegen Juckreiz infrage. Die Metaanalyse vom 29. Juli 2026 wertete 47 randomisierte Studien mit 6.230 Patienten aus. Das Ergebnis: H1-Antihistaminika reduzieren Ekzemschwere und Juckreiz nur in klinisch unbedeutendem Maße.
Auch Schlafstörungen und die Häufigkeit von Krankheitsschüben besserten sich nicht signifikant. Die Autoren warnen zudem vor älteren Präparaten der ersten Generation. Sie können Schläfrigkeit, Konzentrationsstörungen und kognitive Beeinträchtigungen auslösen – und führten in den untersuchten Fällen häufiger zum Therapieabbruch. Modernere Antihistaminika der zweiten Generation zeigten ebenfalls keine klinisch relevanten Effekte. Fachleute raten daher von einer routinemäßigen Verschreibung ab und empfehlen stattdessen Feuchtigkeitscremes, topische Entzündungshemmer sowie Phototherapie oder Biologika.
Neuer JAK-Hemmer: Steroidfreie Alternative zugelassen
Für Patienten mit mittelschwerer atopischer Dermatitis erweitert sich das Therapiespektrum. Die Europäische Kommission erteilte am 29. Juli 2026 die Zulassung für Ruxolitinib-Creme (15 mg/g). Damit steht in der EU der erste topische JAK-Hemmer ohne Steroide zur Verfügung.
Zugelassen ist das Präparat für Erwachsene, bei denen topische Kortikosteroide oder Calcineurin-Hemmer nicht ausreichend wirken oder ungeeignet sind. Die Entscheidung stützt sich auf die Phase-3b-Studie TRuE-AD4. Dort zeigte sich nach acht Wochen eine signifikante Verbesserung des Hautbildes. Die Wirkung blieb über 24 Wochen stabil, die Verträglichkeit war gut.
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COPD-Versorgung: Gefährliche Lücken nach Klinikaufenthalt
Bei Atemwegserkrankungen klaffen Versorgungslücken. Eine deutsche Studie vom 30. Juli 2026 untersuchte die Behandlung von COPD-Patienten nach schweren Exazerbationen. Ergebnis: Viele Patienten erhalten nach der Entlassung nicht die medizinisch empfohlene langfristige Inhalationstherapie. Das erhöht das Risiko für erneute Krankheitsschübe und Komplikationen erheblich.
Weitere Erkenntnisse betreffen Asthma-Patienten. Forscher fanden heraus, dass respiratorische Viren auch außerhalb akuter Verschlechterungsphasen häufig in den Atemwegen nachweisbar sind. Das könnte den diagnostischen Wert von Virentests während akuter Schübe einschränken – ein positiver Test beweist nicht zwangsläufig, dass das Virus die aktuelle Symptomatik ausgelöst hat.
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Bronchiektasen: Kaum Fortschritte bei seltener Erkrankung
Für die seltene Erkrankung der Bronchiektasen bleibt die Lage schwierig. In Deutschland sind laut Daten von August 2024 etwa 100.000 Menschen betroffen. Die irreversible Erweiterung der Bronchien stört die Selbstreinigung der Lunge dauerhaft. Spezifisch zugelassene Medikamente gibt es bislang nicht. Die Behandlung konzentriert sich auf die zugrunde liegenden Ursachen und die Infektionsprophylaxe.
Infektionswellen und Sterblichkeit: Ein Zusammenhang
Eine deutsche Untersuchung vom 31. Juli 2026 zeigt eine Korrelation zwischen ausgeprägten Infektionswellen und erhöhter Gesamtsterblichkeit. Die Analyse von Daten der letzten 14 Jahre deutet darauf hin, dass insbesondere kardiovaskuläre Auswirkungen eine Rolle spielen dürften.
International verstärkt derweil die Vietnam Respiratory Society ihre Bemühungen. Auf ihrer Jahrestagung 2026 vereinbarte die Fachgesellschaft eine engere Kooperation mit GSK Vietnam. Die Absichtserklärung sieht intensivierte Forschung und Weiterbildung in Früherkennung und individualisierter Therapie vor. Ein Schwerpunkt liegt auf Präventionsmaßnahmen – etwa Impfprogrammen gegen RSV, Influenza und Pneumokokken.
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