Neurologische Diagnosen: 22.517 Erwachsene zeigen Zusammenhang mit Bewegung
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 00:54 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine geringe tĂ€gliche Schrittzahl steht in engem Zusammenhang mit einem erhöhten Auftreten schwerer neurologischer Erkrankungen. Daten, die auf der 151. Jahrestagung der American Neurological Association vorgestellt wurden, zeigen: Menschen, die tĂ€glich weniger als 5.000 Schritte zurĂŒcklegen, weisen fast doppelt so viele Diagnosen von Demenz, Parkinson oder SchlaganfĂ€llen auf wie Personen mit einem hohen AktivitĂ€tsniveau.
Wissenschaftler der Florida Atlantic University prÀsentierten in San Diego entsprechende Auswertungen, die den Zusammenhang zwischen Bewegungsmustern und neurovaskulÀren sowie neurodegenerativen Ereignissen beleuchten.
Umfangreiche Datenbasis ĂŒber AktivitĂ€tstracker
Die Untersuchung stĂŒtzt sich auf DatensĂ€tze von 22.517 Erwachsenen ab 40 Jahren, die im Rahmen des US-Forschungsprogramms All of Us erfasst wurden. Die Teilnehmenden zeichneten im ersten Jahr an mindestens 180 Tagen ihre Bewegung mittels Fitbit-GerĂ€ten auf. AnschlieĂend wurden deren Krankenakten ĂŒber einen Zeitraum von rund fĂŒnf Jahren nachbeobachtet.
Auf Basis der gemessenen Schrittzahlen teilten die Forschenden das Kollektiv in drei AktivitÀtsgruppen ein:
- Eine wenig aktive Gruppe mit durchschnittlich rund 4.800 Schritten pro Tag,
- eine mittlere Gruppe mit etwa 8.300 Schritten tÀglich,
- eine hoch aktive Gruppe, die im Schnitt auf rund 12.600 Schritte pro Tag kam.
Deutliche Unterschiede bei Neudiagnosen
Im Verlauf der Nachbeobachtung wurden insgesamt 343 neue Diagnosen erfasst, zu denen Demenz, Parkinson, SchlaganfÀlle sowie transitorische ischÀmische Attacken (TIA) zÀhlten. In der wenig aktiven Gruppe mit unter 5.000 Schritten lag die Rate bei 3,81 Neudiagnosen pro 1.000 Personenjahre.
DemgegenĂŒber verzeichnete die hoch aktive Gruppe mit mehr als 12.000 Schritten tĂ€glich eine Rate von 2,12 pro 1.000 Personenjahre. Damit fiel die Erkrankungsrate bei geringer Bewegung um rund 80 Prozent beziehungsweise exakt 80,9 Prozent höher aus.
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Bereits ein mittleres Pensum von rund 8.000 Schritten tĂ€glich ging laut den Daten der Florida Atlantic University mit einem spĂŒrbar geringeren Krankheitsrisiko einher: Mit 2,7 Neudiagnosen pro 1.000 Personenjahre lag die Rate in dieser Gruppe um rund 29 Prozent unter dem Wert der Gruppe mit geringer AktivitĂ€t.
Dieser Bewegungsumfang entspricht in etwa den Vorgaben bundesstaatlicher Gesundheitsrichtlinien von 150 Minuten moderater AktivitÀt pro Woche; in Frankreich empfehlen Gesundheitsbehörden eine Spanne von 150 bis 300 Minuten moderater Bewegung wöchentlich.
Begleiterkrankungen und methodische Grenzen
Neben den neurologischen Befunden wiesen die AktivitÀtsgruppen signifikante Unterschiede bei weiteren Gesundheitsindikatoren auf. In der Gruppe mit rund 4.800 Schritten lag der durchschnittliche Body-Mass-Index (BMI) bei 32,1, wÀhrend er in der hoch aktiven Gruppe 26,5 betrug.
Auch chronische Vorerkrankungen traten bei wenig Bewegung deutlich hÀufiger auf:
- Diabetes betraf 5,6 Prozent in der wenig aktiven Gruppe gegenĂŒber 2,5 Prozent in der mittleren und 2,0 Prozent in der hoch aktiven Gruppe.
- Hypertonie wurde bei 13,4 Prozent der wenig aktiven Teilnehmenden festgestellt, verglichen mit 9,5 Prozent in der mittleren und 9,2 Prozent in der aktiven Gruppe.
- Depressionen zeigten sich bei 8,6 Prozent der Gruppe mit geringer Schrittzahl, bei 5,1 Prozent in der mittleren Gruppe sowie bei 3,1 Prozent der hoch aktiven Personen und erwiesen sich als stÀrkster PrÀdiktor.
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Trotz der deutlichen Diskrepanzen mahnen die Wissenschaftler zur Vorsicht bei der Interpretation: Nach einer statistischen Adjustierung fĂŒr bestehende Vorerkrankungen und Risikofaktoren war der Zusammenhang zwischen Schrittzahl und Erkrankungsraten nicht mehr signifikant.
Da es sich um eine Beobachtungsstudie mit vorlĂ€ufigen Ergebnissen handelt, liefert die Analyse keinen Nachweis fĂŒr einen ursĂ€chlichen Kausalzusammenhang. Die Forschenden fordern daher weitere Studien, um die Wechselwirkungen zwischen körperlicher AktivitĂ€t und dem Schutz vor neurologischen Krankheiten genauer zu prĂŒfen.
