NFC-Angriffe, Android-Nutzer

NFC-Angriffe: Android-Nutzer im Visier – 188% Anstieg 2026

01.06.2026 - 10:34:04 | boerse-global.de

Kaspersky meldet 188 Prozent mehr NFC-Attacken auf Android. Deutsche Bankkunden sind zunehmend betroffen.

KI-Betrug wird zur größten Gefahr für Banken - Foto: über boerse-global.de
KI-Betrug wird zur größten Gefahr für Banken - Foto: über boerse-global.de

Sicherheitsforscher schlagen Alarm: Cyberkriminelle haben eine neue Angriffswelle auf Android-Smartphones gestartet. Die Zahl der Attacken ĂĽber die Nahfeldkommunikation (NFC) ist im Jahresvergleich drastisch gestiegen.

Laut aktuellen Daten von Kaspersky verzeichneten die Experten in den ersten vier Monaten 2026 einen Anstieg von 188 Prozent bei NFC-basierten Angriffen auf Android-Geräte. Besonders betroffen sind Nutzer von Finanzdienstleistungen – und das längst nicht nur in Asien.

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Phishing-Welle erreicht deutsche Bankkunden

Haupttreiber dieser Entwicklung ist ein als Lighthouse bekanntes Phishing-Kit, das gezielt Finanzinstitute im asiatisch-pazifischen Raum attackiert. Die Schadsoftware ist darauf ausgelegt, Passwörter und Multifaktor-Authentifizierungscodes (MFA) zu stehlen. Um der Entdeckung zu entgehen, rotierten die Betreiber innerhalb von nur acht Tagen rund 25.000 Domains.

Doch die Angriffswelle hat längst Europa erreicht. In Deutschland sorgten Ende Mai 2026 Vorfälle in Hamm für Aufsehen. Zwischen dem 22. und 26. Mai verloren mindestens zwei Kunden von American Express jeweils mehr als 10.000 Euro. Mehrere weitere Bankkunden erlitten Schäden im vierstelligen Bereich. Die Ermittler bestätigen, dass Kunden der Deutschen Bank, Commerzbank, ING und HypoVereinsbank zu den Zielen gehören.

Die Täter setzen dabei auf raffinierte Social-Engineering-Methoden. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnte erst kürzlich vor einer neuen Betrugswelle, bei der Kunden von DKB, ING und Commerzbank aufgefordert werden, ihren photoTAN über manipulierte Links zu reaktivieren. Zudem beobachtet das BSI einen zunehmenden Einsatz von Deepfake-Technologie bei Voice-Phishing-Angriffen.

Großrazzia gegen Botnetze – 17 Millionen Geräte befallen

Während die NFC-Angriffe zunehmen, schlagen Ermittler weltweit zurück. Am 29. Mai 2026 gelang der niederländischen Polizei und dem National Cyber Security Centre (NCSC) die Zerschlagung des Asocks-Botnetzes. Die Aktion führte zur Beschlagnahmung von über 200 Servern. Das Netzwerk umfasste mindestens 17 Millionen kompromittierte Geräte – darunter Smartphones, Router und IoT-Kameras – in 163 Ländern.

Besonders brisant: 28 Android-Apps aus dem Google Play Store wurden genutzt, um fast 190.000 Geräte ohne Wissen der Nutzer in das Botnetz einzugliedern.

In Südamerika schlossen argentinische Behörden am 31. Mai 2026 die Operation Fake Coins ab. Die Bilanz: 24 Festnahmen und die Beschlagnahmung von umgerechnet rund 7,3 Millionen Euro in der Kryptowährung USDT. Hintergrund sind Berichte von TRM Labs, die vor dem US-Kongress einen fünffachen Anstieg KI-gestützter Krypto-Betrugsaktivitäten belegten.

Malware-Abos fĂĽr 640 Euro im Monat

Die Bedrohungslage wird durch die zunehmende Kommerzialisierung von Schadsoftware verschärft. Ein Trojaner namens BTMOB wird derzeit auf dem Clearweb für monatliche Abogebühren von umgerechnet rund 640 Euro angeboten. Die Malware ist in Lateinamerika aktiv und nutzt die Android-Barrierefreiheitsdienste (Accessibility Services), um erhöhte Berechtigungen zu erlangen. Käufer können die Schadsoftware ohne tiefgehende Programmierkenntnisse individualisieren.

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Neue Schutzmechanismen: Samsung und Google ziehen nach

Die Hersteller reagieren mit neuen Sicherheitsfunktionen. Samsung hat in seiner One-UI-9-Beta für die Galaxy-S26-Serie einen erweiterten Diebstahlschutz integriert. Das Feature verlangt eine PIN, ein Passwort oder ein Muster, bevor das Gerät ausgeschaltet oder neu gestartet werden kann – selbst wenn das Telefon bereits entsperrt ist. Branchenkreisen zufolge werden von den jährlich 45 Millionen gestohlenen Smartphones nur 32 Prozent wieder sichergestellt.

Google geht ebenfalls in die Offensive: Der Konzern rollt seit Ende Mai 2026 Device Bound Session Credentials (DBSC) für den Chrome-Browser aus. Die technologie bindet Benutzersitzungen an die spezifische Hardware und erschwert es Angreifern erheblich, Konten zu übernehmen – selbst wenn sie Sitzungstoken erbeuten.

Das britische NCSC empfahl am 30. Mai 2026, auf biometrisch geschützte Passkeys umzusteigen. Diese gelten als die derzeit sicherste Authentifizierungsform. Hintergrund: Bei 83 Prozent der Sicherheitsvorfälle spielen kompromittierte Zugangsdaten eine Rolle. Ein Blick nach Indien zeigt, dass die Umstellung der Zentralbank auf FIDO-basierte Passkeys zu einer Halbierung der Betrugsfälle und einer zehnprozentigen Steigerung erfolgreicher Transaktionen führte.

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