Nierenerkrankung: 100 Millionen EuropÀer bleiben undiagnostiziert
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 08:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die medizinische Versorgung von Patienten mit seltenen Erkrankungen ist in der Praxis mit erheblichen HĂŒrden verbunden. Wie Fachartikel und Umfragedaten von Anfang September 2026 belegen, vergehen im Durchschnitt fast fĂŒnf Jahre, bis Betroffene eine gesicherte Diagnose erhalten.
Ein zentrales Problem stellt dabei die hohe Quote an initialen Fehlbeurteilungen dar: Fast drei Viertel der Patienten erhalten zunĂ€chst eine Fehldiagnose, bevor das eigentliche Krankheitsbild korrekt identifiziert wird. Diese Verzögerungen haben weitreichende Konsequenzen fĂŒr den Krankheitsverlauf und die LebensqualitĂ€t der Betroffenen.
Defizite in der diagnostischen Routine am Beispiel der Nierenfunktion
Die Problematik unerkannter oder spĂ€t diagnostizierter Leiden erstreckt sich auch auf den Bereich chronischer Organerkrankungen, die oft im Schatten anderer Diagnosen stehen. Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Nephrologie (DGfN) wies in diesem Zusammenhang auf die mangelnde FrĂŒherkennung von chronischen Nierenerkrankungen (CKD) hin.
Insbesondere bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleibe eine CKD hÀufig unentdeckt, obwohl etwa die HÀlfte der Menschen mit HerzschwÀche zusÀtzlich unter einer NierenschÀdigung leide.
Nach EinschÀtzung der Fachgesellschaft ist die alleinige Bestimmung des Kreatininwerts unzureichend, um das volle Ausmaà einer NierenschÀdigung zu erfassen.
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Stattdessen fordern Mediziner eine konsequente PrĂŒfung der Nierenfunktion durch die zusĂ€tzliche Erhebung der geschĂ€tzten glomerulĂ€ren Filtrationsrate (eGFR) sowie des Albumin-Kreatinin-Quotienten im Urin (UACR). Nur durch diese kombinierten Parameter lasse sich das Risiko fĂŒr die Patienten prĂ€zise evaluieren.
Neue Leitlinien fĂŒr das Screening bei kardiovaskulĂ€ren Patienten
Internationale Fachgesellschaften haben auf die engen Wechselwirkungen zwischen Herz- und Nierengesundheit reagiert. In den Ende August 2026 veröffentlichten Leitlinien der ESC und ERA wird empfohlen, alle Patienten mit kardiovaskulÀren Erkrankungen systematisch auf eine chronische Nierenerkrankung zu screenen.
Den Daten zufolge erhöht eine eGFR von weniger als 60 ml/min/1,73mÂČ das kardiovaskulĂ€re Risiko signifikant, wobei die zusĂ€tzliche BerĂŒcksichtigung einer Albuminurie die Prognosegenauigkeit weiter verbessert.
Besonders kritisch ist die Phase nach einer Hospitalisierung aufgrund einer Herzinsuffizienz. In diesen FĂ€llen ist das Risiko fĂŒr ein spĂ€teres Nierenversagen laut den Leitlinien um mehr als das 30-fache erhöht. Europaweit sind SchĂ€tzungen zufolge rund 100 Millionen Menschen von einer chronischen Nierenerkrankung betroffen.
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Die Experten raten daher zu einem Screening unmittelbar bei der Diagnosestellung einer Herzerkrankung sowie zu regelmĂ€Ăigen Kontrollen im Abstand von zwei bis drei Jahren, abhĂ€ngig vom individuellen Risikoprofil.
Strategische Einordnung und wissenschaftlicher Austausch
Die Bedeutung der Nierengesundheit fĂŒr die allgemeine Patientenversorgung spiegelt sich auch auf politischer Ebene wider. Der EU âSafe Hearts Planâ stuft die chronische Nierenerkrankung mittlerweile als einen zentralen Risikofaktor ein. Damit rĂŒckt die frĂŒhzeitige Identifikation dieser KomorbiditĂ€t stĂ€rker in den Fokus der europĂ€ischen Gesundheitssysteme, um die hohe Zahl unerkannter FĂ€lle zu reduzieren.
Die wissenschaftliche Aufarbeitung dieser diagnostischen LĂŒcken ist zudem ein Schwerpunkt der kommenden Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Nephrologie, die fĂŒr den Zeitraum vom 8. bis 11. Oktober 2026 in Leipzig angekĂŒndigt wurde.
Dort soll die Problematik der unerkannten CKD bei Herz-Kreislauf-Patienten sowie die Optimierung von Diagnosepfaden im Zentrum des fachlichen Austauschs stehen, um die Zeitspanne bis zur Einleitung adĂ€quater Therapien kĂŒnftig zu verkĂŒrzen.
