Nierenerkrankungen: 18,4% haben auffällige Werte – meist unentdeckt
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle medizinische Berichte verdeutlichen die wachsende Notwendigkeit, chronische Nierenerkrankungen (Chronic Kidney Disease, CKD) frühzeitig zu diagnostizieren. Da die Erkrankung über lange Zeit symptomlos verlaufen kann, bleiben Schädigungen oft unentdeckt, bis systemische Folgeschäden eintreten. Experten weisen darauf hin, dass die Niere eine zentrale Rolle für die allgemeine Gesundheit spielt und Funktionsverluste erhebliche Auswirkungen auf das gesamte Körpersystem haben können.
Hohe Dunkelziffer und gesundheitsökonomische Belastung
Untersuchungen im Rahmen der NAKO-Gesundheitsstudie verdeutlichen das Ausmaß der unentdeckten Fälle in Deutschland. Den Ergebnissen zufolge weisen 18,4 % der Erwachsenen auffällige Nierenwerte auf. Diese Daten basieren auf der Analyse von 195.000 Blutproben und 35.000 Urinproben bei Teilnehmenden mit einem mittleren Alter von 50 Jahren. Besonders kritisch bewerten Fachleute den Umstand, dass lediglich 5 % der Betroffenen von ihrer Erkrankung wissen.
In Deutschland sind etwa 10 % der Erwachsenen, was rund 8 Millionen Menschen entspricht, von einer chronischen Nierenkrankheit betroffen. Die medizinische Versorgung stellt zudem eine erhebliche wirtschaftliche Herausforderung dar. Im Jahr 2020 beliefen sich die Kosten für die Behandlung von CKD auf über 24 Milliarden Euro, was etwa 5 % der gesamten Gesundheitsausgaben entspricht. Derzeit sind in Deutschland circa 100.000 Menschen auf eine Dialyse angewiesen, während etwa 20.000 Menschen mit einer Spenderniere leben.
Globale Zunahme und zentrale Risikofaktoren
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Die weltweite Belastung durch chronische Nierenerkrankungen hat massiv zugenommen. Laut dem „Global Burden of Disease“-Bericht von 2023 sind weltweit 788 Millionen Erwachsene betroffen – eine Zahl, die sich seit 1990 mehr als verdoppelt hat. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt die Zahl der Betroffenen auf fast 700 Millionen. Damit rangiert die chronische Nierenkrankheit global auf Platz neun der häufigsten Todesursachen. In Ländern wie China zeigt sich die Problematik der mangelnden Diagnostik besonders deutlich: Dort haben Schätzungen zufolge rund 90 % der Erkrankten keine Kenntnis von ihrem Zustand.
Als Hauptursachen für die Entstehung einer CKD gelten Diabetes und Bluthochdruck, die gemeinsam für etwa zwei Drittel der Fälle verantwortlich sind. Weitere wesentliche Risikofaktoren sind das Lebensalter, Adipositas sowie Rauchen. Da herkömmliche Werte wie das Serum-Kreatinin oft erst dann auffällig werden, wenn bereits ein Funktionsverlust von bis zu 50 % vorliegt, fordern Mediziner eine Ausweitung spezifischerer Testverfahren.
Neue Therapieansätze und Forderungen nach besserem Screening
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Um das Fortschreiten der Erkrankung zu bremsen, stehen zunehmend moderne medikamentöse Therapien zur Verfügung. Insbesondere SGLT2-Hemmer und GLP-1-Präparate haben sich als wirksam erwiesen, um die Verschlechterung der Nierenfunktion zu verzögern. Dennoch bleibt die Diagnostik der entscheidende Faktor. Fachleute empfehlen ein systematisches Screening mittels eGFR (geschätzte glomeruläre Filtrationsrate) und Urin-Albumin-Tests, um Schäden frühzeitig zu identifizieren.
In einer im Juni 2026 veröffentlichten Serie in der Fachzeitschrift „The Lancet“ forderten Experten aus elf Ländern, darunter Forschende aus Glasgow, British Columbia und Peking, eine deutliche Verbesserung der Diagnose- und Behandlungsstrategien. Ein indischer Parlamentsausschuss empfahl in diesem Zusammenhang sogar Nierenfunktionstests alle sechs Monate für alle Personen ab 20 Jahren. Screening-Maßnahmen gelten insbesondere für Risikogruppen wie Diabetiker, Hypertoniker und Personen über 60 Jahre als die kosteneffektivste Methode, um schwerwiegende Spätfolgen und die Notwendigkeit von Ersatztherapien wie der Dialyse zu verhindern.
