Nierenkrankheit, Symptome

Nierenkrankheit: 18,4 Prozent haben Symptome, ohne es zu wissen

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 00:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Leitlinien und Zertifikate sollen die Versorgung chronisch Kranker stÀrken, wÀhrend spÀte Diagnosen und Erstattungsfragen Probleme bereiten.

Chronische Krankheiten: Versorgung, FrĂŒherkennung und Kosten im Fokus
Ein leerer, heller Behandlungsraum in einer Arztpraxis mit einer Untersuchungsliege vor einer schlichten Wand. Illustration mit AI erstellt.

Die Sicherstellung einer kontinuierlichen medizinischen Versorgung fĂŒr chronisch Kranke steht zunehmend vor strukturellen Herausforderungen. Ein aktuelles Beispiel aus Langenfeld verdeutlicht die KomplexitĂ€t dieser Situation: Dort berichtete ein Parkinson-Patient ĂŒber erhebliche Schwierigkeiten, einen Termin zur notwendigen Rezeptversorgung zu erhalten.

In einem Austausch zwischen dem Gesundheitsdienstleister Med 360° und der Stadtverwaltung am 8. September wurde die Notwendigkeit von Informationsmaßnahmen fĂŒr verunsicherte Patienten betont. Die KassenĂ€rztliche Vereinigung (KV) Nordrhein stellte klar, dass eine Verlegung neurologischer Zulassungen in den Nachbarort Ratingen nicht geplant sei.

Standardisierung und QualitÀtssicherung in der Versorgung

Der Fall in Langenfeld ist eingebettet in eine Phase, in der verschiedene Fachgesellschaften versuchen, die Versorgung chronisch Erkrankter durch neue Leitlinien und Zertifizierungen zu stabilisieren. So startete die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) am 8. September eine Pilotphase zur Zertifizierung ambulanter und stationÀrer Versorgungseinrichtungen.

In Deutschland leben mehr als 280.000 Menschen mit Multipler Sklerose (MS). Die neuen Zertifikate basieren auf 34 Anforderungen, die sich an den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Neurologie (DGN) orientieren und durch unabhĂ€ngige PrĂŒfer verifiziert werden.

Auch im Bereich der rheumatoiden Arthritis (RA), von der in Deutschland etwa 700.000 Menschen betroffen sind, wurden Anfang September aktualisierte S3-Leitlinien vorgelegt. Experten der Fachgesellschaften empfehlen darin einen unmittelbaren Therapiebeginn nach der Diagnose mit dem Ziel einer Remission.

Die Leitlinien sehen engmaschige Kontrollen alle ein bis drei Monate vor. Falls nach drei bis sechs Monaten kein ausreichender Erfolg erzielt wird, sieht das Protokoll den Einsatz von Biologika oder JAK-Inhibitoren vor, wÀhrend eine Kortisonbehandlung innerhalb von drei Monaten beendet werden sollte.

Ökonomische Dimensionen und PrĂ€ventionsdefizite

Die Bedeutung eines funktionierenden Managements zeigt sich auch bei der chronischen Nierenkrankheit (CKD). Daten der NAKO-Studie vom 8. September belegen, dass die Erkrankung oft zu spÀt erkannt wird. Von 195.000 untersuchten Erwachsenen wiesen 18,4 Prozent auffÀllige Nierenwerte auf, doch nur 5 Prozent der Betroffenen waren sich ihrer Erkrankung bewusst.

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In Deutschland gibt es schĂ€tzungsweise 8 Millionen CKD-Patienten, wovon etwa 100.000 auf eine Dialyse angewiesen sind. Die Kosten fĂŒr diese Behandlungen beliefen sich im Jahr 2020 auf ĂŒber 24 Milliarden Euro, was rund 5 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben entspricht.

ZusÀtzlich belasten Unklarheiten bei der Erstattung die Versorgung. Schmerzorganisationen kritisierten am 7. September ein Regelungschaos bei der Verordnung von medizinischem Cannabis, das seit Ende Juli durch neue gesetzliche Rahmenbedingungen entstanden sei. Betroffen sind hiervon etwa 60.000 bis 80.000 Patienten, die auf klare Auslegungsregeln der Krankenkassen angewiesen sind.

Potenziale der FrĂŒherkennung und des Lebensstils

Neben medikamentösen AnsĂ€tzen rĂŒcken prĂ€ventive Maßnahmen stĂ€rker in den Fokus der fachlichen Diskussion. Forschungsergebnisse aus Bern deuten darauf hin, dass 60 bis 80 Prozent der SchlaganfĂ€lle und fast die HĂ€lfte der DemenzfĂ€lle durch Anpassungen des Lebensstils – wie ausreichend Schlaf, soziale Kontakte und Bewegung – vermeidbar wĂ€ren. Hirnerkrankungen verursachen derzeit etwa 20 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben.

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WĂ€hrend technische Möglichkeiten wie Ganzkörper-MRT-Untersuchungen zur Vorsorge beworben werden, warnen Fachleute vor einer Überdiagnostik. Untersuchungen zeigen, dass bei 45 von 100 beschwerdefreien Personen AuffĂ€lligkeiten gefunden werden, die sich in 43 FĂ€llen als Fehlalarm heraustellen. Diese Diagnostik wird in der Regel nicht von den gesetzlichen Krankenkassen ĂŒbernommen und kostet zwischen 1.000 und 2.000 Euro.

FĂŒr die Versorgung in Regionen wie Langenfeld bleibt die Koordination zwischen Leistungserbringern, Kommunen und Versicherern entscheidend, um die Umsetzung moderner Behandlungsleitlinien in den Praxisalltag zu gewĂ€hrleisten und VersorgungsbrĂŒche bei Langzeitpatienten zu verhindern.

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