Niksen, Bewusstes

Niksen: Bewusstes Nichtstun aktiviert KreativitÀt und Stressabbau

Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 16:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Von Niksen bis TRE: Experten zeigen Wege zur Stressreduktion. Bitkom-Umfrage belegt: Viele BeschÀftigte bleiben auch im Urlaub erreichbar.

Nervensystem-Regulation: Methoden gegen Stress und fĂŒr mehr Resilienz im Job
Eine Person sitzt in einem minimalistischen, lichtdurchfluteten Raum und blickt entspannt aus einem Fenster ins GrĂŒne. Illustration mit AI erstellt.

In der modernen Arbeitswelt gewinnen AnsĂ€tze zur bewussten Regeneration und zur Steuerung des Nervensystems zunehmend an Bedeutung. Aktuelle Expertenempfehlungen und wissenschaftliche Untersuchungen rĂŒcken dabei Techniken in den Fokus, die ĂŒber klassische Entspannungsmethoden hinausgehen und physiologische Prozesse gezielt beeinflussen sollen.

Physiologische Effekte bewusster Ruhephasen

Ein zentraler Ansatz in der aktuellen Resilienzberatung ist das sogenannte „Niksen“, das bewusste Nichtstun. Die Expertin Annette Lavrijsen empfiehlt in diesem Zusammenhang, tĂ€glich mindestens eine Auszeit fest in den Zeitplan zu integrieren.

Ein Einstieg könne mit fĂŒnf Minuten erfolgen, wobei eine Steigerung auf 30 bis 60 Minuten angestrebt werden sollte. Wesentlich sei dabei ein ruhiger Ort und der Verzicht auf SchuldgefĂŒhle, da Phasen des Nichtstuns die ProduktivitĂ€t langfristig steigern könnten.

Psychologische Einordnungen stĂŒtzen diesen Ansatz. Laut dem Psychologen Carlos Caudet ist Nichtstun essenziell fĂŒr die psychische Gesundheit. Die Ruhe aktiviere das parasympathische Nervensystem, was wiederum die Neurogenese sowie die Freisetzung von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin fördere. Zudem könne gezielt zugelassene Langeweile die menschliche KreativitĂ€t stimulieren.

Methoden zur Regulation des Nervensystems

Neben dem passiven Nichtstun gewinnen aktive Methoden zur Regulation des Nervensystems an Relevanz. Der Neurowissenschaftler Nils Kroemer definiert die Regulation des Nervensystems im Kern als StressbewÀltigung.

WĂ€hrend AtemĂŒbungen das vegetative Nervensystem unmittelbar beeinflussen können, seien erholsamer Schlaf, eine ausgewogene ErnĂ€hrung und regelmĂ€ĂŸige Bewegung die maßgeblichen Hebel gegen chronischen Stress. Dieser lasse sich objektiv ĂŒber die Herzrate und die HerzratenvariabilitĂ€t messen.

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Eine spezifische Technik stellt die von Dr. David Berceli entwickelte TRE-Methode (Tension and Trauma Releasing Exercises) dar. Diese zielt darauf ab, durch neurogenes Zittern tiefliegende Muskelspannungen zu lösen.

Studien belegen laut Fachberichten, dass hierdurch die Muskelspannung sinkt, Stresshormone abgebaut werden und sich die HerzratenvariabilitĂ€t verbessert. So berichtet die Autorin Martina Melzer (47) von einer deutlichen Besserung ihrer ME/CFS-Erkrankung durch diese Übungen.

ErgÀnzend dazu werden klassische Verfahren wie das MBSR-Training (Mindfulness-Based Stress Reduction) eingesetzt. Die Achtsamkeitstrainerin Jana Hudasch beschreibt dieses Verfahren als Methode, um durch bewusstes Wahrnehmen des gegenwÀrtigen Augenblicks Körper und Geist zu beruhigen.

Arbeitswelt und digitale Erreichbarkeit

Die Herausforderungen fĂŒr die mentale Gesundheit zeigen sich besonders im beruflichen Kontext. Eine Befragung des Branchenverbands Bitkom aus dem Sommer 2026 verdeutlicht die Problematik der stĂ€ndigen Erreichbarkeit: 66 Prozent der BerufstĂ€tigen sind demnach auch im Sommerurlaub fĂŒr berufliche Belange erreichbar, ein Wert, der nur geringfĂŒgig unter dem Vorjahresniveau von 67 Prozent liegt. Dabei reagieren 62 Prozent auf Kurznachrichten und 61 Prozent auf Anrufe. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 unterstreicht jedoch, dass psychologisches Abschalten fĂŒr das Wohlbefinden im Urlaub entscheidend ist.

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Die Stressexpertin Michaela Schenker von der Mind Switch AG betont, dass nicht die reine Anzahl der Arbeitsstunden fĂŒr die Entstehung von Burnout ausschlaggebend sei. Entscheidend sei vielmehr die Art und Weise, wie das Gehirn Belastungen verarbeitet. Vor diesem Hintergrund bezeichnete sie Modelle wie die Viertagewoche als potenzielle Scheinlösungen, wenn die zugrunde liegenden Verarbeitungsmuster unverĂ€ndert bleiben.

Forschung zu Verhaltensmustern und Interventionen

Wissenschaftliche Untersuchungen liefern zudem neue Erkenntnisse ĂŒber die Faktoren der digitalen Überlastung. Eine Studie der UniversitĂ€t Duisburg-Essen mit 900 Teilnehmenden im Alter zwischen 18 und 65 Jahren ergab im August 2026, dass vor allem die Versuchung der Hauptfaktor fĂŒr eine intensive Online-Nutzung ist, wĂ€hrend Stress oder die aktuelle Stimmungslage eine untergeordnete Rolle spielen.

Gleichzeitig werden neue therapeutische Angebote entwickelt, um psychische Belastungsfaktoren zu adressieren. Die UniversitĂ€t Bremen startete im August 2026 das mit 72.000 Euro von der Christoph-Dornier-Stiftung finanzierte Programm COMPASS. Hierbei handelt es sich um eine viereckige Gruppentherapie gegen Perfektionismus, die auf AnsĂ€tzen der MitgefĂŒhls- und Akzeptanztherapie basiert.

Experten verweisen zudem darauf, dass bereits minimale Gewohnheiten, wie fĂŒnfminĂŒtige SpaziergĂ€nge nach Mahlzeiten oder kurze AtemĂŒbungen, messbare positive Auswirkungen auf Blutdruck, Blutzuckerspiegel und das allgemeine Sterberisiko haben können.

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