Nonna-Maxxing: Generation Z setzt auf italienischen Großmutter-Lebensstil
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 09:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kochen, Stricken, Mittagsruhe: Statt Partytourismus setzt die Generation Z auf den Lebensstil italienischer Nonnas. Der Trend „Nonna-Maxxing“ erobert Reisebranche und Mode – und ist wirtschaftlich durchaus relevant.
Abschied vom Erlebnistourismus
Unter dem Begriff „Nonna-Maxxing“ etabliert sich ein Trend, der den Alltag traditioneller italienischer Großmütter zum Urlaubsideal erklärt. Marktforscher sehen darin eine Reaktion auf Leistungsdruck, digitale Dauerpräsenz und die Sehnsucht nach echter sozialer Bindung.
Das Konzept basiert auf Prinzipien des Slow Living: saisonale Küche, handwerkliche Tätigkeiten, geregelte Tagesabläufe. Dazu gehören gemeinschaftliches Kochen mit frischen Zutaten, tägliche Spaziergänge, Stricken oder Häkeln sowie die strikte Einhaltung einer Mittagsruhe. Berichte von Anfang August 2026 zeigen: Junge Reisende suchen gezielt nach dieser Form der Entschleunigung.
Wissenschaftliche Parallelen ziehen Fachleute zu den sogenannten Blue Zones – etwa Sardinien, wo Menschen überdurchschnittlich alt werden. Die Vorteile: weniger verarbeitete Lebensmittel, Digital Detox und starke generationenübergreifende Gemeinschaften. In Frankreich und Italien gilt die Entwicklung inzwischen als stille Rebellion gegen eine als entfremdend wahrgenommene Leistungskultur.
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Zahlen belegen den Wunsch nach Einfachheit
Die ökonomische Relevanz untermauern aktuelle Erhebungen. Eine Umfrage unter 1.067 Niederländern vom 4. August 2026 ergab: 49 Prozent streben einen Urlaub mit weniger Luxus an, 63 Prozent bevorzugen eine längere, einfache Reise gegenüber einem kurzen Luxusaufenthalt. Bei den unter 30-Jährigen suchen 75 Prozent gezielt nach authentischen Erlebnissen.
In Italien zeigt eine Analyse von 1.500 Online-Konversationen aus derselben Woche: 75 Prozent planen, den Sommerurlaub im Heimatort zu verbringen. 42 Prozent nennen die Großmutter als emotionalen Mittelpunkt ihrer Reisepläne, 26 Prozent wollen auf diese Weise gezielt dem Arbeitsstress entfliehen.
Der Kontrast zum klassischen Luxussegment ist deutlich. Zwar reisten laut Reiseanalyse 2025 rund 57 Millionen Deutsche und gaben dabei 92 Milliarden Euro aus – doch verschiebt sich auch im Hochpreissegment der Fokus. Experten beobachten einen Trend zum „Quiet Luxury“: Zeit, Individualität und persönliche Erlebnisse zählen mehr als protzige Statussymbole. Eine Luxusreise für zwei Personen kostet in diesem Kontext zwischen 15.000 und 20.000 Euro pro Woche.
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Vom Urlaub in die Modeindustrie
Der Nonna-Trend macht vor der Konsumgüterindustrie nicht halt. Suchanfragen nach „Grandma-Ästhetik“ auf sozialen Plattformen stiegen um 150 Prozent. Modehäuser wie Prada, Miu Miu, Dolce & Gabbana, Chloé und Stella McCartney integrierten für Frühjahr und Sommer 2026 handgefertigte Stickereien, Spitze, gehäkelte Stoffe und Kopftücher in ihre Kollektionen.
Profitieren können auch ländliche Regionen. Tourismusverantwortliche in Südthüringen sehen in der Abkehr vom „Fomo“-Prinzip (Fear of missing out) hin zum „Jomo“-Trend (Joy of missing out) eine echte Chance: Wälder, dörfliche Strukturen und Ruheangebote entsprechen dem Bedürfnis nach Einfachheit und Abgeschiedenheit.
Nonna-Maxxing ist damit mehr als eine kurzfristige Modeerscheinung. Junge Erwachsene nutzen traditionelle Werte und minimalistische Lebensformen als strategische Antwort auf moderne Stressfaktoren.
