NOVA-Klassifikation, April-Studie

NOVA-Klassifikation: April-Studie zeigt -369 Kalorien statt Überkonsum

Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 23:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Geringe Fachübereinstimmung und widersprüchliche Studien schwächen die Aussagekraft der NOVA-Einteilung als alleinigen Maßstab für Ernährung.

NOVA-Klassifikation: Warum Experten die Lebensmittelbewertung kritisieren
Frisches, unverarbeitetes Gemüse liegt neben einer neutralen Lebensmittelverpackung auf einem Holztisch. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die wissenschaftliche Einordnung industriell hergestellter Nahrungsmittel wird zunehmend kontrovers diskutiert. Im Zentrum dieser Auseinandersetzung steht die NOVA-Klassifikation, ein System, das bereits im Jahr 2009 von Carlos Monteiro an der Universität von São Paulo eingeführt wurde.

Während das Modell darauf abzielt, den Verarbeitungsgrad von Lebensmitteln als Maßstab für deren gesundheitlichen Wert zu etablieren, mehren sich kritische Stimmen hinsichtlich der Differenzierung und praktischen Anwendbarkeit des Systems.

Methodische Herausforderungen und mangelnde Konsistenz

Ein wesentlicher Kritikpunkt an der NOVA-Klassifikation ist die oft unzureichende Unterscheidung zwischen gesundheitlich vorteilhaften und schädlichen Produkten innerhalb derselben Kategorie. Unter dem Begriff der hochverarbeiteten Lebensmittel (Ultra-Processed Foods, UPF) werden zahlreiche Erzeugnisse unter einen Generalverdacht gestellt, ohne deren spezifische Nährwertprofile hinreichend zu berücksichtigen.

Die praktische Problematik dieser Kategorisierung wurde in einer Studie aus dem Jahr 2022 verdeutlicht. Dabei sollten 159 französische Fachleute Lebensmittel gemäß dem NOVA-System klassifizieren. Das Ergebnis zeigte eine auffallend geringe Übereinstimmung unter den Experten.

Diese Uneinigkeit deutet darauf hin, dass die Kriterien für die Einordnung in die Kategorie der hochverarbeiteten Lebensmittel nicht präzise genug definiert sind, um eine objektive und einheitliche Bewertung durch Fachpersonal zu gewährleisten.

Anzeige

Wer sich mit dem Thema befasst, erkennt schnell, dass viele Zivilisationskrankheiten durch eine gezielte Auswahl der richtigen Lebensmittel gelindert werden können. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, welche 12 natürlichen Entzündungs-Killer aus dem Supermarkt Ihre Vitalität fördern können. Gratis-Ratgeber: Entzündungshemmende Ernährung jetzt anfordern

Widersprüchliche Erkenntnisse zur Kalorienaufnahme

In der Forschung zur Wirkung von hochverarbeiteten Lebensmitteln auf das menschliche Essverhalten zeigen sich heterogene Ergebnisse. Bekanntheit erlangte die sogenannte Kevin-Hall-Studie, die darlegte, dass Probanden in einer UPF-Gruppe bis zu 1000 Kilokalorien pro Tag mehr konsumierten als Vergleichsgruppen mit weniger verarbeiteter Kost. Dies stützte lange Zeit die These, dass hochverarbeitete Lebensmittel generell zu Überkonsum und Gewichtszunahme führen.

Neuere Daten relativieren dieses Bild jedoch. Eine im April 2026 veröffentlichte Studie untersuchte die Auswirkungen einer harten UPF-Kost und kam zu einem gegensätzlichen Schluss. In dieser Untersuchung führte die Ernährung mit hochverarbeiteten Produkten zu einer Reduktion der täglichen Energiezufuhr um 369 Kilokalorien.

Diese Diskrepanz legt nahe, dass der Verarbeitungsgrad allein kein verlässlicher Prädiktor für die Kalorienaufnahme ist, sondern andere Faktoren wie Textur, Nährstoffdichte oder die spezifische Zusammensetzung der Produkte eine entscheidende Rolle spielen.

Kausalität und internationale Erfahrungen

Fachleute kritisieren zudem, dass viele Beobachtungen zur Schädlichkeit von UPF lediglich auf Korrelationen basieren, während der Nachweis einer direkten Kausalität oft fehlt.

Eindeutige Belege für gesundheitliche Risiken liegen laut Expertenmeinung bisher vor allem für spezifische Produktgruppen wie zuckerhaltige Softdrinks und stark verarbeitetes Fleisch vor. Eine Pauschalisierung auf alle hochverarbeiteten Lebensmittel werde der Komplexität der Ernährungswissenschaft jedoch nicht gerecht.

Anzeige

Gelenkschmerzen, Erschöpfung oder ständige Müdigkeit sind oft die Folge von Fehlern in der täglichen Ernährung, die weit über den reinen Verarbeitungsgrad hinausgehen. Ein kostenloser Selbsttest und 9 goldene Regeln helfen dabei, den Körper durch die richtige Nährstoffwahl wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Kostenlosen Ratgeber mit den 12 stärksten Entzündungs-Killern sichern

Ein Blick auf die praktische Anwendung des NOVA-Systems zeigt gemischte Resultate. Brasilien richtet seine nationalen Ernährungsempfehlungen bereits seit dem Jahr 2014 an der NOVA-Klassifikation aus.

Trotz dieser langjährigen Verankerung in der staatlichen Gesundheitspolitik konnten die bestehenden Ernährungsprobleme im Land bisher nicht grundlegend gelöst werden. Dies nährt Zweifel daran, ob eine rein auf den Verarbeitungsgrad fokussierte Klassifizierung ausreicht, um das öffentliche Bewusstsein und das Konsumverhalten nachhaltig zum Positiven zu beeinflussen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70022063 |