Nutri-Score: 64,3% ultra-verarbeiteter Lebensmittel fallen auf D/ E
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 23:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Seit dem Beginn des Jahres 2026 gelten fĂŒr die freiwillige Lebensmittelkennzeichnung Nutri-Score verschĂ€rfte BewertungsmaĂstĂ€be. Die Anpassung des Algorithmus fĂŒhrt dazu, dass zahlreiche Produkte, die zuvor in den positiven Bereichen A oder B eingestuft wurden, nun schlechtere Bewertungen in den Kategorien D oder E erhalten. Diese Neuausrichtung zielt darauf ab, die Zusammensetzung verarbeiteter Lebensmittel transparenter abzubilden und eine stĂ€rkere Differenzierung im Regal zu ermöglichen.
VerschÀrfte Gewichtung von Inhaltsstoffen
Im Zentrum der neuen Regularien steht eine strengere Bewertung von Zucker und Salz. Diese Inhaltsstoffe werden im aktuellen Berechnungsmodell negativer gewichtet als zuvor. Im Gegenzug erfahren Ballaststoffe und EiweiĂ eine positivere BerĂŒcksichtigung in der Gesamtbilanz. Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen bei GetrĂ€nken: Der Einsatz von SĂŒĂstoffen fĂŒhrt mittlerweile zu PunktabzĂŒgen, wĂ€hrend Milch- und JoghurtgetrĂ€nke nun explizit als GetrĂ€nke und nicht mehr als allgemeine Lebensmittel eingestuft werden.
Diese Ănderungen haben innerhalb der Branche zu unterschiedlichen Reaktionen gefĂŒhrt. WĂ€hrend einige Hersteller ihre Rezepturen anpassen, ĂŒben andere Kritik an der Methodik oder ziehen sich vollstĂ€ndig von der Nutzung des Labels zurĂŒck. Da die Verwendung des Nutri-Score, der eine Farbskala von GrĂŒn (A) bis Rot (E) umfasst, weiterhin auf Freiwilligkeit beruht, bleibt abzuwarten, wie sich die Marktdurchdringung langfristig entwickelt.
Internationaler Widerstand gegen das Kennzeichnungssystem
Die EinfĂŒhrung des Nutri-Score stöĂt vor allem im sĂŒdeuropĂ€ischen Raum auf politischen und industriellen Widerstand. Luigi Scordamaglia, PrĂ€sident des italienischen Verbandes Federalimentare, kritisierte etwa den VorstoĂ Belgiens zur Implementierung des Systems. Er bezeichnete die Kennzeichnung als irrefĂŒhrend und zu stark vereinfacht. Aus italienischer Sicht handele es sich nicht um eine harmonisierte Lösung auf Ebene der EuropĂ€ischen Union. Italien favorisiert stattdessen ein eigenes Kennzeichnungsmodell. Auch die belgische Lebensmittelindustrie FEVIA schloss sich der Kritik von Federalimentare an und teilt die Vorbehalte gegenĂŒber dem belgischen Nutri-Score-VorstoĂ.
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Wissenschaftliche Analysen zur NÀhrstoffqualitÀt
Aktuelle Forschungsarbeiten unterstreichen die Relevanz einer differenzierten Betrachtung von Lebensmitteln. Eine in der Fachzeitschrift âFoodsâ veröffentlichte Studie der Fondazione Italiana Fegato (FIF), die in Zusammenarbeit mit der UniversitĂ€t Triest und Forschungseinrichtungen auf den Philippinen durchgefĂŒhrt wurde, analysierte 13.025 ultra-verarbeitete Produkte in Italien. Die Ergebnisse zeigen, dass 64,3 % dieser Produkte mit dem Nutri-Score D oder E bewertet werden mĂŒssen. Besonders kritisch schnitten Snacks ab, bei denen 87 % in diese schlechteren Kategorien fielen.
Parallel dazu lieferte eine Langzeitstudie der Harvard University, die unter dem Namen NUTRITION 2026 vorgestellt wurde, neue Erkenntnisse zur Gesundheitswirkung von Lebensmitteln. Mit ĂŒber 200.000 Teilnehmern legte die Untersuchung dar, dass die NĂ€hrstoffdichte eines Produkts fĂŒr die Gesundheit entscheidender sei als der reine Verarbeitungsgrad. Eine hohe NĂ€hrstoffdichte korreliert laut den Forschern mit einer Reduktion des Risikos fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 14-18 % und fĂŒr Typ-2-Diabetes um 33-34 %. Die allgemeine Sterblichkeit sank in der beobachteten Gruppe um 7-11 %. In diesem Zusammenhang wurde auch die NOVA-Klassifikation, die Lebensmittel primĂ€r nach ihrem Verarbeitungsgrad einteilt, kritisch hinterfragt.
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Innovative AnsÀtze zur Optimierung der NÀhrwerte
Um den strengeren Anforderungen gerecht zu werden, suchen Forschungseinrichtungen nach neuen Wegen zur Rezepturverbesserung. Die UniversitĂ€t Bayreuth am Campus Kulmbach entwickelte beispielsweise eine WeiĂwurst, bei der ein Teil des herkömmlichen Fetts durch Insektenmehl aus MehlwĂŒrmern ersetzt wird. Durch den Austausch von 10-20 % des Fettanteils lĂ€sst sich der Proteingehalt erhöhen und die Nutri-Score-Bewertung verbessern. WĂ€hrend der Geschmack in ersten Tests positiv bewertet wurde, resultiert der Einsatz des Insektenmehls jedoch in einer grĂ€ulichen FĂ€rbung des Produkts. Solche AnsĂ€tze verdeutlichen den Innovationsdruck, unter dem Hersteller stehen, um trotz strengerer Kriterien vordere Platzierungen auf der Farbskala zu erreichen.
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