Nvidia-Grafikkarten, Preiserhöhung

Nvidia-Grafikkarten: 20–30% Preiserhöhung seit Ende Juli

Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 00:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nvidia erhöht Preise für Grafikkarten drastisch und reduziert Speicher in KI-Systemen. Lieferengpässe könnten bis 2028 anhalten.

Nvidia: Steigende Speicherkosten erzwingen massive Preisanpassungen
Nahaufnahme der Schaltkreise einer High-End-Grafikkarte mit hervorgehobenen Speichermodulen auf einer Leiterplatte. Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

Steigende Speicherkosten und globale Lieferengpässe zwingen Nvidia zu massiven Preisanpassungen. Die Auswirkungen sind sowohl bei Verbraucher-Grafikkarten als auch bei teuren KI-Systemen für Rechenzentren spürbar. Branchenanalysten zufolge machen Speicherkomponenten inzwischen fast 30 Prozent der Gesamtkosten hochwertiger KI-Hardware aus.

Verbraucher-Grafikkarten: Dritte Preiserhöhung binnen Jahresfrist

Seit Ende Juli 2026 setzt Nvidia eine Preiserhöhung von 20 bis 30 Prozent auf GDDR6- und GDDR7-Speicherkits für die RTX-Serie durch. Es ist bereits der dritte Preisschub seit Jahresbeginn. Hardware-Partner wie ASUS, MSI und Gigabyte wurden laut Branchenkreisen informiert, dass Nvidia die Speichermodule nicht mehr als Bundle liefert. Stattdessen müssen die Partner den Speicher nun zu Marktpreisen einkaufen.

Die Folgen für Endkunden sind bereits sichtbar. Eine ASUS RTX 5080 kostet aktuell rund 1.595 Euro – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem früheren Preis von etwa 1.199 Euro. Noch extremer fällt der Sprung bei der RTX 5070 Ti mit 16 GB VRAM aus: Mit rund 1.581 Euro liegt sie satte 49 Prozent über ihrem Wert vom November 2025. Marktbeobachter schätzen, dass die steigenden Kosten für Videospeicher die Herstellung jeder Grafikkarte um etwa zehn Euro pro Gigabyte verteuern.

Vera Rubin: Nvidia halbiert Speicherausstattung

Auch im Geschäft mit Rechenzentren hinterlässt die Krise ihre Spuren. Laut einer Analyse von Wedbush hat Nvidia die SOCAMM-Kapazität seiner Vera-Rubin-Serie halbiert. Statt ursprünglich 192 GB stehen nun nur noch 96 GB Speicher pro CPU zur Verfügung. Für ein komplettes NVL72-Rack bedeutet das einen Rückgang von 55 Terabyte auf rund 28 Terabyte Gesamtspeicher.

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Der Schritt gilt als strategische Kostenkontrolle. Speicher macht inzwischen 29 Prozent der gesamten Materialkosten (BOM) eines Systems aus – Nvidia peilt normalerweise eher 20 Prozent an. Durch die Reduzierung sinken die geschätzten Speicherkosten pro System von 1,2 Millionen auf rund 586.000 Euro. Der Hochgeschwindigkeitsspeicher (HBM4) für die GPUs bleibt mit 20,7 Terabyte unverändert. Allerdings erhält Nvidia Berichten zufolge nur etwa 60 Prozent des benötigten LPDRAM.

Speicherhersteller: Rekordgewinne und KartellvorwĂĽrfe

Die Speicherhersteller profitieren enorm von der Knappheit. SK Hynix meldete im Juli für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von umgerechnet rund 54,5 Milliarden Euro – ein Plus von 257 Prozent im Jahresvergleich. Der operative Gewinn schoss um 557 Prozent auf etwa 41,6 Milliarden Euro in die Höhe. Um die Volatilität zu managen, hat SK Hynix rund zehn langfristige Lieferverträge mit großen KI-Kunden abgeschlossen, einige mit einer Laufzeit von bis zu fünf Jahren. Zudem bestätigte das Unternehmen eine Partnerschaft mit Nvidia im Wert von über 500 Milliarden Euro.

Doch die rasanten Preissteigerungen haben die Justiz auf den Plan gerufen. Eine Sammelklage wurde gegen Samsung, SK Hynix und Micron eingereicht. Der Vorwurf: Die Unternehmen hätten das Angebot künstlich verknappt, um die Preise in die Höhe zu treiben. In einigen Segmenten sollen die Speicherpreise um bis zu 700 Prozent gestiegen sein.

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Ausblick: Engpässe könnten bis 2028 anhalten

Ein JP-Morgan-Bericht vom Juli 2026 verzeichnet zwar einen leichten Rückgang der H100-GPU-Mietpreise um 1,1 Prozent – der erste Rückgang seit sieben Monaten. Doch der breitere Speichermarkt bleibt angespannt. Branchenkenner warnen, dass das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage ein mehrjähriges Problem sein könnte.

Der CEO von Apacer prognostiziert, dass die Lieferungen von DRAM-Chips an Drittanbieter-Modulhersteller 2027 im Vergleich zu 2026 um über 70 Prozent einbrechen könnten. Grund: Die Hersteller bevorzugen margenstarke HBM- und Server-RAM-Produkte für Rechenzentren. Die Vertragspreise für DRAM sollen im dritten Quartal 2026 um weitere 30 Prozent steigen.

GraniteShares-CEO Will Rhind rechnet damit, dass die Knappheit bei Hochgeschwindigkeitsspeicher bis 2028 anhalten wird – der Bau neuer Produktionskapazitäten dauere Jahre. Auch die Analysten von UBS sehen eine Preiswende für DRAM frühestens Mitte 2028. Dennoch bleibt der chipsektor robust: UBS prognostiziert, dass Nvidia bis 2028 einen freien Cashflow von rund 900 Milliarden Euro erwirtschaften könnte. Der nächste offizielle Finanzbericht von Nvidia erscheint am 26. August.

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