Öko-Test prüft 20 Schmerzsalben: Nur fünf lindern nachweislich
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 07:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deBei der Behandlung von chronischen Schmerzen und entzündlichen Erkrankungen rücken körpereigene Substanzen verstärkt in den Fokus wissenschaftlicher Betrachtungen. Palmitoylethanolamid (PEA), ein endogen produziertes Lipidsäureamid, weist sowohl anti-inflammatorische als auch analgetische Eigenschaften auf.
Aktuelle Fachberichte heben das Potenzial dieser Substanz hervor, da sie biologische Schmerzpfade über andere Mechanismen beeinflusst als herkömmliche nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR).
Spezifischer Wirkmechanismus über nukleare Rezeptoren
Im Gegensatz zu klassischen NSAR, die vor allem Cyclooxygenase-Enzyme (COX) hemmen, entfaltet PEA seine Wirkung primär über die Aktivierung des Nuklearrezeptors PPAR-?.
Darüber hinaus interagiert das Lipidsäureamid mit den Rezeptoren GPR55 sowie GPR119. Durch diese Bindungen dämpft PEA die Aktivierung von Mastzellen und verringert die Freisetzung entzündlicher Botenstoffe. In der Folge werden entzündliche Kaskaden abgemildert und die Schmerztransmission gehemmt.
Diese zellulären Pfade unterscheiden sich grundlegend von der klassischen enzymatischen Hemmung durch NSAR. Während die dauerhafte Einnahme herkömmlicher Entzündungshemmer bekannte Risiken birgt – darunter Magen-Darm-Beschwerden, kardiovaskuläre Gefahren sowie Belastungen der Nieren –, sind für PEA im Langzeiteinsatz kaum Nebenwirkungen dokumentiert. Klinische Arbeiten belegen eine Wirksamkeit bei verschiedenen Schmerzformen.
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Breites Einsatzspektrum und laufende Untersuchungen
Das Anwendungsspektrum von PEA reicht von chronischen Schmerzzuständen über entzündliche Störungen bis hin zu neurodegenerativen Erkrankungen. Neben dem therapeutischen Einsatz findet der Stoff auch in der Kosmetik Verwendung.
Derzeit laufen weitere wissenschaftliche Untersuchungen, um die Effekte von PEA insbesondere bei Fibromyalgie und neuropathischem Schmerz genauer zu bestimmen. Neuropathische Schmerzen stellen ein relevantes Gesundheitsthema dar und betreffen Schätzungen zufolge etwa 6,9 bis 10 Prozent der Weltbevölkerung.
Differenzierte Evidenz bei alternativen Ansätzen
Die Suche nach verträglichen Optionen abseits von NSAR umfasst neben PEA auch andere biologische Stoffe. So zeigen Berichte für Avocado-Sojanichtverseifbare (ASU) ebenfalls entzündungshemmende Eigenschaften. ASU hemmt die pro-entzündlichen Zytokine Interleukin-1? (IL-1?) sowie TNF-?, reduziert das Prostaglandin PGE2 und dämpft Matrix-Metalloproteinasen, die am Knorpelabbau beteiligt sind.
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In randomisierten Studien verbesserte die regelmäßige Einnahme über mehrere Wochen Gelenkbeschwerden sowie Beweglichkeit, wodurch viele Probanden ihre NSAR-Dosis reduzieren konnten. Auch Alkaloide wie D-Tetrahydropalmatin (D-THP) aus Corydalis yanhusuo modulieren NF-?B- und PI3K/Akt-Signalwege und senken Marker wie TNF-? und IL-6 in präklinischen Modellen.
Gleichzeitig verweisen vergleichende Untersuchungen auf erhebliche Evidenz- und Wirkungsunterschiede im Segment der Schmerzlinderung. Eine Untersuchung von Öko-Test an 20 Schmerzsalben ergab, dass lediglich fünf Präparate Schmerzen und Entzündungen belegt lindern.
Während Produkte mit den NSAR-Wirkstoffen Ibuprofen, Piroxicam und Felbinac mit der Note „Sehr gut“ abschnitten, fehlte für Inhaltsstoffe wie Arnika, Capsaicin, Campher oder Menthol in vielen Rezepturen ein entsprechender Wirksamkeitsnachweis.
Substanzen wie PEA stehen daher im Mittelpunkt der Forschung, um therapeutische Lücken zwischen synthetischen Wirkstoffen und komplementären Methoden wissenschaftlich fundiert zu schließen.
