Öko-Test prüft 23 Vitamin-D-Präparate: Viele überschreiten die BfR-Grenze
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 13:06 Uhr | Redaktion boerse-global.deExperten diskutieren den potenziellen Nutzen von Multivitaminen als Ergänzung zur Ernährung, betonen dabei jedoch übereinstimmend, dass solche Präparate keinen Ersatz für einen gesunden Lebensstil mit ausreichend Schlaf und Bewegung darstellen.
Während Nahrungsergänzungsmittel in der breiten Bevölkerung oft als einfache Lösung zur Förderung der Vitalität wahrgenommen werden, liefert die wissenschaftliche Datenlage ein differenziertes Bild – insbesondere mit Blick auf ältere Erwachsene.
Begrenzter Nutzen und spezifische Einsatzbereiche
Für den Großteil der gesunden Menschen bieten Multivitamine wenig bis keinen messbaren gesundheitlichen Vorteil. Dennoch gibt es Lebensphasen und Gruppen, für die eine gezielte Zufuhr sinnvoll sein kann.
Neben Personen mit rein pflanzlicher Ernährung, Menschen mit Allergien sowie Schwangeren und Stillenden – bei denen Multivitamine das Risiko für ein niedriges Geburtsgewicht oder Frühgeburten verringern können – gehören ältere Erwachsene zu den Zielgruppen.
Beobachtungs- und Interventionsstudien weisen darauf hin, dass Multivitamine Denken und Gedächtnis im höheren Lebensalter unter Umständen verbessern können. Die Befunde gelten jedoch nicht als eindeutig, und ein vorbeugender Schutz vor Demenzerkrankungen ist nicht belegt. Hinsichtlich der Herzgesundheit zeigen sich keine klaren Effekte.
Während bestimmte Stoffe wie Lutein und Zeaxanthin das Fortschreiten einer altersbedingten Makuladegeneration verlangsamen können, gilt die Evidenz zur Krebsprävention durch Multivitamine als schwach. Bei Männern stehen hohe Dosierungen sogar im Verdacht, das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen zu erhöhen.
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Altersbedingte Veränderungen: Vitamin D und B12 im Fokus
Im Zuge des Alterns verändert sich das Immunsystem im Rahmen der sogenannten Immunoseneszenz. Diese geht unter anderem mit einer geringeren Vielfalt der T-Lymphozyten, veränderten Funktionen von B-Lymphozyten und Makrophagen sowie einer chronischen geringgradigen Entzündungsaktivität einher.
Eine gezielte Gabe von Vitamin D3 kann zwar einen Mangel beheben, bietet nach aktuellem Wissensstand jedoch keinen spezifischen Schutz vor Grippe, COVID-19 oder anderen akuten Infektionen der Atemwege.
Da die körpereigene Vitamin-D-Synthese über die Haut im Alter abnimmt, sehen etwa polnische Richtlinien für Menschen im Alter von 65 bis 75 Jahren eine tägliche Zufuhr von 1000 bis 2000 IU vor; ab dem 75. Lebensjahr werden 2000 bis 4000 IU empfohlen. Gleichzeitig warnen Verbraucherschützer vor unkontrollierten Überdosierungen.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt bei freiverkäuflichen Nahrungsergänzungsmitteln eine Tagesdosis von maximal 800 I.E. Vitamin D. Eine Untersuchung von 23 Vitamin-D-Präparaten durch Öko-Test zeigte, dass viele frei verkäufliche Produkte diese Obergrenze teils deutlich überschreiten und daher abgewertet wurden.
Ein weiteres Augenmerk gilt dem Vitamin B12, für das bei Erwachsenen ein Tagesbedarf von 2,4 µg angegeben wird. Ältere Menschen leiden häufiger an einem Defizit, da eine verminderte Magensäureproduktion, chronische Schleimhautentzündungen oder bestimmte Medikamente die Aufnahme aus der Nahrung behindern.
In solchen Fällen ist eine herkömmliche orale Aufnahme oft unzureichend, sodass das Vitamin direkt in den Muskel oder unter die Haut injiziert werden muss.
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Risiken der Selbstmedikation und die Rolle des Lebensstils
Ernährungsexperten raten grundsätzlich davon ab, Vitamin- und Mineralstoffpräparate pauschal einzunehmen. Notwendig sei vorab eine ärztliche Abklärung des individuellen Bedarfs anhand von Laborwerten.
Vor allem fettlösliche Vitamine bergen bei Überdosierung erhebliche Gefahren: Ein Überschuss an Vitamin D kann Hyperkalzämie und Nierenschäden nach sich ziehen, zu viel Vitamin A Leberprobleme begünstigen. Auch Überdosierungen von Spurenelementen sind problematisch; so kann ein Zinküberschuss einen Kupfermangel auslösen, während übermäßiges Eisen zu gefährlichen Organablagerungen führt.
Zudem betonen Mediziner, dass das menschliche Immunsystem nicht über isolierte Nährstoffe künstlich beschleunigt werden kann. Große Studien zeigen beispielsweise, dass hochdosiertes Vitamin C das Risiko für Erkältungen nicht nennenswert verringert; eine kontinuierliche Einnahme verkürzt die Krankheitsdauer im Schnitt lediglich um rund 8 Prozent.
Die entscheidende Grundlage für ein funktionierendes Abwehrsystem bilden weiterhin regelmäßige körperliche Bewegung, sieben bis neun Stunden Schlaf sowie eine vollwertige, ausgewogene Ernährung.
