Steuererklärung, Klick

okELSTER ab Juli: Steuererklärung mit einem Klick für 11,5 Mio.

30.05.2026 - 07:40:53 | boerse-global.de

Ab Juli 2026 ermöglicht okELSTER Millionen Steuerzahlern eine vereinfachte Steuererklärung auf Basis vorhandener Behörden-Daten.

okELSTER ab Juli: Steuererklärung mit einem Klick für 11,5 Mio. - Foto: über boerse-global.de
okELSTER ab Juli: Steuererklärung mit einem Klick für 11,5 Mio. - Foto: über boerse-global.de

Die Finanzverwaltung bereitet den bundesweiten Start von okELSTER vor – einem System, das auf bereits vorhandene Daten der Behörden zurückgreift.

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11,5 Millionen Steuerzahler profitieren zuerst

Die erste Phase des Rollouts richtet sich an rund 11,5 Millionen Bürger. Konkret sind das kinderlose Singles in Angestelltenverhältnissen sowie Ruheständler mit Pensionseinkünften. Das System erstellt auf Basis der bereits übermittelten Lohnsteuerbescheinigungen, Rentendaten und Krankenversicherungsbeiträge einen fertigen Steuerbescheid-Entwurf für das Jahr 2025.

Der Clou: Nach dem Klick beginnt eine einmonatige Einspruchsfrist, danach wird die Veranlagung rechtskräftig. Wer nichts ändert, ist fertig. Allerdings erfasst der Automatismus noch keine manuellen Angaben wie Werbungskosten, außergewöhnliche Belastungen, Spenden oder haushaltsnahe Dienstleistungen. Ein Pilotprojekt in Kassel testet die vereinfachten Verfahren bereits seit Anfang des Jahres.

Papierflut versiegt – Sachsen geht voran

Parallel zum okELSTER-Start läuft der Abschied vom klassischen Steuerformular auf Hochtouren. In Sachsen stellt die Finanzverwaltung ab 2027 die Auslieferung von Papierformularen an Städte und Gemeinden komplett ein. Bürger müssen die vordrucke dann direkt beim Finanzamt abholen, online ausdrucken oder die digitale Plattform Mein ELSTER nutzen. Aktuell liegt die digitale Nutzungsquote in der Region bereits bei 78 Prozent.

Flankiert wird die Umstellung von weiteren gesetzlichen Automatisierungen. Geplant sind unter anderem:

  • Eine Quellensteuer auf Renten, analog zur Lohnsteuer
  • Die automatische elektronische Übermittlung von Spendenbescheinigungen
  • Neue Meldepflichten für Krypto-Dienstleister, die Jahresdaten an das Bundeszentralamt für Steuern melden müssen – zum automatischen Austausch innerhalb der EU
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Internationale Vorbilder: Brasilien und Polen zeigen, wie es geht

Deutschland ist mit dieser Entwicklung nicht allein. Weltweit setzen Staaten auf vorausgefüllte Steuererklärungen. In Brasilien stieg der Anteil vorausgefüllter Deklarationen in der abgeschlossenen Kampagne 2026 auf 59,8 Prozent. Die Steuerbehörde Receita Federal zahlte am letzten Abgabetag Rekord-Rückerstattungen von umgerechnet rund 2,7 Milliarden Euro an 8,7 Millionen Bürger aus.

Noch weiter ist Polen: In der Kampagne 2025 wurden 96,7 Prozent aller Einkommensteuererklärungen elektronisch eingereicht. Über die Hälfte lief über den Dienst „Twój e-PIT“. Knapp ein Drittel der Rückmeldungen wurde automatisch akzeptiert – die durchschnittliche Wartezeit auf eine Rückerstattung betrug nur 13 Tage.

Auch Künstliche Intelligenz hält Einzug in die Steuerwelt. Ein von OpenAI entwickeltes KI-Tool bearbeitete kürzlich 7.000 Steuerfälle mit einer Genauigkeit von bis zu 97 Prozent.

Reformgipfel im Juni – Entlastung für Geringverdiener ab 2027?

Während okELSTER die Effizienz der Verwaltung steigert, stehen auch inhaltliche Reformen an. Die Bundesregierung hat für den 10. Juni 2026 einen Spitzengipfel angesetzt. Ziel: Bis zum 30. Juni ein Paket aus Einkommensteuer, Arbeitsmarktanpassungen und Bürokratieabbau schnüren. Verabschiedet werden soll es noch vor der Sommerpause am 10. Juli.

Für 2027 zeichnen sich zudem Entlastungen für niedrige und mittlere Einkommen ab. Wer zwischen 2.500 und 3.000 Euro brutto im Monat verdient, könnte jährlich zwischen 100 und 400 Euro sparen. Auch international wird der Druck zur Modernisierung größer: Die Ukraine etwa muss ihr vereinfachtes Steuersystem bis Dezember 2026 reformieren – als Bedingung für internationale Finanzhilfen.

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