Olivenöl, Herz-Kreislauf-Risiko

Olivenöl: 30 Prozent weniger Herz-Kreislauf-Risiko im mediterranen Lebensstil

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 18:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien verbinden mediterrane ErnÀhrung mit geringerem Sterberisiko; Raps- und Leinöl ergÀnzen Olivenöl beim FettsÀuremuster.
Ein sonnendurchfluteter Olivenhain mit alten BĂ€umen und steinigem Boden in einer mediterranen Landschaft. Illustration mit AI erstellt.

Pflanzliche Öle gelten seit Langem als elementarer Bestandteil einer ausgewogenen ErnĂ€hrung. Dennoch wird insbesondere Olivenöl im Zuge von Gesundheitstrends hĂ€ufig eine Sonderrolle zugeschrieben, die ĂŒber den tatsĂ€chlichen wissenschaftlichen Kenntnisstand hinausgeht.

ErnĂ€hrungsexperten ordnen den gesundheitlichen Wert des Öls nun differenzierter ein: Entscheidend sei vor allem das Zusammenspiel im gesamten mediterranen Lebensstil sowie die gezielte Kombination mit anderen pflanzlichen Fetten.

Die Rolle im mediterranen Gesamtkonzept

Die gesundheitsfördernden Effekte von nativem Olivenöl werden in der Forschung immer wieder mit der traditionellen MittelmeerdiĂ€t verknĂŒpft. So belegte die spanische PREDIMED-Studie mit rund 7.500 erwachsenen Teilnehmern, dass eine mediterrane ErnĂ€hrungsweise mit nativem Olivenöl das kombinierte Risiko fĂŒr Herzinfarkt, Schlaganfall und kardiovaskulĂ€ren Tod im Vergleich zu einer fettarmen DiĂ€t um rund 30 Prozent senkte.

Eine im American Journal of Clinical Nutrition erschienene Untersuchung zeigte anhand von Blutmetaboliten bei 1.880 PREDIMED-Teilnehmern ĂŒber eine mediane Nachbeobachtungszeit von 13,2 Jahren, dass das Drittel mit den höchsten Werten fĂŒr mediterrane ErnĂ€hrung ein um 23 Prozent geringeres Sterberisiko aufwies als das niedrigste Drittel.

Die Sterberate sank dabei von rund 24 auf rund 18 FĂ€lle je 1.000 Personen. Eine vergleichbare Risikoreduktion um 23 Prozent zeigte sich auch in US-Kohorten mit 12.704 Teilnehmenden ĂŒber 25 Jahre Beobachtungszeit.

Wissenschaftler betonen jedoch, dass diese Effekte nicht isoliert auf das Öl zurĂŒckzufĂŒhren sind. Der Nutzen entsteht vielmehr durch das Zusammenspiel mit viel GemĂŒse, HĂŒlsenfrĂŒchten, Vollkornprodukten, Fisch und NĂŒssen sowie wenig rotem Fleisch. Auch moderate Alltagsbewegung, soziale Kontakte sowie ein entspannterer Umgang mit Schlaf und Ruhezeiten spielen eine tragende Rolle.

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FettsÀuremuster: Rapsöl als heimische Alternative

Aus ernĂ€hrungsphysiologischer Sicht ist Olivenöl keineswegs das einzige hochwertige Speiseöl. Silke Restemeyer, ErnĂ€hrungswissenschaftlerin bei der Deutschen Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE), empfiehlt tĂ€glich zehn Gramm wertvolle Pflanzenöle.

Als Öl der ersten Wahl stuft die DGE Rapsöl ein. Dieses zeichnet sich durch einen Gehalt von 92 Prozent ungesĂ€ttigten und nur 8 Prozent gesĂ€ttigten FettsĂ€uren aus, bietet viel Vitamin E und ein besonders gĂŒnstiges VerhĂ€ltnis von Omega-3- zu Omega-6-FettsĂ€uren.

Zwar besitzt auch kaltgepresstes natives Olivenöl viele sekundÀre Pflanzenstoffe, Polyphenole und Antioxidantien, doch sein Omega-3-zu-Omega-6-VerhÀltnis gilt als nicht ideal.

Fachleute empfehlen daher eine ErgĂ€nzung durch Lein- oder Rapsöl. Leinöl weist ĂŒber 50 Prozent Omega-3-FettsĂ€uren auf. UngĂŒnstigere FettsĂ€ureprofile zeigen sich hingegen bei Sonnenblumen-, Maiskeim- und Distelöl, wobei letzteres rund 75 Prozent LinolsĂ€ure enthĂ€lt.

Nita Forouhi, Professorin an der UniversitĂ€t Cambridge, verweist darauf, dass Raps- und Sonnenblumenöl lediglich fĂŒnf bis zehn Prozent gesĂ€ttigte Fette enthalten und reich an ungesĂ€ttigten FettsĂ€uren sind. Zudem enthalten moderne Margarinen nahezu keine Transfette mehr und können zur Senkung des schĂ€dlichen Cholesterinspiegels beitragen.

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HitzestabilitÀt und aktuelle Konsumtrends

Auch bei der Zubereitung gelten klare GrundsĂ€tze. Kaltgepresste Öle sollten nach DGE-Angaben nicht stark erhitzt werden, wĂ€hrend raffinierte Varianten Temperaturen ĂŒber 180 Grad Celsius vertragen.

Eine Studie der UniversitĂ€t Barcelona aus dem Jahr 2020 zeigte, dass natives Olivenöl extra bei einer Erhitzung auf 120 Grad Celsius rund 40 Prozent und bei 170 Grad Celsius rund 75 Prozent seiner Polyphenole einbĂŒĂŸte.

Dennoch verblieben ausreichend Stoffe, um den EU-Kriterien fĂŒr entsprechende Gesundheitsangaben von mindestens fĂŒnf Milligramm Hydroxytyrosol je 20 Gramm zu entsprechen. Italienische CREA-Leitlinien erachten das Frittieren mit frischem Öl bei 170 bis 180 Grad Celsius als unbedenklich.

Kritisch sehen ErnĂ€hrungsberater aktuelle Trends wie das isolierte Trinken von purem Olivenöl. Fachleute wie Brian St. Pierre, Drew Ramsey, Abby Langer und Kelsey Kunik verweisen darauf, dass es fĂŒr solche Shots keinen dokumentierten Zusatznutzen gegenĂŒber der Verwendung im Essen gebe.

Mit rund neun Kilokalorien je Gramm liefert ein Esslöffel etwa 120 Kilokalorien. Ein ĂŒbermĂ€ĂŸiger Verzehr kann daher zu Gewichtszunahme und Insulinresistenz fĂŒhren. Zudem ersetzen die Fette keinesfalls medizinische Therapien.

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