Olivenöl senkt Herzinfarkt-Risiko um 30%: PREDIMED-Studie
Veröffentlicht: 04.07.2026 um 23:36 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ernährungswissenschaftler und Verbraucherschützer stellen zunehmend infrage, ob exotische Beeren und Protein-Shakes wirklich so gesund sind, wie die Werbung verspricht.
Regionale Alternativen sind oft die bessere Wahl
Der Begriff „Superfood“ ist laut Experten vor allem eines: Marketing. Ernährungswissenschaftler Uwe Knop betont, dass exotische Lebensmittel meist keinen höheren gesundheitlichen Nutzen bieten als heimische Produkte. Regionale Alternativen punkten mit ähnlichen Vitalstoffen – und sind dazu noch ökologisch nachhaltiger.
Ein wissenschaftlich belegtes Superfood dagegen ist extra natives Olivenöl. Die PREDIMED-Studie zeigt: Es kann kardiovaskuläre Ereignisse um 30 Prozent senken. Entscheidend ist dabei die Qualität, vor allem der Polyphenolgehalt.
Auch bei Obst gibt es spannende Entwicklungen. Sogenannte Pineberries – weiße Zuchtformen der Gartenerdbeere mit Ananas-Aroma – sind eine Alternative für Allergiker. Ihnen fehlen die Anthocyane, dafür liefern sie reichlich Vitamin C.
Die Protein-Debatte: Wie viel ist zu viel?
Die Industrie pusht proteinangereicherte Produkte wie Shakes und Skyr. Doch Langlebigkeitsforscher schlagen Alarm. Valter Longo von der University of Southern California warnt: Ein zu hoher Konsum von tierischem Protein kann langfristig schaden.
Seine Studie zeigt: Menschen zwischen 50 und 65 Jahren, die mehr als 20 Prozent ihrer Kalorien aus Protein beziehen, haben ein vierfach höheres Krebsrisiko.
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Die Empfehlungen der Fachgesellschaften gehen weit auseinander:
- Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt 0,8 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht, für über 60-Jährige 1,0 g.
- Valter Longo rät zu maximal 0,8 g und plädiert für pescetarische Ernährung.
- Wissenschaftler der Charité Berlin halten bei Sportlern und älteren Menschen bis zu 1,5 g für sinnvoll.
Gleichzeitig reagiert die Industrie auf neue Trends. Nestlé und Danone entwickeln Produkte speziell für Nutzer von GLP-1-Medikamenten, den sogenannten Abnehmspritzen. Kritiker warnen: Viele dieser Protein-Smoothies sind ultra-verarbeitete Lebensmittel (UPFs) – und die stehen im Verdacht, metabolische Schäden zu verursachen.
Social-Media-Trends: Ballaststoffe ja, Pseudowissenschaft nein
Auf TikTok und Instagram feiert „Fibermaxxing“ Erfolge. Der Trend zu ballaststoffreicher Ernährung rückt heimische Leguminosen wie Körnererbsen, Ackerbohnen, Süßlupinen und Sojabohnen in den Fokus.
Medizinisch untermauert ist der Nutzen: Die American Diabetes Association (ADA) empfiehlt für 2026, dass Typ-2-Diabetiker mindestens 14 g Ballaststoffe pro 1000 kcal zu sich nehmen sollten. Das senkt den HbA1c-Wert effektiv.
Deutlich kritischer sehen Experten den sogenannten Blutzucker-Trick oder „Natural Ozempic“. Die von Jessie Inchauspé popularisierte Methode, die Reihenfolge der Nahrungsmittel zu steuern, hat laut Uwe Knop keine wissenschaftlichen Belege für langfristige Effekte.
Vor dem Trend, Gelatine in heißem Wasser als Sättigungsmittel zu trinken, warnen Mediziner ausdrücklich. Das reproduziere nicht den hormonellen Mechanismus von Medikamenten und könne zu Verdauungsbeschwerden führen.
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Verbraucherschutz: Viel Zucker, wenig Frucht
Ein Marktcheck der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz zeigt die Intransparenz bei Frühstücksprodukten. Bei 44 untersuchten Müslis betrug der Fruchtanteil ohne Rosinen im Durchschnitt nur 4 Prozent. Bei Nusscremes gilt: Je niedriger der Nussgehalt, desto höher der Zuckeranteil.
Auch die ökologische Bilanz rückt in den Fokus. Die EAT-Lancet-Kommission stellt in einem Update fest: Eine überwiegend pflanzenbasierte Ernährung könnte bis zu 15 Millionen Todesfälle pro Jahr vermeiden und die Treibhausgasemissionen der Nahrungsmittelproduktion halbieren. Aktuell stammen rund 30 Prozent der globalen Emissionen aus diesem Sektor.
Die Empfehlung der Forscher: 2400 kcal pro Tag, davon mindestens 80 Prozent aus pflanzlichen Quellen. Selbst bei vermeintlich gesunden Alternativen wie Sardinen warnen Biologen vor den Folgen der steigenden Nachfrage für marine Ökosysteme. Ihr Rat: auf zertifizierte Bestände oder regionale Süßwasserfische zurückgreifen.
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