Omega-3, Darmkrebs

Omega-3 bei Darmkrebs: EPA steigert 5-Jahres-Überleben auf 62 Prozent

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 14:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de
EMT2 verfehlte den PFS-Endpunkt, zeigte aber längeres Gesamtüberleben; PreventE4 fand trotz veränderter DHA-Werte keinen kognitiven Vorteil.
Ein klares Glasbecherglas mit goldfarbenem, viskosem Öl auf einer weißen Marmoroberfläche in einer sterilen Laborumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Klinische Untersuchungen zu hochdosierten Omega-3-Fettsäuren liefern differenzierte Ergebnisse über deren therapeutischen Nutzen. Beim ESMO-Kongress 2026 in Madrid wurden im Rahmen einer Late-Breaker-Sitzung die Daten der Phase-III-Studie EMT2 (NCT03428477) vorgestellt.

Die vom Unternehmen Amarin begleitete Untersuchung prüfte den Einsatz hochreiner Eicosapentaensäure (EPA) im Vergleich zu einem Placebo bei Patientinnen und Patienten, bei denen Lebermetastasen eines kolorektalen Karzinoms chirurgisch entfernt wurden.

Phase-III-Studie EMT2: Überlebensvorteil trotz verfehltem progressionsfreien Endpunkt

An der EMT2-Studie nahmen 418 Personen teil, die gleichmäßig aufgeteilt wurden (209 in der EPA-Gruppe und 209 im Placebo-Arm). Die Teilnehmenden wiesen ein medianes Alter von 64 Jahren auf, 61,5% waren männlich. Rekrutiert wurde zwischen 2018 und 2023 an 13 hepatobiliären Chirurgiezentren in England und Wales.

Die Behandlung bestand aus 4 g/Tag hochreinem Icosapent-Ethyl (Vascepa) beziehungsweise einem Mineralöl-Placebo, startete mindestens einen Tag vor dem Eingriff und war für zwei bis vier Jahre geplant; jeweils 20% erhielten die Gabe adjuvant.

Den primären Endpunkt des progressionsfreien Überlebens (PFS) erreichte die Studie nicht: Das mediane PFS lag bei 13,5 Monaten unter EPA (95% CI 11,8–17,9) gegenüber 12,9 Monaten unter Placebo (95% CI 10,4–16,3), was einer adjustierten Hazard Ratio (HR) von 0,89 entspricht (95% CI 0,70–1,13; p=0,329).

Beim zentralen sekundären Endpunkt, dem Gesamtüberleben (OS), zeigte sich hingegen ein statistisch signifikanter Effekt: Das 5-Jahres-OS belief sich auf 62,0% unter EPA (95% CI 52,7–70,0) gegenüber 45,1% unter Placebo (95% CI 33,7–55,9). Dies entspricht einer adjustierten HR von 0,68 (95% CI 0,48–0,96; p=0,030) und einem um rund 32% verringerten Sterberisiko.

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Beim 25. Oktober 2026 berichtet wurde, war das mediane Gesamtüberleben unter EPA noch nicht erreicht, während es im Placebo-Arm 59,0 Monate betrug. Eine Per-Protokoll-Analyse ergab eine HR von 0,60 (95% CI 0,36–0,99); dieser Befund blieb auch nach Bereinigung um Baseline-Diabetes-Raten (16% unter EPA gegenüber 8% unter Placebo) konsistent.

Die Sicherheitsanalyse von 411 Behandelten zeigte weder vermehrte unerwünschte Ereignisse, Blutungen oder Vorhofflimmern noch Einbußen bei der Lebensqualität.

Einordnung durch Fachleute und onkologischer Kontext

Studienleiter Mark A. Hull aus Leeds bewertete den festgestellten Überlebensvorteil als klinisch bedeutsam, sollte er sich bestätigen. Als mögliche Mechanismen führte er Einflüsse auf die Immunantwort und Kachexie an.

Die an der Untersuchung unbeteiligte Onkologin Chiara Cremolini aus Pisa mahnte an, die Abweichung zwischen progressionsfreiem und Gesamtüberleben erfordere eine sorgfältige Interpretation, weshalb vor einer routinemäßigen Anwendung Bestätigungsdaten vorliegen müssten.

Amarin kündigte an, die Daten gemeinsam mit dem Sponsor, der University of Leeds, weiter auszuwerten; eine Veröffentlichung in einem begutachteten Fachjournal steht noch aus.

Darmkrebs stellt weltweit die zweithäufigste Krebstodesursache dar, wobei etwa die Hälfte der Betroffenen Lebermetastasen entwickelt. Nach einer Leberresektion liegt das Fünf-Jahres-Überleben im Bereich von 40–60%. Das von Amarin vertriebene Icosapent-Ethyl, für das in der Europäischen Union Patentschutz bis 2039 besteht, wurde bislang rund 32 Millionen Mal verschrieben; die REDUCE-IT-Studie hatte zuvor eine 25%ige Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse bei statinbehandelten Patienten mit erhöhten Triglyceriden belegt.

PreventE4-Studie untersucht kognitive Effekte von Algen-DHA

Parallel dazu lieferte die im Fachjournal eBioMedicine veröffentlichte PreventE4-Studie (NCT03613844) unter der Leitung von Hussein Naji Yassine von der Keck Medicine of USC neue Erkenntnisse zur Demenzprävention.

Hierbei erhielten 365 Erwachsene im Alter von 55 bis 80 Jahren mit seltenem Fischkonsum und mindestens einem Demenzrisikofaktor über zwei Jahre doblemblind 2.000 mg/Tag Docosahexaensäure (DHA) aus Algen-Triglyceriden oder ein Placebo. Rund 47% der Teilnehmenden trugen das Risikogen APOE4.

Den primären Endpunkt erreichte die Studie: Nach sechs Monaten veränderte sich das Verhältnis von DHA zu Arachidonsäure im Liquor (gemessen bei 181 Personen via Lumbalpunktion) um +0,17 unter DHA gegenüber ?0,02 unter Placebo (Cohen's d 1,64), unabhängig vom APOE4-Status (Interaktion p=0,71). Der Omega-3-Index der Erythrozyten stieg um +6,18 Punkte gegenüber +0,21 Punkten.

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Bei den kognitiven Leistungstests nach zwei Jahren zeigte sich jedoch kein messbarer Nutzen: Im RBANS-Test betrug die Veränderung +2,76 gegenüber +2,67 Punkten (Differenz 0,09).

Das Hippocampus-Volumen verringerte sich jährlich links um ?0,75% unter DHA gegenüber ?0,63% unter Placebo sowie rechts um ?0,55% gegenüber ?0,67%, was jeweils nicht signifikant war. Unerwünschte Ereignisse traten bei 40,3% unter DHA und 40,9% unter Placebo auf, schwerwiegende Fälle bei 5 (2,8%) gegenüber 13 (7,2%).

Eine Dropout-Quote von 38% (225 von 365 beendeten die Studie), maßgeblich bedingt durch die COVID-19-Pandemie, schränkte die statistische Aussagekraft ein. Die Autoren betonten, das Resultat belege keine generelle Wirkungslosigkeit unter allen Bedingungen und stelle keinen Grund dar, von Fischkonsum abzuraten.

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