Omega-3: Mikroalgen-Züchtung erhöht DHA und EPA um 1,8-Fach
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 00:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Bereich der marinen Biotechnologie zeichnen sich neue Wege zur nachhaltigen Gewinnung von essenziellen Fettsäuren ab. Forschungsergebnisse, die Ende August 2026 veröffentlicht wurden, belegen Fortschritte bei der Züchtung von Mikroalgen, die eine Schlüsselrolle bei der Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren spielen könnten.
Forscher des japanischen Telekommunikations- und Technologiekonzerns NTT haben erfolgreich die Kieselalge Chaetoceros gracilis modifiziert, um deren Nährstoffgehalt signifikant zu steigern.
Effizienzsteigerung durch Bestrahlungsmethoden
Die NTT-Forscher nutzten für ihre Untersuchung das Verfahren der Neutronenbestrahlung. Durch diese Methode gelang es, den Gehalt an Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA) in den Algen um jeweils etwa das 1,8-Fache zu erhöhen. Ein wesentliches Merkmal dieses Ansatzes ist, dass es sich um ein nicht-gentechnisches Züchtungsverfahren handelt.
Das primäre Ziel dieser Entwicklung ist die Optimierung der Aquakultur. Bisher werden DHA und EPA in der Fischzucht oft über Fischmehl zugeführt. Da Fische diese Fettsäuren nicht selbst produzieren, sondern über die Nahrungskette aus Mikroalgen aufnehmen, bietet die direkte Verwendung angereicherter Algen eine Möglichkeit, den Bedarf an herkömmlichem Fischmehl zu reduzieren und somit den Druck auf die weltweiten Fischbestände zu senken.
Gesundheitliche Relevanz und Dosierung von Omega-3
Die Bedeutung von Omega-3-Fettsäuren für die menschliche Gesundheit ist durch zahlreiche Untersuchungen belegt. Während DHA vor allem zur Erhaltung der normalen Gehirnfunktion und Sehkraft beiträgt, unterstützen sowohl EPA als auch DHA eine normale Herzfunktion. Eine positive Wirkung stelle sich laut Fachkreisen ab einer täglichen Aufnahme von 250 mg DHA beziehungsweise einer Kombination aus EPA und DHA ein.
Eine Meta-Analyse lieferte zudem Erkenntnisse zur Wirkung bei Bluthochdruck. Demnach könne eine tächtliche Zufuhr von 2 bis 3 g EPA und DHA den Blutdruck moderat senken, insbesondere bei Patienten mit Hypertonie.
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Die US-Gesundheitsbehörde FDA stufe eine Menge von bis zu 5 g pro Tag als allgemein sicher ein. Es werde jedoch darauf hingewiesen, dass Dosen ab 4 g pro Tag das Risiko für Vorhofflimmern leicht erhöhen könnten, insbesondere bei Patienten mit bestehenden Herzproblemen.
Ökologische Herausforderungen und alternative Quellen
Die Verfügbarkeit natürlicher Omega-3-Quellen steht unter ökologischem Druck. Daten aus einer Meta-Analyse in der Fachzeitschrift Global Change Biology verdeutlichen den Einfluss der Erderwärmung: Steigende Temperaturen führten zu einer Reduktion des Omega-3-Anteils bei Primärproduzenten wie Algen um bis zu 34 % und der Konzentration um bis zu 50 %. Bei Fischen sank der DHA-Gehalt unter starker Erwärmung ebenfalls um die Hälfte.
Gleichzeitig sind laut Berichten vom August 2026 etwa 35 % der weltweiten Fischbestände überfischt. Vor diesem Hintergrund gewinnen Alternativen an Bedeutung.
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Während Zuchtlachs mit etwa 2100 mg EPA+DHA pro 100 g (gegart) und Sardinen mit 1800 mg als reichhaltige Quellen gelten, weisen Experten darauf hin, dass pflanzliches ALA (Alpha-Linolensäure) im menschlichen Körper nur zu weniger als 10 % in die wirksamen Formen EPA und DHA umgewandelt wird.
Algenöl wird daher zunehmend als nachhaltige und direkt verwertbare Alternative empfohlen, auch für die Ernährung von Haustieren wie Hunden und Katzen.
Regulatorischer Rahmen und Marktentwicklung
Der Markt für Produkte mit Omega-3-Bezug unterliegt künftig strengeren Regeln. Ab September 2026 greift eine neue EU-Richtlinie, die unkonkrete Umweltangaben in der Produktwerbung untersagt. Dies soll für mehr Transparenz sorgen, wenn Unternehmen ihre Produkte als nachhaltig bewerben.
Für Verbraucher bleibt die Wahl der Quelle zudem eine Frage der Reinheit. Während kleinere Fische wie Sardinen oder Sardellen aufgrund ihrer Position in der Nahrungskette ein geringeres Risiko für Schwermetallbelastungen aufweisen, bietet Algenöl eine schadstoffarme Option für eine vegane oder vegetarische Versorgung.
Stiftung Warentest hatte in früheren Untersuchungen aus dem Jahr 2021 bei Wildlachs zudem auf mögliche Parasitenbelastungen und schwankende Omega-3-Werte hinterlassen, was die Bedeutung kontrollierter Produktionsbedingungen in der Aquakultur unterstreicht.
