Omega-3-PrÀparate: rTG erreicht 124 Prozent, Ethylester nur 73 Prozent
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 05:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mehrere Berichte hinterfragen den verbreiteten Ruf von Krillöl als vermeintlichen Goldstandard unter den NahrungsergÀnzungsmitteln und vergleichen dessen Wirkstoffgehalt sowie Effizienz kritisch mit hochwertigen Fischöl-Alternativen.
Verbraucher stehen vor der Wahl zwischen unterschiedlichen Darreichungsformen, bei denen sowohl die biochemische Bindung als auch die tatsÀchliche Konzentration der FettsÀuren EicosapentaensÀure (EPA) und DocosahexaensÀure (DHA) eine zentrale Rolle spielen.
Biochemische Bindungsformen und BioverfĂŒgbarkeit
Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Meeresölen liegt in der molekularen Struktur: WÀhrend Krillöl aus der Antarktis seine Omega-3-FettsÀuren an Phospholipide bindet, liegen diese in klassischem Fischöl als Triglyceride oder als synthetische Ethylester vor.
Da Phospholipide natĂŒrliche Bausteine menschlicher Zellmembranen darstellen, wird ihnen eine effizientere Integration in den Organismus zugeschrieben. Krillöl enthĂ€lt zudem das Antioxidans Astaxanthin.
Wissenschaftliche Untersuchungen liefern jedoch ein differenziertes Bild zur Verwertbarkeit. Eine Ăbersichtsarbeit von Ulven und Holven aus dem Jahr 2015 analysierte 14 Studien und stellte fest, dass die BioverfĂŒgbarkeit von Krillöl lediglich in zwei Humanstudien mit identischer EPA- und DHA-Dosis höher ausfiel als bei Fischöl.
Ein allgemeingĂŒltiger Vergleich erwies sich aufgrund stark variierender Dosierungen als schwierig; feste Schlussfolgerungen blieben aus. Zudem zeigten sich die Effekte beider Ăle auf Blutfette und EntzĂŒndungsmarker als begrenzt.
Auch innerhalb der Fischöl-Varianten gibt es deutliche Unterschiede bei der Verwertbarkeit. In einer Untersuchung von Dyerberg und Kollegen aus dem Jahr 2010 mit 72 Teilnehmenden erzielte die re-veresterte Triglycerid-Form (rTG) eine BioverfĂŒgbarkeit von 124 Prozent, wĂ€hrend Ethylester lediglich 73 Prozent erreichten. NĂŒchtern eingenommen werden Triglyceride demnach um bis zu 70 Prozent besser resorbiert als Ethylester.
Wirkstoffdichte und wirtschaftliche Faktoren
Bei der Auswahl eines PrĂ€parats kommt es vor allem auf die tatsĂ€chliche Menge an EPA und DHA an. Eine Angabe von 1.000 Milligramm Ăl auf der Verpackung bezieht sich hĂ€ufig nur auf das Gesamtgewicht des Ăls und nicht auf den Reingehalt an Omega-3-FettsĂ€uren.
1.000 Milligramm auf der Packung heiĂen nicht 1.000 Milligramm EPA und DHA â einfaches Fischöl enthĂ€lt laut Fachpublikationen nur rund 30 Prozent Wirkstoff. Der kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen in 3 Schritten, wie Sie den Reingehalt prĂŒfen, rTG von Ethylester unterscheiden und den Preis pro Gramm EPA und DHA berechnen. Omega-3-Leitfaden jetzt anfordern
Laut einer Veröffentlichung von Song und Kollegen in Frontiers in Nutrition aus dem Jahr 2023 enthĂ€lt einfaches Fischöl rund 30 Prozent EPA und DHA, was bei 1.000 Milligramm Ăl einer Wirkstoffmenge von etwa 300 Milligramm entspricht. Konzentrierte Produkte erreichen Anteile von 60 Prozent (600 Milligramm) oder 85 Prozent (850 Milligramm).
Da Krillöl oft in geringeren Dosen angeboten wird, erfordert ein fundierter Produktvergleich die Berechnung des Preises pro Gramm Reinsubstanz. Bei einer Packung mit 60 Kapseln zu je 300 Milligramm EPA und DHA fĂŒr 24 Euro ergibt sich beispielsweise eine Gesamtmenge von 18 Gramm, was einem Preis von 1,33 Euro pro Gramm entspricht.
Vorgaben von Behörden und gesundheitliche Hinweise
Nach Vorgaben der europĂ€ischen Verordnung (EU) Nr. 432/2012 trĂ€gt eine tĂ€gliche Zufuhr von 250 Milligramm EPA und DHA zu einer normalen Herzfunktion bei. FĂŒr den Erhalt der Gehirnfunktion sowie der Sehkraft sind tĂ€glich jeweils 250 Milligramm DHA erforderlich.
Höhere Mengen unterstĂŒtzen die Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks (ab 3 Gramm) und normaler Triglyceridwerte (ab 2 Gramm), wobei ergĂ€nzende Zufuhren maximal 5 Gramm pro Tag betragen sollten.
Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung (DGE) nennt 250 Milligramm als Richtwert, wĂ€hrend die EuropĂ€ische Behörde fĂŒr Lebensmittelsicherheit (EFSA) in einer Stellungnahme aus dem Jahr 2012 festhielt, dass eine zusĂ€tzliche Zufuhr von bis zu etwa 5 Gramm EPA und DHA beziehungsweise 1,8 Gramm EPA pro Tag fĂŒr gesunde Erwachsene bei gesicherter oxidativer StabilitĂ€t unbedenklich ist. Rund 70 Prozent der Menschen in Deutschland erreichen die empfohlene Zufuhr nicht.
Rund 70 Prozent der Menschen in Deutschland erreichen die empfohlene Omega-3-Zufuhr nicht â oft, weil die tatsĂ€chliche Wirkstoffdichte der Kapseln unklar bleibt. Der Leitfaden erklĂ€rt, welche Bindungsform nĂŒchtern besser resorbiert wird und welche Tagesmenge nach EU-Verordnung 432/2012 fĂŒr Herz, Gehirn und Sehkraft gilt. Dosierungs-Checkliste jetzt sichern
Als beste Quelle fĂŒr Omega-3-FettsĂ€uren nennt die Cleveland Clinic den Verzehr von fettem Kaltwasserfisch wie Lachs, Hering, Makrele, Forelle und Sardinen.
Bei NahrungsergĂ€nzungsmitteln mit Krillöl mahnen Mediziner zur Vorsicht bei Allergien gegen MeeresfrĂŒchte, bei der Einnahme von Antikoagulanzien sowie vor operativen Eingriffen; Schwangere und Stillende sollten das Produkt meiden. Laut NCCIH bleiben typische Nebenwirkungen wie Mundgeruch, verĂ€nderter Geschmack, SchweiĂgeruch oder Kopfschmerzen meist mild.
