Online-Betrug: Tech-Riesen und Banken grĂĽnden Scam-Prevention-Initiative
24.06.2026 - 03:19:43 | boerse-global.de
Die Verluste durch Online-Betrug erreichen Milliardengröße – jetzt schlagen Tech-Riesen und Finanzinstitute gemeinsam zurück.
BranchenĂĽbergreifende Allianz gegen Betrug
Das Aspen Institute hat am Dienstag die Gründung der Scam Prevention Initiative bekanntgegeben. In diesem neuen Bündnis arbeiten Technologiekonzerne, Einzelhandelsriesen und Banken erstmals eng zusammen. Zu den Gründungsmitgliedern zählen Apple, Google, Microsoft, Amazon sowie die Meta-Plattformen – gemeinsam mit Finanzschwergewichten wie JPMorgan Chase, Capital One, PayPal und Zelle.
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Das Ziel: einheitliche Messverfahren, bessere Koordination und praktische Lösungen, um die finanziellen Schäden einzudämmen. Der Handlungsdruck ist enorm. Laut FBI-Daten verloren Amerikaner 2025 fast 21 Milliarden Euro durch Betrug. Branchenschätzungen zufolge könnte die tatsächliche Belastung für US-Verbraucher sogar bei rund 200 Milliarden Euro liegen.
Google zieht vor Gericht – KI-gestützte Phishing-Netzwerke im Visier
Parallel zur Initiative schlug Google am Dienstag juristisch zu. Der Konzern reichte Klage gegen „Outsider Enterprise“ ein, ein chinesisches Phishing-Netzwerk, das massiven Betrug betrieben haben soll. Besonders perfide: Die Täter nutzten künstliche Intelligenz – darunter Googles eigenes Gemini-Modell –, um täuschend echte Betrugsinhalte zu erstellen.
Die Vorwürfe sind atemberaubend: Mehr als 9.000 gefälschte Websites und 1 Million betrügerische URLs sollen mit dem Netzwerk verbunden sein. Allein in zwei Wochen wurden rund 55.000 Spam-Textnachrichten gemeldet. Die Ermittler schätzen den Gesamtschaden seit 2023 auf 1,9 Milliarden Euro. Zudem sollen 3,8 Millionen Kreditkartendatensätze gestohlen worden sein. Die Klage erfolgte in Abstimmung mit dem FBI und großen Telekommunikationsanbietern wie AT&T, T-Mobile und Verizon.
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Europa: Betrugsmuster verschieben sich
Der UK Finance Annual Fraud Report 2026, der Anfang der Woche veröffentlicht wurde, zeichnet ein gemischtes Bild. Insgesamt wurden britischen Verbrauchern und Unternehmen 2025 umgerechnet 1,5 Milliarden Euro gestohlen – ein Anstieg von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Während die klassischen unbefugten Transaktionen um fünf Prozent zurückgingen, explodierte der sogenannte Authorized Push Payment (APP)-Betrug um 19 Prozent auf 672 Millionen Euro. Besonders dramatisch: Anlagebetrug legte um 40 Prozent auf 258 Millionen Euro zu. Die positive Nachricht: Die Branche konnte gleichzeitig unbefugte Betrugsversuche in Höhe von 1,96 Milliarden Euro verhindern.
Thailand als Vorbild im Kampf gegen Cyberkriminalität
In Südostasien feiert Thailand beachtliche Erfolge. Bei einer neunmonatigen Großoffensive gegen Online-Kriminalität setzte die Regierung auf KI-gestützte Überwachung und die grenzüberschreitende SHIELD-Datenbank zur Echtzeit-Erkennung. Das Ergebnis: 29.000 Verdächtige wurden festgenommen, Vermögenswerte in Höhe von 600 Millionen Euro beschlagnahmt.
Die Zahl der Online-Straftaten sank um 69 Prozent, die finanziellen Verluste gingen um 87 Prozent zurĂĽck. Ăśber 122.000 betrĂĽgerische Websites wurden vom Netz genommen.
Neue Gefahr: „Quishing“ – der QR-Code-Betrug
Europäische Behörden schlagen Alarm wegen einer neuen Betrugsmasche. Beim sogenannten „Quishing“ nutzen Kriminelle gefälschte QR-Codes, um an Bankdaten zu gelangen. In der Schweiz und Deutschland kleben Täter manipulierte Codes auf Parkautomaten und Postbenachrichtigungen.
Ein aktueller Fall aus Sankt Augustin zeigt die perfide Masche: Ein Anwohner verlor rund 1.500 Euro, nachdem er einen gefälschten QR-Code auf einem Verkaufsportal gescannt hatte. In der Schweizer Gemeinde Troinex warnten die Behörden vor gefälschten Paketbenachrichtigungen.
Als Reaktion führen Telekommunikationsanbieter wie Swisscom „Spam-Verdacht“-Hinweise bei eingehenden Anrufen ein. Das Schweizer Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit hat zudem ein spezielles „Kontroll-Kit“ für Gemeinden entwickelt – denn auch die Zahl gefälschter Arbeitserlaubnisse steigt rasant und erreichte 2025 fast 1.500 Fälle.
