OP-512: Chinesische Hackergruppe 75 Tage unentdeckt in Microsoft-Servern
08.06.2026 - 18:35:18 | boerse-global.de
Sicherheitsforscher haben eine bislang unbekannte chinesische Hackergruppe identifiziert, die gezielt Microsoft-Webserver angreift. Die als OP-512 bezeichnete Gruppierung setzt dabei auf eine hochentwickelte, kryptografisch geschützte Schadsoftware, die herkömmliche Erkennungsmechanismen umgeht.
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75 Tage unentdeckt im System
Die Angriffe wurden von den Sicherheitsexperten bei ReliaQuest aufgedeckt. Besonders brisant: Die Hacker blieben ganze 75 Tage lang unentdeckt in den kompromittierten Systemen. Ziel der Attacken waren veraltete Windows Server 2016-Umgebungen mit einer nicht mehr unterstützten Version von .NET Framework 4.0.
Es ist bereits der vierte bekannte Fall innerhalb eines Jahres, bei dem eine China-nahe Gruppe Microsofts Internet Information Services (IIS) ins Visier nimmt.
Tarnkappen-Methoden der Angreifer
Um unerkannt zu bleiben, setzte OP-512 auf mehrere ausgeklügelte Taktiken:
- Timestomping: Die Hacker manipulierten Datei-Metadaten, um Spuren zu verwischen
- Speicherbasierte Rechteausweitung: Kritische Aktionen fanden ausschließlich im Arbeitsspeicher des
w3wp.exe-Prozesses statt - Verschleierte Kommunikation: Die Verbindung zu den Kommando-Servern lief über hexadezimal segmentierte und codierte DNS-Anfragen – eine Methode, die traditionelle Netzwerküberwachung oft übersieht
Hochsichere Schadsoftware aus dem Baukasten
Das von OP-512 eingesetzte Web-Shell-Framework besteht aus drei Komponenten: einem Dateimanager (.aspx) und zwei kryptografischen Befehls-Handlern (.ashx). Jede einzelne Installation wird automatisch generiert – kein Exemplar gleicht dem anderen. Das macht signaturbasierte Erkennung nahezu unmöglich.
Besonders raffiniert: Der Zugriff auf die Schadsoftware ist durch mehrschichtige Verschlüsselung geschützt. Die Hacker implementierten ein Protokoll aus Base64-Codierung, RC4-Entschlüsselung und RSA-Signaturprüfung. Nur autorisierte Angreifer können die kompromittierten Server steuern.
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Größere Zusammenhänge
Die Sicherheitsforscher sehen taktische Überschneidungen zwischen OP-512 und einer weiteren bekannten Gruppe namens CL-STA-0048. Parallel dazu berichten Analysten von Proofpoint von einer anderen China-nahen Gruppierung, TA4922, die ihr Operationsgebiet von Asien auf Europa und Afrika ausweitet.
Hinzu kommt eine aktuelle Sicherheitslücke: Anfang Juni wurde eine DoS-Schwachstelle namens "HTTP/2 Bomb" bekannt, die verschiedene Webserver betrifft – darunter auch Microsoft IIS. Zwar stehen Patches bereit, doch die Kombination aus maßgeschneiderter Malware und Infrastruktur-Schwachstellen bleibt eine ernste Herausforderung für Unternehmen.
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