Open-Source-Bildungsplattform, Digitale SouverÀnitÀt

Open-Source-Plattform: Sechs LĂ€nder bĂŒndeln ihre Schul-IT

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz wollen Schulen eine gemeinsame Alternative zu proprietĂ€ren Diensten anbieten. Die Plattform soll Kommunikation, Dateiaustausch und Office-Anwendungen datenschutzkonform bĂŒndeln.

Sechs LĂ€nder bĂŒndeln ihre Schul-IT

  • Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz vereinbarten einen gemeinsamen Rahmenvertrag.
  • Nextcloud liefert die Softwarebasis, Ionos stellt die technische Infrastruktur bereit.
  • Die Beschaffung lĂ€uft ĂŒber Govdigital eG und erfordert deshalb keine erneuten Ausschreibungen der LĂ€nder.
Sechs BundeslÀnder starten eine gemeinsame Bildungsplattform, die ohne Technik von Microsoft oder Google auskommt. (Symbolbild) - Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Sechs LĂ€nder bĂŒndeln ihre Schul-IT

Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben sich auf einen Rahmenvertrag fĂŒr eine digital souverĂ€ne Open-Source-Bildungsplattform geeinigt. Die Lösung soll im Schulalltag weniger AbhĂ€ngigkeit von Microsoft und Google schaffen und basiert technisch auf Software von Nextcloud.

Nextcloud und Ionos bilden technische Basis

Der Berliner Hosting-Anbieter Ionos stellt die Infrastruktur bereit. Die Beschaffung lĂ€uft ĂŒber die Genossenschaft Govdigital eG, sodass die LĂ€nder die Plattform ohne erneute Ausschreibungsverfahren beziehen können.

Die Vereinbarung wurde am Rande des Digital-Gipfels der Bundesregierung in Berlin bekannt. Govdigital eG ist das zentrale KooperationsbĂŒndnis öffentlicher IT-Dienstleister in Deutschland.

Plattform soll viele Schulaufgaben abdecken

Das Angebot soll Dateiaustausch, Chat, Videokonferenzen, E-Mail, Kalender und Office-Anwendungen ermöglichen. Zugleich soll es die Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung erfĂŒllen und den Zugriff von US-Behörden auf Schuldaten erschweren, wie er etwa durch den US Cloud Act ermöglicht wird.

Nextcloud-GrĂŒnder und GeschĂ€ftsfĂŒhrer Frank Karlitschek bezeichnete die Vereinbarung als strategische Weichenstellung. «Wir brauchen europĂ€ische Champions, um digitale SouverĂ€nitĂ€t zu erreichen und den europĂ€ischen Softwaresektor zu stĂ€rken», sagte er der dpa.

Öffentliche Hand als Leitkunde

Karlitschek sieht den Staat als sogenannten Leuchtturm-Kunden, dessen Nachfrage europÀische Softwarelösungen stÀrken könne. «Wir benötigen auch keine Fördergelder, sondern einfach nur Leuchtturm-Kunden», sagte er.

Die Plattform soll langfristig nicht nur im Bildungsbereich eingesetzt werden, sondern als Modell fĂŒr den gesamten öffentlichen Dienst und die Privatwirtschaft dienen. Schleswig-Holstein nutzt bereits seit rund zwei Jahren eigenstĂ€ndig Nextcloud-Lösungen und ist deshalb nicht Teil des aktuellen Vergabepakets.

Die Vereinbarung der sechs LĂ€nder steht fĂŒr einen Ansatz, digitale Infrastruktur nicht jeweils einzeln, sondern gemeinsam zu beschaffen. Das kann Kosten und Verwaltungsaufwand senken und zugleich die Verhandlungsmacht der öffentlichen Hand gegenĂŒber großen Plattformanbietern erhöhen.

Open-Source-Software bedeutet dabei nicht, dass Schulen auf zentrale Funktionen verzichten mĂŒssen. Die geplante Plattform soll Kommunikation, Zusammenarbeit und BĂŒroanwendungen in einer Umgebung bĂŒndeln. Entscheidend wird sein, ob die LĂ€nder einen verlĂ€sslichen Betrieb, ausreichenden Support und eine einfache Nutzung fĂŒr LehrkrĂ€fte, SchĂŒlerinnen und SchĂŒler sicherstellen können.

Digitale SouverÀnitÀt als Beschaffungsfrage

Der Schritt fĂŒgt sich in die Debatte ĂŒber europĂ€ische digitale SouverĂ€nitĂ€t ein. Beim Digital-Gipfel wurde die AbhĂ€ngigkeit Europas von US-Technologie auch fĂŒr andere digitale SchlĂŒsselbereiche thematisiert. Offene Modelle und öffentliche Infrastruktur gelten dabei als Möglichkeit, sensible Daten stĂ€rker unter eigenen rechtlichen und technischen Bedingungen zu verarbeiten.

FĂŒr Schulen dĂŒrfte neben dem Datenschutz die Alltagstauglichkeit entscheidend sein. Ein Wechsel gelingt nur, wenn Dateien, Konten und ArbeitsablĂ€ufe zuverlĂ€ssig ĂŒbertragen werden und die Plattform mit vorhandenen Systemen zusammenspielt. Die gemeinsame Beschaffung kann dafĂŒr eine grĂ¶ĂŸere Nutzerbasis schaffen und das Angebot ĂŒber den Bildungsbereich hinaus anschlussfĂ€hig machen.

Schrittweise Umsetzung erwartet

Die sechs LĂ€nder erhalten ĂŒber den Rahmenvertrag die Möglichkeit, die Lösung ohne neue Ausschreibung zu beziehen. Das erleichtert den Einstieg, ersetzt aber nicht die Entscheidungen ĂŒber konkrete EinfĂŒhrung, Finanzierung und Betreuung vor Ort. Schleswig-Holstein dient mit seinem frĂŒheren Einsatz von Nextcloud als Beispiel dafĂŒr, dass solche Lösungen bereits in der öffentlichen Verwaltung erprobt werden.

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