OpenAI-Exodus: Chip-Chef Clive Chan wechselt zu Anthropic
09.06.2026 - 23:25:57 | boerse-global.de
Der KI-Konkurrenzkampf zwischen Anthropic und OpenAI eskaliert: Mit Clive Chan wechselt ein führender Hardware-Entwickler von OpenAI zum Rivalen. Der Schritt fällt in eine Phase, in der beide Unternehmen auf IPO-Kurs gehen und Milliarden für ihre Infrastruktur einsammeln.
Strategischer Wechsel im Hardware-Bereich
Clive Chan, der als zweiter Hardware-Spezialist überhaupt bei OpenAI eingestiegen war, wechselte Anfang Juni zu Anthropic. Rund zweieinhalb Jahre – seit Januar 2024 – hatte er bei OpenAI am hauseigenen Chip-Programm mitgearbeitet. Bei Anthropic soll er sich nun auf die Effizienz der KI-Hardware konzentrieren, insbesondere auf den Energieverbrauch der Systeme.
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Der Abgang ist kein Einzelfall. Mit Andrej Karpathy, Jan Leike und John Schulman haben in den vergangenen Monaten weitere prominente OpenAI-Mitarbeiter den Weg zum Konkurrenten gefunden. Anthropic profiliert sich dabei zunehmend als sicherheitsorientierte Alternative für Unternehmenskunden – und bedient bereits über 1.000 Großkunden mit Jahresausgaben von jeweils mehr als einer Million Euro.
Unterschiedliche Wege an die Börse
Die Personalie fällt in eine Zeit finanzieller Rekorde. Am 1. Juni 2026 schloss Anthropic eine Series-H-Finanzierungsrunde über umgerechnet rund 60 Milliarden Euro ab – die Bewertung des Unternehmens kletterte damit auf knapp 900 Milliarden Euro. Kurz darauf reichte Anthropic die Unterlagen für den Börsengang ein.
OpenAI zog am 8. Juni mit einem eigenen, vertraulichen IPO-Antrag nach. Zwar hat OpenAI mit über 900 Millionen wöchentlich aktiven Nutzern die größere Nutzerbasis, doch die jüngste Bewertung von rund 795 Milliarden Euro bleibt hinter den fast einer Billion Euro von Anthropic zurück. Die Prognosen für 2026 sprechen eine deutliche Sprache: Anthropic könnte auf umgerechnet 44 Milliarden Euro Umsatz kommen, OpenAI auf 28 Milliarden. Analysten rechnen zudem nicht vor 2030 mit schwarzen Zahlen bei OpenAI.
Gigantische Investitionen in Infrastruktur und Robotik
Beide Unternehmen rüsten massiv auf. OpenAI arbeitet seit Oktober 2025 mit Broadcom an einem KI-Beschleunigersystem im Zehn-Gigawatt-Maßstab – die ersten Hardware-Racks sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 ausgeliefert werden. Parallel dazu gab OpenAI am 1. Juni den Einstieg in die Robotik bekannt und startete eine Rekrutierungswelle für Hardware- und Machine-Learning-Ingenieure.
Anthropic sichert sich ebenfalls enorme Rechenkapazitäten: Eine neue, 33 Milliarden Euro schwere Infrastruktur-Plattform von Broadcom in Partnerschaft mit Apollo und Blackstone soll bis 2028 über 20 Gigawatt Rechenleistung bereitstellen. Die erste Ausbaustufe mit mehr als einem Gigawatt steht ab Mitte 2026 zur Verfügung.
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Regulierungsdruck wächst
Mit der Größe steigt auch die Aufmerksamkeit der Politik. Vertreter beider Unternehmen trafen sich kürzlich hinter verschlossenen Türen mit dem US-Repräsentantenhaus-Ausschuss für Innere Sicherheit. Thema: die Cybersicherheitsrisiken neuer KI-Modelle – und deren Potenzial, kritische Infrastrukturen zu schützen oder anzugreifen.
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