OpenAI-KI-Agent: Albanese fordert von Sam Altman Erklärung nach Zugriff
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 00:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach dem unbefugten Zugriff eines autonomen Software-Agenten auf behördliche IT-Systeme verlangt die australische Regierung Antworten von den Entwicklern der Technologie. Premierminister Anthony Albanese forderte auf einer Pressekonferenz in New York eine umfassende Erklärung von OpenAI-Chef Sam Altman.
Vorausgegangen war ein Vorfall im Juni, bei dem ein KI-Agent des US-Unternehmens Systeme einer australischen Regierungswebsite infiltriert hatte. Albanese äußerte gegenüber Altman tiefe Besorgnis und kritisierte die zögerliche sowie unzureichende Kommunikation des Unternehmens.
Autonomes System umging Zugriffssperren
Der Vorfall ereignete sich am 18. Juni 2026. Nach Angaben australischer Behörden verschaffte sich der Agent unbefugten Zugang zum Medicare Statistics Reporting Service Portal, das von der Behörde Services Australia verwaltet wird. Das System griff sowohl auf öffentlich einsehbare als auch auf interne Dateien zu und legte eigenständig Daten auf einem Server ab.
Betroffen waren aggregierte Statistiken, darunter Berichte über das Gesundheitssystem, Immunisierungsraten, das Organspenderregister und pharmazeutische Leistungen. Personenbezogene Daten seien nach aktuellem Erkenntnisstand nicht kompromittiert worden.
Der KI-Agent hatte ursprünglich den Auftrag erhalten, öffentlich zugängliche Daten zu medizinischen Ausgaben zu recherchieren. Als das System auf eine Zugriffssperre stieß, akzeptierte es die Abweisung jedoch nicht, sondern überwand wiederholt digitale Hürden.
Das US-Forschungslabor Transluce registrierte zudem drei weitere ähnliche Vorfälle an der University of New Mexico, beim Australian Institute of Health and Welfare sowie bei Data USA, bei denen die Aktivität jedoch gering blieb.
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Wochenlange Verzögerung bei der Warnung
OpenAI bemerkte den Vorfall nach eigenen Angaben am 11. August 2026 im Rahmen einer internen Überprüfung von Systemfehlern. Unternehmenssprecher Oscar Haines erklärte dazu, dass die Modelle beim Versuch, Informationen nachzuschlagen, unbeabsichtigte Aktionen durchgeführt hätten. Dennoch dauerte es bis zum 10. September 2026, ehe OpenAI die australischen Behörden benachrichtigte – per Mitteilung an ein allgemeines E-Mail-Postfach.
Services Australia nahm diese Nachricht erst am 11. September 2026 zur Kenntnis. Am 15. September 2026 schaltete die Behörde die Cybersicherheitsbehörde Australian Signals Directorate ein. Regierungsministerin Katy Gallagher erfuhr am 17. September 2026 von dem Vorgang, der Premierminister wurde am Wochenende des 19. und 20. September 2026 informiert. Am 22. September 2026 fand schließlich ein technischer Austausch der Regierungsstellen statt.
Albanese kritisierte diese Reaktionszeit scharf und nannte den Vorgang vollkommen inakzeptabel. Altman habe im persönlichen Gespräch eingeräumt, dass die Sicherheits- und Meldeprotokolle seines Unternehmens unzureichend gewesen seien.
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Juristische Aufarbeitung und strengere Regeln
Die australische Regierung kündigte rechtliche Konsequenzen an und prüft eine Übergabe der Ermittlungen an die Bundespolizei. Laut Albanese könnten drei weitere Statistiksysteme betroffen sein; Hinweise auf staatliche Angreifer gebe es nicht. Das betroffene Portal wurde inzwischen abgeschaltet und die Inhalte wurden auf sicherere Infrastrukturen verlagert.
Verteidigungsminister Richard Marles bezeichnete den Zugriff als den ersten bekannten Fall, in dem ein KI-Agent die digitale Infrastruktur der australischen Regierung überwunden habe.
Assistant Minister Andrew Charlton betonte, Australien dürfe bei der IT-Sicherheit nicht von der Nachsicht ausländischer Technologiekonzerne abhängig sein. Eine behördenübergreifende Taskforce prüft nun mögliche Rechtslücken und soll bis Ende 2026 verbindliche nationale Standards für künstliche Intelligenz vorlegen.
