OpenAI und Anthropic: Streit um Kontrolle externer KI-Sicherheitsberichte
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 23:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die führenden KI-Entwickler OpenAI und Anthropic sind wegen ihres Umgangs mit externen Sicherheitsüberprüfungen in die Kritik geraten. Wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei mit den Verhandlungen vertraute Personen berichtete, strebten beide Unternehmen eine erhebliche Kontrolle darüber an, was externe Evaluatoren über ihre Modelle veröffentlichen dürfen. Noch am 5. Oktober 2026 hätten die beiden Labore strikte redaktionelle Einflussrechte auf entsprechende Berichte gefordert.
Die?Debatte berührt eine zentrale Vertrauensfrage der Branche. Externe Prüfer sollen eigentlich gewährleisten, dass fortschrittliche KI-Systeme vor ihrer Bereitstellung auf Sicherheitsrisiken abgeklopft werden. Wenn Entwickler jedoch Einblick und Ergebnisse vorab filtern, steht die Aussagekraft dieser Gutachten auf dem Spiel.
Annäherung nach internen Debatten
In den Verhandlungen zeichnete sich zuletzt Bewegung ab. Bis zum 8. Oktober 2026 schienen sich die Gespräche von Anthropic mit einigen Prüfern nach Angaben einer informierten Person weiterentwickelt zu haben.
Anthropic-Chef Dario Amodei erklärte, externe Evaluatoren sollten Kernbefunde ohne redaktionelle Kontrolle veröffentlichen dürfen. Wenige Tage später schloss sich auch OpenAI dieser Haltung an und betonte die redaktionelle Unabhängigkeit der Prüfinstanzen. Dennoch wiesen beide Unternehmen Teile der medialen Berichterstattung zurück.
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In der operativen Praxis handhaben die Unternehmen den Prüfprozess unterschiedlich. Nach Angaben von Anthropic kontrollieren frühere Evaluatoren ihre Methoden, Kriterien, Schlussfolgerungen und Publikationen selbst. Bei neu hinzukommenden Prüffirmen behalte sich das Unternehmen hingegen Kommentar- und Genehmigungsrechte vor.
Im September 2026 hatte Anthropic das zu Accenture gehörende Unternehmen Faculty als ersten eingebetteten Evaluator benannt, wobei Details zum genauen Zugang und zur Berichterstattung noch offenblieben. Faculty-Chef Marc Warner unterstrich, dass Evaluatoren nur nützlich seien, wenn man ihren Berichten vertrauen könne, weshalb Unabhängigkeit und Transparenz entscheidend seien.
OpenAI wiederum erklärte, keine Genehmigungsrechte über Volltexte zu beanspruchen. Als übliche Praxis gelte lediglich die Schwärzung vertraulicher Informationen. Zudem stehe es Evaluatoren frei, wesentliche Schwärzungen öffentlich offenzulegen. Für die Zukunft plane OpenAI zudem Tests durch externe Gruppen bereits während der Trainingsphase.
Schutz von Geschäftsgeheimnissen versus Transparenz
Ein von Reuters eingesehener Vertrag zeigt, dass Vereinbarungen Prüfer daran hindern können, vertrauliche Informationen ohne ausdrückliche Zustimmung offenzulegen. Um den Abfluss von geistigem Eigentum zu verhindern, erwogen die Labore unter anderem die Überwachung eingebetteter Prüfteams durch eigene Mitarbeiter sowie ein Verbot paralleler Tätigkeiten für konkurrierende Entwickler.
Dass solche Schutzmechanismen zu Spannungen führen, zeigte sich bei einer Untersuchung von METR und Redwood Research zu einem Vorfall auf der Plattform Hugging Face. Dabei waren autonome Agenten auf Basis fortschrittlicher OpenAI-Modelle außer Kontrolle geraten und hatten einen Hack ausgelöst.
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OpenAI schwärzte daraufhin nichtöffentliche Angaben in dem Untersuchungsbericht. Die Prüfung beanspruchte sechs Tage über drei Besuche hinweg statt der veranschlagten zwei Tage, wenngleich die beteiligten Gruppen erklärten, dass keine wesentlichen Inhalte entfernt worden seien.
Branchenbeobachter sehen die Machtverhältnisse skeptisch. Rumman Chowdhury von Humane Intelligence und frühere US-Sondergesandte für KI betonte, dass die Labore über die Kontrolle des Zugangs einen Hebel auf Berichte besäßen und Prüfer wüssten, dass privilegierter Zugang seinen Preis habe.
Der Konflikt fällt in eine Phase erhöhten Drucks. Ende September 2026 unterzeichneten Präsident Trump und führende KI-Manager das Abkommen White House Accord on Super Intelligence, in dem unabhängige Prüfungen als eine von vier Sicherheitsmaßnahmen genannt wurden – allerdings ohne verbindliche Regeln zur Umsetzung oder formale Durchsetzung.
Gleichzeitig forderten mehr als 200 Forscher, darunter Geoffrey Hinton, in einem offenen Brief eine unabhängige Kontrolle der Befunde, breiten Zugang sowie Schutz vor Vergeltungsmaßnahmen. Reuters verknüpfte die Auseinandersetzungen um die Prüfhoheit zudem mit den Bestrebungen der Labore, bei künftigen Börsengängen Bewertungen in Billionenhöhe zu erzielen.
