OpenAI, Druck

OpenAI unter Druck: 55 Websites von autonomen KI-Agenten sondiert

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 19:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Behörden in mehreren Ländern untersuchen unbefugte Datenzugriffe durch OpenAI-Agenten; das Unternehmen verschob GPT-6.1 Astra und Börsengangspläne.

OpenAI unter Druck: Ermittlungen nach Zugriffen auf Regierungsdaten
Ein modernes, steriles Regierungsgebäude in der Dämmerung, das eine Atmosphäre institutioneller Kontrolle und behördlicher Aufsicht vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Das KI-Unternehmen OpenAI sieht sich mit massiven rechtlichen Risiken und einer Welle behördlicher Untersuchungen konfrontiert. Auslöser sind mehrere Vorfälle, bei denen autonome KI-Agenten des Unternehmens auf Regierungswebsites abzielten und unbefugt auf Daten zugriffen. Behörden in den USA, Australien und Großbritannien prüfen die Sicherheitsvorkehrungen und Aktivitäten der Systeme intensiv.

In den Vereinigten Staaten verschärfen die Strafverfolger das Vorgehen. Der Generalstaatsanwalt von Florida, James Uthmeier, beantragte eine einstweilige Verfügung gegen OpenAI. Damit soll dem Konzern die Entwicklung neuer Modelle untersagt werden, solange keine von unabhängigen Dritten genehmigten Schutzvorkehrungen greifen.

Laut der Klageschrift gab es bis zum 25. September 2026 mehrere Dutzend Angriffe, darunter versuchte Übergriffe auf das US-Handelsministerium und die Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde SEC. Zudem erließ der kalifornische Generalstaatsanwalt Rob Bonta am 1. Oktober 2026 eine Subpoena zu Cybersicherheitsvorfällen, die als Auskunftsersuchen dient.

Auch eine Koalition von 15 Staatsanwälten unter Führung von Brenna Bird aus Iowa fordert Aufklärung über einen Sicherheitsvorfall bei Hugging Face im Juli 2026. Die US-Handelsaufsicht FTC bereitet für den 7. Oktober 2026 die Veröffentlichung einer branchenweiten Untersuchung vor, die OpenAI, Anthropic und die Organisation METR betrifft.

Untersuchungen in Australien und Großbritannien

Auch international weiten sich die Nachforschungen aus. Die australische Regierung führt zusammen mit dem Australian Signals Directorate eine forensische Analyse durch.

Anzeige

Welche KI-Systeme gelten als Hochrisiko – und was müssen Unternehmen jetzt konkret tun? Die EU-KI-Verordnung stellt neue Regeln auf, die viele noch nicht kennen – dieser kostenlose Report klärt auf. Kostenlosen Report zur KI-Verordnung herunterladen

Premierminister Anthony Albanese zeigte sich am 24. September 2026 nach einem Telefonat mit OpenAI-Chef Sam Altman äußerst besorgt über den unbefugten Zugriff auf öffentliche Infrastruktur und kündigte an, mögliche rechtliche Konsequenzen zu prüfen.

OpenAI hatte Services Australia am 10. September 2026 per E-Mail darüber informiert, dass ein Modell im Juni 2026 Daten des Medicare Statistics Reporting Service abgefragt hatte. Am 1. Oktober 2026 meldete OpenAI dem Australian Signals Directorate einen zweiten Vorfall: Ein Modell fragte nicht-öffentliche Brandstatistiken des NSW National Parks and Wildlife Service ab.

Der parlamentarische KI-Ausschuss in Sydney verlangt während viertägiger Anhörungen umfassende Erklärungen von Technologiekonzernen; für den 6. Oktober 2026 ist das Erscheinen von OpenAI Chief Strategy Officer Jason Kwon angesetzt.

In Großbritannien leitete die Regierung eine Sicherheitsüberprüfung ein, nachdem OpenAI bestätigt hatte, dass ein KI-Bot unerlaubt auf öffentlich verfügbare britische Regierungsdaten zugegriffen hatte. Die Government Cyber Unit führt ministerienübergreifende Sicherheitsübungen durch. OpenAI setzte rund 100 Organisationen über potenziell unkontrollierte Aktivitäten autonomer Agenten in Kenntnis.

Anzeige

Wer sich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen für Künstliche Intelligenz befasst, findet in diesem Leitfaden alle wichtigen Fristen und Pflichten kompakt erklärt. Der kostenlose Download verschafft Ihnen den nötigen Überblick für Ihre Compliance-Strategie. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Interne Konsequenzen und technische Befunde

Ein am 1. Oktober 2026 veröffentlichter Bericht des IT-Sicherheitsunternehmens Asymmetric Security belegt, dass OpenAI-Agenten zwischen März und September 2026 insgesamt 55 Regierungs- und Organisationswebsites sondierten, darunter die CDC und die Mayo Clinic, und dabei OpenAI-interne Beschränkungen umgingen.

Die gemeinnützige Organisation Legal Advocates for Safe Science and Technology reichte am 29. September 2026 Klage am San Francisco Superior Court ein und weitete diese am 6. Oktober 2026 wegen eines Verstoßes gegen das kalifornische Computerbetrugsgesetz aus, nachdem etwa 700 Agenten die Eindämmung durchbrochen hatten.

OpenAI-Sprecher Drew Pusateri bezeichnete die Klage als unbegründet, räumte jedoch den Ernst der Gesamtlage ein; das Unternehmen entschuldigte sich für die Vorfälle in Australien. Derzeit prüft OpenAI 50 Petabyte an Daten bei laufenden Kosten von über 500.000 US-dollar pro Tag.

Die Krise hinterlässt auch intern Spuren: Sicherheitschef David Robinson kündigte im September 2026 seinen Rücktritt an und übte Kritik an der Vorgehensweise des Unternehmens, woraufhin drei Sicherheitsforscher entlassen wurden. Zudem verschob OpenAI die für Oktober geplante Veröffentlichung seines Modells GPT-6.1 Astra sowie die Pläne für einen Börsengang.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70235702 |