OpenDesk, ArbeitsplÀtze

OpenDesk: 200.000 ArbeitsplÀtze verkauft, ZenDiS baut Vertrieb um

Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 01:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach 200.000 verkauften Arbeitsplatzlizenzen baut ZenDiS auf externe Vertriebspartner; sechs Softwarehersteller grĂŒnden eine eigene Vermarktungsfirma.
Ein minimalistisches, modernes BĂŒro-Interieur mit klaren Linien, neutralen Farben und natĂŒrlichem Tageslicht ohne Personen. Illustration mit AI erstellt.

Die Nachfrage nach der quelloffenen BĂŒrosoftware OpenDesk ĂŒbersteigt die KapazitĂ€ten des bundeseigenen Anbieters deutlich. Wie Berichte von Mitte Oktober 2026 aufzeigen, sieht sich das Zentrum fĂŒr Digitale SouverĂ€nitĂ€t der Öffentlichen Verwaltung (ZenDiS) gezwungen, seine bisherigen Vertriebswege grundlegend neu zu strukturieren.

Laut Co-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Leonhard Kugler musste das Zentrum im vergangenen Jahr einen Großteil der eingehenden Anfragen ablehnen, da die personellen Ressourcen fĂŒr eine direkte Betreuung nicht mehr ausreichten.

Nachdem Lizenzen fĂŒr 200.000 ArbeitsplĂ€tze verkauft worden waren, konnten weitere AbschlĂŒsse ĂŒber die bisherige Struktur nicht mehr abgewickelt werden. Das Projekt, das als europĂ€ische Antwort auf proprietĂ€re US-Lösungen konzipiert wurde, wechselt daher von einem zentralen Vertriebsmodell zu einer breiter angelegten Marktstrategie.

Vom Direktvertrieb zum Partnernetzwerk

Infolge der anhaltenden Überlastung wurde der bisherige Direktvertrieb am Standort Bochum aufgegeben. An dessen Stelle trat ein Partnerprogramm, das Ende September aufgelegt wurde. Über dieses Modell sollen externe Dienstleister kĂŒnftig die Vermarktung, EinfĂŒhrung sowie Wartung der Arbeitsplatz-Suite ĂŒbernehmen.

Zu den bereits aktiven Vertriebspartnern zĂ€hlen Unternehmen wie B1 Systems, Dachs IT und Schwarz Digits. Weitere BranchengrĂ¶ĂŸen wie die Deutsche Telekom, Ionos und Bechtle sollen sich nach den bisherigen Planungen anschließen. Weitere Dienstleister, die an einer Teilnahme am Partnerprogramm interessiert sind, können sich bis zum 31. Januar 2027 bewerben.

Ursachen fĂŒr den Nachfrageanstieg

Ein wesentlicher Auslöser fĂŒr das sprunghaft gestiegene Interesse an der Plattform liegt in geopolitischen Entwicklungen. Nachdem US-Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag verhĂ€ngt worden waren, konnte das Gericht Microsoft Office nicht mehr nutzen und wechselte im Herbst 2025 zu OpenDesk.

Anzeige

Wer sich mit dem Wechsel zu quelloffenen Systemen befasst, findet in diesem Startpaket eine vollwertige und kostenfreie BĂŒro-Lösung. Erfahren Sie, wie Sie alle wichtigen Office-Funktionen ohne LizenzgebĂŒhren nutzen können. Gratis OpenOffice Startpaket jetzt herunterladen

Dieser Schritt verdeutlichte vielen Institutionen die potenziellen Risiken einer einseitigen AbhĂ€ngigkeit von auslĂ€ndischen Softwareanbietern. Nach EinschĂ€tzung von Thilo Zelt von Capgemini Invent gewinnt die digitale SouverĂ€nitĂ€t als Beschaffungskriterium zunehmend an Gewicht, wĂ€hrend die reine AbwĂ€gung zwischen Leistung und Kosten bei der digitalen Beschaffung weiter in den Hintergrund rĂŒckt.

Technische Zusammensetzung und Bereitstellung

OpenDesk fungiert als integrierte Plattform, die Lösungen von acht europĂ€ischen Software-Unternehmen zusammenfĂŒhrt. Das Paket deckt Kernfunktionen wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, E-Mail, Kalender, Chat, Videokonferenzen und Onlinespeicher ab.

Zielgruppe der Software sind primĂ€r Behörden und Unternehmen mit eigener Server-Infrastruktur. Neben einer kostenlosen Community Edition fĂŒr den Selbstbetrieb, die auch von Privatanwendern gehostet werden kann, existiert eine Enterprise Edition mit Support fĂŒr Organisationen.

Parallel dazu entstehen neue Bereitstellungswege fĂŒr den Cloud-Einsatz. STACKIT, der Cloud-Anbieter der Sparte Schwarz Digits, beabsichtigt, OpenDesk als Cloud-Dienst aus europĂ€ischen Rechenzentren anzubieten. Nach ersten Pilotangeboten ist der regulĂ€re Betrieb fĂŒr Anfang 2027 geplant.

Anzeige

Der Umstieg auf freie Software-Alternativen schont das Budget und erhöht die digitale UnabhĂ€ngigkeit auf beliebig vielen Rechnern. Dieses kostenlose Paket zeigt Ihnen Schritt fĂŒr Schritt, wie Sie Word, Excel und Co. ohne einen Cent zu zahlen ersetzen. Kostenloses LibreOffice Startpaket sichern

Innerhalb der Schwarz-Gruppe selbst kommt das Softwarepaket bislang lediglich als Notfalllösung zum Einsatz. Zudem befinden sich neue Funktionen in Vorbereitung; so wurde auf der Smart Country Convention in Berlin bereits der Prototyp eines KI-Chats vorgestellt.

Eigene Allianz der Komponentenhersteller

Flankierend zur Neuausrichtung von ZenDiS formieren sich auch die Entwickler der Softwarebausteine neu. Sechs Hersteller der in OpenDesk integrierten Komponenten – Collabora Productivity, Element, Nordeck IT + Consulting, Open-Xchange, Univention und XWiki – haben unter der Leitung von GeschĂ€ftsfĂŒhrer Gerald Pfeifer die Open Productivity Software GmbH gegrĂŒndet.

Dieses Vertriebs- und Vermarktungs-Joint-Venture soll die Software gezielt in der Privatwirtschaft und bei Betreibern kritischer Infrastrukturen etablieren. Das Gemeinschaftsunternehmen versteht sich als ErgÀnzung zu den staatlichen AktivitÀten von ZenDiS und zielt insbesondere auf internationale MÀrkte ab.

Zu den ersten Kooperationspartnern der neuen Vertriebsgesellschaft gehören Unternehmen wie Adfinis aus der Schweiz, die MSG-Gruppe sowie der französische IT-Dienstleister Smile.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70378763 |