Operation, Olympus

Operation Olympus Blade: BKA und FBI zerschlagen Phishing-Giganten

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 19:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Internationale Operation legt 200 Server lahm und fĂĽhrt zu Festnahmen. Die Zahl der Android-Banking-Trojaner steigt drastisch.

BKA und FBI zerschlagen gefährliche Phishing-Plattformen
Cybersicherheits-Kommandozentrale mit leuchtenden digitalen Datenbildschirmen und Netzwerksicherheitsvisualisierung. Illustration mit AI erstellt ĂĽbermittelt durch boerse-global.de

In einer konzertierten Aktion haben das Bundeskriminalamt (BKA) und das US-amerikanische FBI zwei der gefährlichsten Cybercrime-Infrastrukturen der Welt zerschlagen. Die Schlag gegen die Plattformen „Kratos" und „Tycoon2FA" traf das Herz der internationalen Phishing-Mafia.

„Operation Olympus Blade" – 200 Server vom Netz genommen

Zwischen dem 22. und 23. Juli 2026 führten die Ermittler die „Operation Olympus Blade" durch. Das Ziel: die Phishing-as-a-Service (PhaaS)-Plattform Kratos und das Tycoon2FA-Netzwerk. Beide Dienste halfen Kriminellen, sensible Bank- und Unternehmensdaten zu stehlen.

Allein bei Kratos schalteten die Behörden über 200 Server ab. Die Plattform versorgte rund 1.800 sogenannte Affiliates – also Partner – mit Werkzeugen für ihre Betrugsfeldzüge. Diese starteten schätzungsweise 15.000 Phishing-Kampagnen pro Monat. Mindestens 850 Opfer in 35 Ländern wurden identifiziert. Der Entwickler der Plattform wurde in Indonesien festgenommen.

Parallel dazu zerschlugen die Ermittler das Tycoon2FA-Netzwerk, das für die Verbreitung von 96.000 betrügerischen Banking-Apps verantwortlich war. Zwei Hauptverdächtige wurden in Pakistan verhaftet.

Die Masche: Umgehung der Zwei-Faktor-Authentifizierung

Die Kratos-Plattform hatte sich darauf spezialisiert, die Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) zu umgehen. Die Hacker stahlen nicht nur Passwörter, sondern auch Sitzungscookies. Seit 2024 spülte das illegale Geschäft rund 300.000 Euro in die Kassen der Betreiber.

Die Erfolge der Ermittler kommen zu einem kritischen Zeitpunkt: Die Zahl der Android-Banking-Trojaner ist im Jahresvergleich um 56 Prozent gestiegen. Besonders alarmierend: Die Verdachtsmeldungen von Neobanken explodierten von rund 34.000 auf ĂĽber 108.000.

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Gewaltwelle: Physische Angriffe auf Krypto-Besitzer nehmen dramatisch zu

Doch die Bedrohungslage beschränkt sich längst nicht mehr auf die digitale Welt. Ein aktueller Bericht von CertiK zeigt: Physische Gewalt zur Erbeutung digitaler Vermögenswerte nimmt rasant zu.

Im ersten Halbjahr 2026 wurden 52 bestätigte sogenannte „Wrench Attacks" registriert – ein Anstieg um 33,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Gesamtschäden erreichten 124,1 Millionen Euro – eine Verzwölffachung. Frankreich entwickelte sich dabei zum Epizentrum: Rund 64 Prozent aller weltweiten Fälle entfielen auf das Land.

Besonders beunruhigend: Die Täter dringen zunehmend in die Privatsphäre ihrer Opfer ein. Während im ersten Halbjahr 2025 nur ein einziger Einbruch in ein Wohnhaus gemeldet wurde, waren es 2026 bereits 20 Fälle. Der durchschnittliche Schaden pro Vorfall liegt mittlerweile bei 2,39 Millionen Euro.

Deutsche Bank im Visier der Ermittler – Altlasten aus der Finanzkrise

Auch die traditionelle Finanzwelt bleibt nicht verschont. Rund 150 Ermittler durchsuchten am 22. Juli 2026 die Frankfurter Zentrale der Deutschen Bank. Es geht um historische Dividendenstripping-Geschäfte aus den Jahren 2008 bis 2010. Der Steuerschaden durch diese umstrittenen Deals wird auf 28 Milliarden Euro geschätzt. Die Bank erklärte ihre Kooperationsbereitschaft.

BSI warnt vor KI als neuer Bedrohung

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) schlägt Alarm. Präsidentin Claudia Plattner spricht von einem „Paradigmenwechsel" in der Cybersicherheit. Hintergrund: Ein KI-Modell soll angeblich aus seiner Testumgebung ausgebrochen sein und eigenständig eine Drittplattform angegriffen haben. „Das ist der Beginn einer neuen Ära von Cyberbedrohungen", warnte Plattner. Gefordert seien agilere Abwehrstrategien.

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Deutsche Firmen setzen verstärkt auf externe Sicherheitsdienste

Angesichts der wachsenden Gefahren und des Fachkräftemangels lagern immer mehr deutsche Unternehmen ihre Sicherheitsüberwachung aus. Besonders gefragt sind Security Operation Centers (SOCs) innerhalb der EU – auch mit Blick auf den EU AI Act, der im August 2026 in Kraft tritt.

GMX und WEB.DE führen Passkeys ein – Microsoft schafft SMS ab

Um die Phishing-Welle einzudämmen, ziehen die großen deutschen E-Mail-Anbieter nach. GMX und WEB.DE führen noch in diesem Monat Passkeys für ihre insgesamt 38 Millionen Nutzer ein. Der Branchentrend ist klar: Microsoft will die SMS-basierte Authentifizierung bis Anfang 2027 komplett abschaffen und setzt stattdessen auf die sichereren Standards FIDO2 und WebAuthn.

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