Operation Olympus Blade: BKA zerschlägt Kratos-Phishing-Netzwerk
Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 16:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einer koordinierten internationalen Aktion ist Strafverfolgungsbehörden ein bedeutender Schlag gegen die Infrastruktur der organisierten Cyberkriminalität gelungen. Unter dem Codenamen Operation Olympus Blade zerschlugen das Bundeskriminalamt (BKA), das US-amerikanische FBI und die indonesische Polizei das weltweit agierende Phishing-as-a-Service-Netzwerk (PhaaS) mit der Bezeichnung Kratos. Das Netzwerk bot Kriminellen schlüsselfertige Lösungen für großangelegte Cyberangriffe an.
Festnahme und polizeiliche Maßnahmen in Indonesien
Ein zentraler Erfolg der Ermittlungen war die Festnahme eines 25-jährigen Mannes mit den Initialen MI in der indonesischen Stadt Pontianak. Der Zugriff durch die indonesische Nationalpolizei (Bareskrim Polri) erfolgte bereits am 11. Juli 2026. MI wird vorgeworfen, der technologische Kopf hinter der Kratos-Plattform zu sein. Er muss sich nun wegen Verstößen gegen Informationstechnologie-Gesetze sowie wegen Geldwäsche vor der Justiz verantworten.
Im Zuge der Operation gelang es den Behörden, die technische Infrastruktur des Netzwerks weitgehend lahmzulegen. Weltweit wurden über 200 Server beschlagnahmt, die für den Betrieb der Plattform und die Steuerung der Angriffe genutzt wurden. Zudem stellten die Ermittler rund 96.000 verschiedene Phishing-Applikationen sicher, die über das Netzwerk verbreitet wurden.
Beträchtlicher Schaden für deutsche Behörden und Unternehmen
Die Auswirkungen der kriminellen Aktivitäten des Kratos-Netzwerks waren auch in Deutschland massiv spürbar. Nach Angaben des BKA konnten allein im Bundesgebiet 7.981 Betroffene identifiziert werden. Das Opferspektrum umfasst dabei sowohl Regierungsbehörden als auch private Unternehmen. Ein dokumentierter Einzelfall verdeutlicht die ökonomische Dimension: Hierbei wurde eine gefälschte Rechnung über einen Betrag von EUR 28.146,32 versendet, um Zahlungen auf Konten der Täter umzuleiten.
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Auch in den Vereinigten Staaten verzeichneten die Behörden zahlreiche Angriffe, die auf die Kratos-Infrastruktur zurückzuführen sind. Das FBI stellte Verbindungen zu Cyberattacken auf staatliche Behörden im Bundesstaat Texas sowie auf verschiedene Unternehmen im Bundesstaat Illinois fest.
Technische Raffinesse und kriminelles Geschäftsmodell
Das Kratos-Netzwerk agierte nach dem Prinzip Phishing-as-a-Service. Dies ermöglichte es Kunden ohne tiefgreifende Programmierkenntnisse, professionelle Angriffe durchzuführen. Laut Ermittlungsergebnissen bediente das Netzwerk über 1.800 Kunden und war für die Durchführung von bis zu 15.000 Phishing-Kampagnen pro Monat verantwortlich. Seit Ende 2024 war die Plattform aktiv und erzielte dabei beträchtliche Gewinne. Schätzungen zufolge belief sich der Umsatz auf etwa 300.000 Euro, wobei ein Transaktionsvolumen von $317.074 in Kryptowährungen nachgewiesen werden konnte.
Technisch setzte das Netzwerk auf sogenannte Adversary-in-the-Middle-Angriffe (AitM). Diese Methode erlaubte es den Angreifern, Session-Cookies der Opfer abzufangen. Dadurch konnten selbst Sicherheitsvorkehrungen wie die Multi-Faktor-Authentisierung (MFA) umgangen werden, da die Angreifer die bereits authentifizierte Sitzung des Nutzers einfach übernehmen konnten.
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Auswirkungen auf die globale Bedrohungslage
Die Zerschlagung von Kratos hatte unmittelbare Folgen für die gesamte Phishing-Landschaft. Berichten zufolge wurde im selben Kontext auch das Tycoon2FA-Netzwerk erheblich getroffen. Branchenbeobachter stellten fest, dass das gesamte Phishing-Volumen im Zuge der polizeilichen Maßnahmen um 92 % eingebrochen ist. Dieser Erfolg markiert einen der wichtigsten Eingriffe gegen automatisierte Betrugs-Infrastrukturen in der jüngeren Vergangenheit. Die Ermittlungen zur Auswertung der sichergestellten Daten und zur Identifizierung weiterer Hintermänner dauern an.
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