Opioid-Therapie, Patient

Opioid-Therapie: Jeder vierte Patient ohne leitliniengerechte Diagnose

28.05.2026 - 20:40:26 | boerse-global.de

Der DBfK verlangt verbindliche Standards fĂŒr Schmerzmanagement. Eine Studie zeigt zudem hĂ€ufige Leitlinienabweichungen bei Opioid-Verordnungen.

Opioid-Therapie: Jeder vierte Patient ohne leitliniengerechte Diagnose - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Opioid-Therapie: Jeder vierte Patient ohne leitliniengerechte Diagnose - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Der Deutsche Berufsverband fĂŒr Pflegeberufe (DBfK) hat Ende Mai 2026 klargestellt: Schmerzmanagement ist kein optionales Extra, sondern Kernaufgabe moderner Gesundheitsversorgung. DBfK-PrĂ€sidentin Vera Lux fordert den verbindlichen Einsatz speziell qualifizierter PflegekrĂ€fte in allen Versorgungsbereichen. Die Positionierung, gemeinsam mit der Deutschen Schmerzgesellschaft erarbeitet, zielt auf die Anerkennung pflegerischer EigenstĂ€ndigkeit in der Schmerzbehandlung.

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Ausbildung auf europÀisches Niveau heben

Im Zentrum der Forderungen steht die bundesweite Vereinheitlichung der Weiterbildung. Der Verband schlĂ€gt vor, diese auf Stufe 5 des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) zu verankern – langfristig sogar auf Stufe 7, um europĂ€ischen Standards zu entsprechen. Das soll die VersorgungsqualitĂ€t und Patientensicherheit stĂ€rken, insbesondere mit Blick auf den Aktionstag gegen den Schmerz am 2. Juni 2026.

Jeder vierte Patient erhÀlt Opioide ohne klare Diagnose

Die Praxis sieht oft anders aus. Eine Ende Mai 2026 veröffentlichte Studie des OP-US-Projekts zeigt: Die aktuelle Schmerzbehandlung weicht nicht selten von medizinischen Leitlinien ab. Forscher analysierten Daten von rund 113.000 DAK-Versicherten. Ergebnis: Ein Viertel der Patienten mit langfristiger Opioid-Therapie hatte keine Diagnose, die eine solche Behandlung laut Leitlinie rechtfertigt.

Das Projekt wertete zudem Befragungen von 661 Patienten mit RĂŒckenschmerzen oder Arthrose sowie 422 Behandlern aus. Daraus entstanden 28 Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Versorgung. Sie liegen der Deutschen Schmerzgesellschaft fĂŒr die nĂ€chste Leitlinienrevision vor. Parallel entstehen digitale Entscheidungshilfen – etwa eine wertbasierte UnterstĂŒtzung fĂŒr Knieprothesen (Knie-TEP), die derzeit vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) geprĂŒft wird.

Osteopathie bei Endometriose im Kommen

Auch die komplementĂ€re Medizin gewinnt an Bedeutung. Der Verband der Osteopathen Deutschlands (VOD) berichtet: Über zwei Millionen Frauen in Deutschland leiden an Endometriose, jĂ€hrlich kommen mehr als 40.000 Neudiagnosen hinzu. Die aktuellen medizinischen Leitlinien listen Osteopathie inzwischen als ergĂ€nzende Option. Studien, unter anderem von Almut Boltz, belegen positive Effekte auf körperliche Schmerzen und die seelische Belastung der Erkrankung.

Neue Verfahren wie die TAPE-Methode kommen ebenfalls zum Einsatz – etwa am Sana Klinikum Duisburg, um Arthrose-Patienten Linderung zu verschaffen.

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ErgĂ€nzend zu modernen klinischen Verfahren wie der TAPE-Methode bietet die Traditionelle Chinesische Medizin effektive AnsĂ€tze zur Schmerzreduktion. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Ratgeber, wie der 3-Finger-Trick in wenigen Minuten spĂŒrbare Linderung bei Gelenkschmerzen bringen kann. Kostenlosen Arthrose-Druckpunkt-Guide herunterladen

Pflegeversicherung tief in den roten Zahlen

WÀhrend spezialisierte Versorgungsmodelle vorankommen, kÀmpft das System mit massiven Finanzproblemen. Bereits im ersten Quartal 2026 verzeichnete die gesetzliche Pflegeversicherung ein Defizit von 667 Millionen Euro. Experten rechnen mit bis zu einer Milliarde Euro bis Jahresende.

Die aktuellen BeitragssĂ€tze: 3,6 Prozent des Bruttogehalts fĂŒr Arbeitnehmer mit Kindern, 4,2 Prozent fĂŒr Kinderlose. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken arbeitet an Reformkonzepten – ein Zeitplan steht noch nicht fest. Anja Piel vom DGB-Vorstand warnt vor weiteren Beitragserhöhungen fĂŒr Kinderlose und fordert ein solidarischeres Versicherungsmodell. Die Eigenanteile PflegebedĂŒrftiger steigen weiter.

Digitales Pilotprojekt in Mecklenburg-Vorpommern

Trotz der Finanznot gibt es Lichtblicke. In Mecklenburg-Vorpommern fördert die Landesregierung eine digitale Plattform zur Koordination von PflegeplĂ€tzen mit 31.000 Euro. Das Projekt lĂ€uft zunĂ€chst sechs Monate in zwei Landkreisen. Ein bundesweiter Rollout ist fĂŒr Ende 2027 geplant.

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