ORF, Slow-TV

ORF Slow-TV ab Juni: Ruhige Bilder fĂŒr 170.000 Demenz-Patienten

14.06.2026 - 09:15:56 | boerse-global.de

Der Artikel beleuchtet die verÀnderte Zeitwahrnehmung durch Gehirnforschung, die Schattenseiten von Self-Care und die digitale Beschleunigung der Gesellschaft.

Zeitwahrnehmung im Wandel: Self-Care, Digitalisierung und Entschleunigung
ORF - Ein stilisiertes Zifferblatt mit abstrakten ZahnrĂ€dern und fließendem Sand vor einer verschwommenen Stadtlandschaft bei Sonnenuntergang. 14.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Mit zunehmendem Alter scheinen Tage, Wochen und Jahre immer schneller zu vergehen. Wissenschaftler haben dafĂŒr eine einfache ErklĂ€rung: Unser Gehirn verarbeitet Informationen anders.

Das Me-Time-Paradoxon: Wenn Self-Care zum Problem wird

Immer mehr Menschen suchen bewusst nach Auszeiten vom hektischen Alltag. Doch die Soziologin Laura Wiesböck warnt in einer aktuellen Analyse vor den Nebenwirkungen dieser Entwicklung. Ihre These: Eine Überbetonung von Self-Care kann die Individualisierung verstĂ€rken.

Das Paradoxe daran: Wer stÀndig nur auf sich selbst schaut, riskiert, zwischenmenschliche Beziehungen zu vernachlÀssigen. Der gesellschaftliche Zusammenhalt und die SolidaritÀt leiden darunter.

Wie das Gehirn die Zeit verbiegt

Warum vergeht die Zeit gefĂŒhlt schneller, je Ă€lter wir werden? Die Forschung zeigt: Es liegt an der Art, wie unser Gehirn Erinnerungen speichert und Informationen verarbeitet. Mit steigendem Alter verĂ€ndern sich diese Prozesse grundlegend.

Die Folge: Neue EindrĂŒcke werden seltener, Routinen dominieren den Alltag. Und weil das Gehirn weniger markante Ereignisse abspeichert, erscheint die vergangene Zeit kĂŒrzer.

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Zeitordnungen im Wandel der Geschichte

Der Verlag De Gruyter Brill widmet sich mit der Buchreihe „Chronoi“ den verschiedenen Facetten von Zeit und Zeitempfinden. Ab 2026 erscheinen die BĂ€nde im Open-Access-Format.

Die Bandbreite ist enorm: von der Zeitmessung beim Schreibenlernen im antiken Mesopotamien ĂŒber Kalender und Vogel-Ikonografien im Alten Ägypten bis zur Synchronisation in der SpĂ€teisenzeit. Auch die Darstellung von Zeit in der Kunst und Tafelobjekte des SpĂ€tmittelalters werden untersucht.

Digitale Beschleunigung: Fluch oder Segen?

Die Digitalisierung stellt Bildungseinrichtungen vor neue Herausforderungen. Auf einer Konferenz am 12. Juni einigten sich die Bildungsminister unter Vorsitz von Anna Stolz darauf, die Medienkompetenz von SchĂŒlern zu stĂ€rken. Ziel: ein kritischerer Umgang mit sozialen Medien.

Der Hintergrund ist ernst. In der politischen Kommunikation verdrĂ€ngen zunehmend Narrative und Emotionen die sachliche Auseinandersetzung. Soziale Medien verstĂ€rken diesen Trend – und gefĂ€hrden damit die gemeinsame Tatsachengrundlage fĂŒr demokratische Prozesse.

Entschleunigung als Gegenbewegung

Doch es gibt auch Gegenbewegungen. Der ORF startet ab Mitte Juni ein spezielles Slow-TV-Format. Mit ruhigen Bildsequenzen soll es vor allem Menschen mit Demenz unterstĂŒtzen. Rund 170.000 Betroffene in Österreich könnten davon profitieren.

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Auch Kunst und Literatur bieten Fluchtpunkte aus der Beschleunigung. Stanford-Professor Hans Ulrich Gumbrecht verweist auf Robert Musils „Der Mann ohne Eigenschaften“ – ein Klassiker, der die Herausforderungen moderner Zeitstrukturen bereits vor fast 100 Jahren thematisierte.

Eine Ausstellung in Regensburg zum 750. Dom-JubilĂ€um zeigt Ende Juni, wie KĂŒnstler verschiedener Generationen die zeitlose Architektur einer Kathedrale interpretieren. Ein BrĂŒckenschlag zwischen historischen Epochen und der Gegenwart.

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