Orforglipron bei Typ-2-Diabetes: Herzrisiko nicht höher als mit Insulin
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 04:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der orale Wirkstoff Orforglipron schneidet bei Typ-2-Diabetes mit erhöhtem Herzrisiko mindestens so gut ab wie Insulin. Das zeigt die zweijÀhrige Phase-III-Studie ACHIEVE-4.
Ihre Ergebnisse wurden Ende September 2026 auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes in Mailand vorgestellt und parallel im Fachjournal The Lancet veröffentlicht. Neben der kardiovaskulĂ€ren Sicherheit ĂŒberzeugte der Wirkstoff mit deutlichen Senkungen von Blutzucker und Körpergewicht.
Kein höheres Herzrisiko als Insulin
Studienleiterin Dr. Klara Klein von der University of North Carolina at Chapel Hill untersuchte mit ihrem Team 2.749 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes und Ăbergewicht oder Adipositas.
Bei 85,9 Prozent der Teilnehmenden lag zu Beginn eine kardiovaskulÀre Vorerkrankung vor. 37,6 Prozent litten an einer chronischen Nierenerkrankung. Die Patienten erhielten per Zufallsprinzip entweder tÀglich eine Tablette Orforglipron in maximal vertrÀglicher Dosis oder eine tÀgliche Insulin-glargin-Injektion.
Ăber eine mediane Nachbeobachtungszeit von 104 Wochen trat der kombinierte Endpunkt MACE-4 bei 4,2 Prozent der Orforglipron-Patienten auf â gegenĂŒber 5,0 Prozent in der Kontrollgruppe. MACE-4 umfasst kardiovaskulĂ€ren Tod, nicht-tödlichen Herzinfarkt, nicht-tödlichen Schlaganfall oder Krankenhauseinweisung wegen instabiler Angina pectoris.
Die Hazard Ratio lag bei 0,84 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,59 bis 1,20. Damit erfĂŒllte Orforglipron das Kriterium der Nicht-Unterlegenheit gegenĂŒber Insulin glargin statistisch signifikant. FĂŒr den engeren Drei-Punkte-MACE-Endpunkt betrug die Hazard Ratio 0,77.
Weniger TodesfĂ€lle â aber mit Vorbehalt
In einer vorab geplanten, jedoch nicht fĂŒr multiples Testen adjustierten Auswertung zeigte sich eine geringere GesamtmortalitĂ€t. Unter Orforglipron starben 1,4 Prozent der Behandelten, unter Insulin glargin 3,2 Prozent.
Da diese Analyse rein explorativ war, braucht es weitere Untersuchungen, um den Befund abzusichern. Fachleute mahnen zur Vorsicht.
Klarer Vorteil bei Blutzucker und Gewicht
Bei der metabolischen Kontrolle war die Tablette der Injektion ĂŒberlegen. Nach 52 Therapiewochen sank der HbA1c-Wert unter Orforglipron um 1,46 Prozentpunkte, unter Insulin glargin nur um 0,96 Prozentpunkte. Der Vorsprung hielt bis zum Ende des zweijĂ€hrigen Studienzeitraums.
Deutliche Unterschiede gab es auch beim Gewicht. Unter Orforglipron nahmen die Patienten nach einem Jahr durchschnittlich 7,79 Prozent ab. In der Insulingruppe legten sie dagegen 1,12 Prozent zu.
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Nach 52 Wochen verbesserten sich weitere kardiometabolische Werte: Der Taillenumfang sank um durchschnittlich 7 Zentimeter, der systolische Blutdruck um 4,4 Millimeter QuecksilbersĂ€ule. Die Triglyzeride gingen um 18,9 Prozent zurĂŒck, das hochsensitive C-reaktive Protein um 38,9 Prozent.
Bei den Nierenparametern verzeichnete das Team unter Orforglipron einen geringeren Abfall der geschÀtzten glomerulÀren Filtrationsrate und eine stÀrkere Reduktion der Albuminurie.
Magen-Darm-Probleme als hÀufigster Abbruchgrund
Das Sicherheitsprofil entsprach weitgehend dem bekannter GLP-1-Rezeptor-Agonisten. Magen-Darm-Beschwerden traten unter der oralen Gabe jedoch deutlich hĂ€ufiger auf: 62,1 Prozent der Probanden in der Orforglipron-Gruppe waren betroffen, gegenĂŒber 14,2 Prozent unter Insulin glargin. Diese Nebenwirkungen waren der Hauptgrund fĂŒr TherapieabbrĂŒche.
Zudem wurde unter Orforglipron ein anhaltender Pulsanstieg um durchschnittlich 4 SchlÀge pro Minute gemessen.
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Klein betonte in ihrer PrĂ€sentation, der Wirkstoff könne den weltweiten Zugang zu hochwirksamen Diabetestherapien erleichtern. Die Tablette ist raumtemperaturstabil und darf unabhĂ€ngig von Mahlzeiten oder FlĂŒssigkeitsrestriktionen eingenommen werden.
Warten auf den Herzschutz-Beweis
Ob Orforglipron ĂŒber die belegte Sicherheit hinaus auch einen eigenstĂ€ndigen kardiovaskulĂ€ren Schutzeffekt bietet, soll die laufende Phase-III-Studie ATTAIN-OUTCOMES klĂ€ren. Sie ist gezielt auf den Nachweis einer kardiovaskulĂ€ren Ăberlegenheit ausgelegt.
