Osteoporose: 35% der über 90-Jährigen in Sachsen-Anhalt betroffen
02.06.2026 - 00:39:28 | boerse-global.deStatt die Ausgaben zu senken, treiben sie die Kosten in die Höhe. Eine aktuelle Analyse zeigt: Die hausarztzentrierte Versorgung (HzV) hat die erhoffte Entlastung nicht gebracht.
Hausarztmodelle: Teurer als gedacht
Das Konzept klang vielversprechend: Wer sich bei einem Hausarzt einschreibt, spart dem System angeblich Geld. Doch die Realität sieht anders aus. Der Gesundheitsökonom Jonas Schreyögg belegt in einer Studie, dass HzV-Programme weder die Zahl der Facharztbesuche noch die Krankenhauseinweisungen reduziert haben.
Die Techniker Krankenkasse (TK) zahlte allein 160 Millionen Euro drauf. Pro Versichertem sind das 122 Euro zusätzlich – 80 Euro davon entfallen auf Zusatzvergütungen für die Hausärzte. Hochgerechnet auf die elf Millionen Teilnehmer bundesweit entstehen jährliche Mehrkosten von rund 1,3 Milliarden Euro.
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Kassen am Limit: Beitragsstabilität in Gefahr
Die Finanzlage der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung bleibt angespannt. Der Verband der Ersatzkassen (vdek) kritisiert, die Bundesregierung habe das Ziel stabiler Beiträge längst aufgegeben. Das geplante GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz (BStabG) sollte ursprünglich 16 Milliarden Euro bringen. Doch nach Änderungen im Reformpaket wird diese summe wohl nicht erreicht.
Noch dramatischer ist die Lage in der Pflege. Die Pflegekassen meldeten für das erste Quartal 2026 ein Defizit von 667 Millionen Euro – trotz 800 Millionen Euro Bundesdarlehen. Experten schätzen das tatsächliche Minus auf rund 4,2 Milliarden Euro. Der Sozialverband VdK bezeichnet die geplanten Beitragserhöhungen für Kinderlose als „reine Symbolpolitik" und fordert dauerhafte Bundeszuschüsse sowie eine Steuerfinanzierung versicherungsfremder Leistungen. Allein die Rentenbeiträge für Pflegende kosten jährlich 5,4 Milliarden Euro.
Neue Pauschale für chronisch Kranke
Ab dem 1. Juli 2026 soll eine neue Pauschale die Behandlung chronisch Kranker vereinfachen. Die halbjährliche Flatrate gilt für Patienten zwischen 18 und 74 Jahren mit definierten chronischen Erkrankungen und stabiler Medikation. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und GKV-Spitzenverband versprechen sich davon weniger Pflichtquartale.
Doch nicht alle sind überzeugt. Branchenkenner wie Führungskräfte von Versandapotheken rechnen damit, dass Patienten verstärkt auf Lieferdienste zurückgreifen. Das könnte die Kosten weiter in die Höhe treiben.
Der Bedarf an effizienter Chronikerversorgung ist enorm. Ein im Oktober 2025 veröffentlichter Atlas zeigt: In Sachsen-Anhalt leiden 5,8 Prozent der über 35-Jährigen an Osteoporose – bundesweit der Spitzenwert. Bei den über 90-jährigen Frauen in der Region sind es sogar knapp 35 Prozent. Spezielle Disease-Management-Programme (DMP) gibt es seit 2024, doch der Ärztemangel erschwert die Versorgung massiv. In Hessen etwa fehlen bis 2030 voraussichtlich 4.200 Hausärzte. In manchen Kreisen ist bereits jeder dritte Mediziner über 60.
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Reformstau vor der Sommerpause
Die Bundesregierung steht unter Druck. Vor der parlamentarischen Sommerpause müssen mehrere umstrittene Reformen durchs Parlament:
- Rentenreform: Eine Expertenkommission soll am 29. Juni 2026 ihre Ergebnisse vorlegen. Erste Vorschläge sehen einen Anstieg der Rentenbeiträge von 18,6 auf 19,9 Prozent bis 2028 vor.
- Kostendämpfung: Beim BStabG gibt es Streit um die Abschaffung der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnern und die Einführung von Karenztagen bei der Lohnfortzahlung.
- Schmerzmedizin: Die Deutsche Schmerzgesellschaft warnt, dass 22 Prozent der Kliniken mit spezialisierten Schmerzabteilungen von der Schließung bedroht sind. Die Folgen wären höhere Langzeitkosten durch mehr Erwerbsunfähigkeit und Depressionen.
- Energiekosten: Steigende Heizölpreise (plus 50 Prozent) und höhere Kraftstoffkosten (plus 33 Prozent im April 2026) belasten die Betriebskosten der Kliniken zusätzlich.
Einige regionale Kassen wie die AOK Bayern können die Zusatzbeiträge dank Rücklagen und Bundesdarlehen noch stabil bei 2,69 Prozent halten. Doch der Trend ist klar: Ohne grundlegende Strukturreformen droht die soziale Sicherung weiter zu erodieren.
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