Osteoporose, Risiko

Osteoporose: 87 Prozent höheres Risiko für einen zweiten Knochenbruch

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 18:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Osteoporose bleibt oft lange unbemerkt; nach einem ersten Bruch steigt die Gefahr weiterer Frakturen deutlich.
Abstrakte, poröse Strukturen, die an die innere Beschaffenheit von Knochen erinnern, in hellem, natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Fragilitätsfrakturen stellen für ältere Menschen eine erhebliche gesundheitliche Bedrohung dar. Aktuelle Berichte thematisieren die Gefahren dieser Knochenbrüche und heben hervor, dass eine frühzeitige Diagnose sowie konsequente Prävention bei Osteoporose entscheidend sind, um schwerwiegende Folgekomplikationen zu vermeiden.

Da die Erkrankung oft über Jahre unbemerkt voranschreitet, rückt der 20. Oktober als weltweiter Aktionstag die Knochengesundheit und die Verhinderung osteoporotischer Frakturen regelmäßig in den Fokus.

Symptomloser Verlauf und typische Warnsignale

Die Knochenmasse nimmt ab dem 50. Lebensjahr auch bei gesunden Personen kontinuierlich ab. Bei einer Osteoporose verläuft dieser Abbauprozess oft über lange Zeit vollkommen symptomlos, bis es zum ersten Bruch kommt. Eine vollständige Heilung ist nicht möglich, weshalb die Verringerung des Frakturrisikos im Zentrum aller Maßnahmen steht.

Als Warnzeichen gelten Knochenbrüche, die bereits nach einem Sturz aus Standhöhe auftreten – typischerweise am Handgelenk, an der Hüfte oder an der Wirbelsäule. Auch ein Höhenverlust von rund 2 Zentimetern über die Zeit beziehungsweise etwa 4 Zentimetern im Vergleich zum jungen Erwachsenenalter weist auf das Problem hin.

Ebenso können eine veränderte Körperhaltung sowie neue, unklare Rückenschmerzen auf Brüche hindeuten. Bei geschwächtem Skelett können Wirbelkörper mitunter schon durch einfaches Husten oder schweres Heben einbrechen.

Fachleute empfehlen eine Knochendichtemessung für Frauen ab 65 Jahren und Männer ab 70 Jahren. Bei vorliegenden Risikofaktoren, nach einer bereits erlittenen Fragilitätsfraktur oder einer Langzeitbehandlung mit Steroiden sollte die Untersuchung früher stattfinden.

Globale Dimensionen und hohes Folgefraktur-Risiko

Weltweit leben rund 500 Millionen Menschen ab 50 Jahren mit Osteoporose. In der Altersgruppe über 55 Jahren ereignen sich global bis zu 37 Millionen Fragilitätsfrakturen pro Jahr, was etwa 70 Brüchen pro Minute entspricht. Laut der Weltgesundheitsorganisation versterben 25 bis 30 Prozent der Betroffenen mit einer Hüftfraktur binnen eines Jahres.

Nach einer ersten Fraktur steigt die Gefahr dramatisch: Laut der International Osteoporosis Foundation (IOF) haben Betroffene ein um rund 87 Prozent höheres Risiko für einen zweiten osteoporotischen Bruch, insbesondere in den ersten beiden Jahren.

Anzeige

Da das Skelett ab der Lebensmitte schleichend an Substanz verliert, wird die Früherkennung von Mangelerscheinungen und Risikofaktoren lebenswichtig. Dieser kostenlose Report erklärt verständlich, welche Werte wirklich wichtig sind, um die eigene Gesundheit aktiv zu schützen. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck jetzt sichern

Eine Untersuchung belegt zudem, dass etwa 41 Prozent der erneuten Frakturen bei Frauen innerhalb von 2 Jahren nach dem ersten Ereignis auftreten. Nach einer Fraktur des Handgelenks besteht demnach ein zweifach bis vierfach höheres Risiko für spätere Brüche an Wirbeln oder Oberschenkeln.

Regionale Entwicklungen und Versorgungslücken

In Deutschland sind mehr als sechs Millionen Menschen von Osteoporose betroffen. Für Österreich zeigen Schätzungen, dass etwa 370.000 Frauen und 90.000 Männer erkrankt sind; durch den Östrogenverlust nach den Wechseljahren sind Frauen dort etwa dreimal so oft betroffen wie Männer.

Gleichzeitig stürzen in Österreich jährlich 30 Prozent der über 65-Jährigen sowie 40 bis 50 Prozent der 80-Jährigen mindestens einmal. Ein 25-OH-Vitamin-D-Wert von unter 20 ng/ml gilt dabei als suboptimal bis mangelhaft.

Auch internationale Register dokumentieren Versorgungsherausforderungen:
- In Brasilien treten jährlich rund 400.000 Fragilitätsfrakturen auf; 60 Prozent der Risikopersonen sind unbehandelt und nur 20 Prozent der Hochrisikopatienten erhalten sofort nach dem Bruch eine Pharmakotherapie. Nach einer Hüftfraktur liegt die Sterblichkeit im ersten Jahr bei 20 bis 24 Prozent, und rund 40 Prozent der Überlebenden können nicht mehr selbstständig gehen.

Ohne politische Maßnahmen wird dort bis 2030 ein Anstieg der Frakturen um 60 Prozent gegenüber 2015 prognostiziert.
- Ein spanisches Register mit 58.987 Patienten ab 75 Jahren verzeichnete zwischen 2017 und 2024 einen Anstieg des Anteils mit osteoprotektiver Behandlung im ersten Monat nach einer Hüftfraktur von 40 Prozent auf 58,5 Prozent.

Die Therapieadhärenz gilt jedoch bei über 50 Prozent als mangelhaft. Das Programm „Capture the Fracture“ erfasst dort 120 FLS-Einheiten.
- In Südkorea stieg der Anteil der über 70-Jährigen an allen Sturzpatienten laut Statistik der KDCA von 17,1 Prozent im Jahr 2014 auf 35,3 Prozent im Jahr 2024, was in etwa einer Verdopplung entspricht.

Nach Erhebungen der Korea Consumer Agency passierten 72,3 Prozent der Stürze älterer Menschen im häuslichen Umfeld.
- In Indien hat laut Daten der IOF aus dem Jahr 2021 ein Drittel der Frauen ab 50 Jahren ein Osteoporose-Risiko, bei jährlich rund 1,4 Millionen Frakturen. Die Osteoporosis Society of India beziffert den Betroffenenanteil auf 22,9 Prozent der Erwachsenen (rund 33 Crore Menschen), mit einer jährlichen ökonomischen Last von 14.000 bis 20.000 Crore Rupien.

Diagnostik, Lebensstil und therapeutische Optionen

Um das Risiko von Knochenbrüchen zu mindern, spielen Lebensstilfaktoren eine zentrale Rolle. Neben dem Verzicht auf Tabak und Alkohol bildet gezieltes Training die Basis. Einfaches Spazierengehen genügt nicht für den Knochenaufbau, da das Skelett am stärksten auf hohe, schnelle oder ungewohnte Belastungen reagiert.

Anzeige

Wer den schleichenden Abbauprozessen im Alter aktiv entgegenwirken will, benötigt oft nur wenige Minuten gezieltes Training am Tag. Ein renommierter Orthopäde zeigt in diesem Gratis-Leitfaden 17 einfache Übungen, mit denen Sie mit minimalem Aufwand maximale Ergebnisse für Ihre Stabilität erzielen. 17 Wunderübungen kostenlos als PDF herunterladen

Krafttraining setzt kräftige Reize an Hüfte und Wirbelsäule, während leichte Sprünge den knochenstärkenden Effekt verstärken und das Sturzrisiko, insbesondere bei postmenopausalen Frauen, senken. Die pauschale Einnahme von Calcium- und Vitamin-D-Präparaten ohne diagnostizierten Mangel oder gesicherte Osteoporose bietet gesunden Personen hingegen einen fraglichen Nutzen.

Für eine medikamentöse Therapie stehen spezifische Präparate zur Verfügung. Der PTH1-Rezeptor-Agonist Abaloparatid erhöht nach Herstellerangaben die Knochenmineraldichte und verbessert die Knochenqualität.

Studien zeigen dabei eine stärkere Wirksamkeit auf die Knochendichte als bei Teriparatid sowie eine Abnahme von Wirbel- und Nichtwirbelfrakturen; Nebenwirkungen wie Übelkeit gelten im Allgemeinen als beherrschbar. Als weitere Option wird der Wirkstoff Romosozumab monatlich über einen Zeitraum von 12 Monaten angewendet.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70429777 |