Osteoporose: Bis zu 80 Prozent bleiben nach Knochenbruch ohne Behandlung
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deOsteoporose entwickelt sich bei vielen Betroffenen über Jahre hinweg ohne erkennbare Symptome. Nach Angaben des National Institute on Aging und von Fachärzten des Gesundheitsnetzwerks Intermountain Health verliert das Skelett dabei schleichend an Stabilität, bevor es zu sichtbaren Beschwerden kommt. Besonders anfällig für den Substanzverlust sind die Hüfte, die Wirbelsäule und das Handgelenk.
Da im menschlichen Körper jährlich etwa 10 Prozent der Knochenmasse umgebaut werden, kann ein Ungleichgewicht zwischen Knochenaufbau und Knochenabbau die Knochenstruktur unbemerkt porös machen. Dies birgt nicht nur im Alltag Gefahren, sondern erhöht auch bei operativen Eingriffen die Komplikationsrate erheblich.
Erhöhte Gefahren bei chirurgischen Eingriffen
Fachleute weisen darauf hin, dass eine verminderte Knochendichte weitreichende Konsequenzen für anstehende Operationen hat. Bei osteoporotischen Knochen besteht ein gesteigertes Risiko für Brüche während oder nach dem Eingriff. Zudem heilen verletzte oder operierte Knochenstrukturen deutlich langsamer.
In der orthopädischen und unfallchirurgischen Versorgung droht überdies eine Lockerung von Implantaten, Schrauben oder Gelenkprothesen, da das umliegende Knochengewebe dem künstlichen Material oft nicht genügend Halt bietet. Für Betroffene bedeutet dies häufig eine verlängerte Rehabilitationsphase und ein erhöhtes Risiko für Folgeoperationen.
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Aus diesem Grund raten Mediziner Erwachsenen über 50 Jahren sowie Frauen nach den Wechseljahren, den Zustand der Knochengesundheit frühzeitig vor einer geplanten Operation überprüfen zu lassen. Vorbereitende Maßnahmen wie eine gezielte Versorgung mit Vitamin D, Kalzium und ausreichend Protein können den Heilungsprozess unterstützen und die Knochensubstanz stabilisieren.
Globale Verbreitung und gravierende Diagnoselücke
Die Dimension des Problems ist beträchtlich. Nach Schätzungen der International Osteoporosis Foundation (IOF) sind weltweit rund 200 Millionen Menschen von Knochenschwund betroffen. Statistisch erleiden eine von drei Frauen und einer von fünf Männern ab dem 50. Lebensjahr im Laufe ihres weiteren Lebens eine osteoporotische Fraktur.
Trotz der weiten Verbreitung bleibt die Versorgung oft lückenhaft: Nach Angaben der IOF erhalten bis zu 80 Prozent der Menschen, die bereits eine sogenannte Fragilitätsfraktur erlitten haben, weder eine entsprechende Diagnose noch eine zielgerichtete medikamentöse Therapie.
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Wer jedoch bereits eine solche Fraktur ohne größeres Trauma erlitten hat, trägt ein besonders hohes Risiko für weitere Knochenbrüche, insbesondere innerhalb der ersten ein bis zwei Jahre danach.
Früherkennung und gezielte Prävention
Zur Feststellung des Risikos kommt standardmäßig die Knochendichtemessung mittels DEXA-Scan zum Einsatz. Fachgesellschaften empfehlen diese Untersuchung regulär für Frauen ab 65 und Männer ab 70 Jahren, bei Vorliegen von Risikofaktoren auch schon früher.
Zu den wesentlichen Risikofaktoren zählen neben dem Lebensalter und hormonellen Veränderungen nach der Menopause auch Untergewicht, Bewegungsmangel, Tabak- und Alkoholkonsum sowie bestimmte Vorerkrankungen und die langfristige Einnahme von Kortison.
Experten betonen zudem, dass neben der apparativen Messung eine individuelle Evaluation des Fraktur- und Sturzrisikos erforderlich ist. Neben einer ausgewogenen Nährstoffzufuhr gilt gezieltes Krafttraining als wirksame Maßnahme, um die Muskulatur zu stärken, Stürzen vorzubeugen und die mechanische Belastbarkeit des Skeletts langfristig zu sichern.
