Osteoporose, Knochenbruch

Osteoporose: Bis zu 80 Prozent erhalten nach Knochenbruch keine Behandlung

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 15:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Viele Betroffene bleiben ohne Diagnose oder Therapie; strukturierte Nachsorge und konsequente Behandlung können Folgefrakturen verringern.
Ein hölzerner Gehstock, der in einem hellen, sonnendurchfluteten Flur an einer steinernen Wand lehnt. Illustration mit AI erstellt.

Die International Osteoporosis Foundation (IOF) weist auf eine erhebliche Versorgungslücke bei Knochenbrüchen im Alter hin: Bis zu 80 Prozent der Menschen, die eine Fragilitätsfraktur erleiden, erhalten weder eine entsprechende Diagnose noch eine zielgerichtete Behandlung.

Nach Angaben der Organisation sind weltweit rund 500 Millionen Menschen von Osteoporose betroffen. Nach dem 50. Lebensjahr erleiden jede zweite Frau und jeder fünfte Mann eine osteoporotische Fraktur. Wer bereits einen solchen Knochenbruch erlitten hat, trägt besonders in den darauffolgenden ein bis zwei Jahren ein stark erhöhtes Risiko für Folgefrakturen.

Hohe Folgerisiken und mangelnde Therapietreue

Die Weltgesundheitsorganisation zählt Osteoporose zu den degenerativen Erkrankungen mit steigender Prävalenz, von der vor allem ältere Menschen und postmenopausale Frauen betroffen sind. Daten des italienischen Gesundheitsministeriums verdeutlichen die Schwere möglicher Komplikationen: Von den rund fünf Millionen Betroffenen in Italien sind 80 Prozent Frauen nach den Wechseljahren.

Bei einer Oberschenkelfraktur versterben fünf Prozent unmittelbar danach und 15 bis 25 Prozent innerhalb eines Jahres. Rund 20 Prozent der Betroffenen verlieren dauerhaft die Gehfähigkeit, während lediglich 30 bis 40 Prozent wieder vollständig genesen.

Ähnlich ausgeprägte Versorgungsdefizite zeigen sich in Tschechien, wo von fast 800.000 Betroffenen weniger als zehn Prozent – rund 75.000 Menschen – behandelt werden. Jährlich werden dort jeweils rund 20.000 Wirbelkörper- und Hüftfrakturen registriert. Laut Erhebungen einer Expertenkommission für Mittel- und Osteuropa erhalten mehr als 75 Prozent der tschechischen Patienten keine notwendige Therapie.

Zusätzlich erschwert eine nachlassende Therapietreue den Behandlungserfolg. Eine Auswertung aus der Slowakei an fast 17.000 Patienten über 50 Jahren zeigte, dass zwar 98,3 Prozent das erste Rezept für eine antiresorptive Therapie einlösten, nach sechs Monaten jedoch nur noch gut 62 Prozent und nach zwölf Monaten lediglich die Hälfte die Behandlung fortführten.

Nach zwei Jahren lag der Anteil bei 34,4 Prozent. Wie der Experte Martin Kužma von der Fachgesellschaft SOMOK darlegte, verringerte sich das Risiko für osteoporotische Frakturen bei Patienten, die die Behandlung mindestens ein Jahr lang einhielten, um 16 Prozent.

Umfassende Diagnostik und strukturierte Nachsorge

In der medizinischen Diagnostik markiert ein T-Score von minus 2,5 oder niedriger bei postmenopausalen Frauen und Männern ab 50 Jahren die Schwelle zur Osteoporose, während Werte zwischen minus 1,1 und minus 2,4 als Osteopenie eingestuft werden. Eine alleinige Vitamin-D-Bestimmung reicht zur Bestätigung der Diagnose nicht aus.

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Die Rheumatologin Gisela Kluwak von der Grupo Oroño betonte auf dem ASBMR-Kongress in Boston, dass eine Knochendichtemessung allein das Frakturrisiko nicht vollständig abbilde. Faktoren wie das Alter, die Frakturvorgeschichte, eingenommene Medikamente sowie das individuelle Sturzrisiko müssten zwingend einbezogen werden.

Dr. Henry Suhendra vom Siloam Hospitals Mampang verwies darauf, dass die Erkrankung oft schleichend verläuft und häufig erst nach einem Bruch erkannt wird. Da die maximale Knochendichte meist im frühen 30. Lebensjahr erreicht wird und Frauen durch den Östrogenabfall in den Wechseljahren besonders gefährdet sind, empfahl er eine Knochendichtemessung rund fünf Jahre vor der Menopause.

Als wirksames Gegenmittel gegen Unterversorgung gelten koordinierte Versorgungsprogramme wie der Fracture Liaison Service (FLS). Eine in den Archives of Medical Research veröffentlichte Studie an 8.962 Patienten über 50 Jahren in 25 spanischen FLS-Einrichtungen dokumentierte Rezidivraten nach zwölf Monaten von 7,7 beziehungsweise 5,5 neuen Frakturen pro 100 Patientenjahre. Dabei begannen 84,6 Prozent der Patienten eine Osteoporose-Therapie, wobei die Adhärenz bei 85,2 Prozent lag. Das Siloam Hospitals Mampang führte ein FLS-Programm ein und wurde im globalen „Capture the Fracture“-Programm aufgenommen.

Zur Vernetzung entwickelten Fachleute zudem digitale Angebote: Dr. Laura Tafaro vom Sant'Andrea-Krankenhaus der Sapienza-Universität Rom konzipierte die Anwendung „Think bone. Non mollare l'osso“, um Allgemeinmediziner, Spezialisten und Patienten besser zu koordinieren.

In Tainan in Taiwan wiederum wird ein KI-gestütztes Verfahren eingesetzt, das bestehende Thorax-Röntgenbilder zur Risikobewertung heranzieht und bereits über 80.000 Personen erfasste.

Lebensstilfaktoren und Prävention

Neben medikamentösen Ansätzen wie Bisphosphonaten als Erstlinientherapie spielen Lebensstilfaktoren eine zentrale Rolle. Rauchen verringert laut Daten die Knochendichte um zehn Prozent, verdoppelt das Risiko für Wirbelfrakturen und erhöht das Risiko für Hüftfrakturen um 50 Prozent.

Als Basismaßnahmen gelten der Rauchstopp, die Reduktion von Alkohol sowie eine kalzium- und vitamin-D-reiche Ernährung. Fachleute empfehlen ab einem Alter von 50 Jahren eine tägliche Zufuhr von 1.500 Milligramm Kalzium.

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