P4-Studie: CT-gesteuerte Herzintervention ist IVUS nach zwölf Monaten nicht unterlegen
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 04:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie präzise Steuerung perkutaner Koronarinterventionen (PCI) stützt sich traditionell auf intravaskuläre Bildgebungsverfahren, die während des invasiven Eingriffs zum Einsatz kommen.
Eine am 1. November 2026 auf dem Kongress Transcatheter Cardiovascular Therapeutics (TCT 2026) in San Diego vorgestellte und zeitgleich im Fachjournal New England Journal of Medicine veröffentlichte Untersuchung liefert nun neue Erkenntnisse für die klinische Praxis.
In der internationalen, randomisierten und offenen Nichtunterlegenheitsstudie P4 verglich ein Forschungsteam unter der Leitung von Carlos Collet von der Cardiovascular Research Foundation in New York die Steuerung von Eingriffen mittels koronarer Computertomographie-Angiographie (CCTA) mit der etablierten intravaskulären Ultraschallführung (IVUS).
Studiendesign und internationales Patientenkollektiv
In die P4-Studie wurden an 23 Zentren in den USA, Europa und Japan insgesamt 1.105 Patienten aufgenommen. Voraussetzung für den Einschluss war eine aus der CCTA abgeleitete fraktionelle Flussreserve (FFR) von unter 80% sowie mindestens eine epikardiale Läsion mit einer Diameterstenose von mehr als 70%.
Die Randomisierung erfolgte in zwei Gruppen: 556 Teilnehmende erhielten eine CCTA-gesteuerte PCI, während bei 549 Teilnehmenden eine IVUS-gesteuerte Intervention durchgeführt wurde. Das mediane Alter der Patienten lag bei 65 Jahren, der Frauenanteil betrug 21,7%.
Für die nicht-invasive Planung der Prozeduren in der CCTA-Gruppe kamen die Systeme Heartflow FFRCT Analysis sowie der Heartflow Planner zum Einsatz. Die investigator-initiierte Studie wurde von Heartflow unterstützt, dessen Technologien laut Unternehmensangaben an über 1.800 Institutionen genutzt werden.
Klinische Endpunkte nach zwölf Monaten
Im Hinblick auf den primären Endpunkt erwies sich das computertomographische Verfahren als nicht unterlegen. Die Rate des Zielgefäßversagens nach zwölf Monaten – definiert als kardialer Tod, behandlungsgefäßbezogener Infarkt oder Revaskularisation des Zielgefäßes – lag in der CCTA-Gruppe bei 4,1% und in der IVUS-Gruppe bei 4,6%. Dies entspricht einer Risikodifferenz von -0,42 Prozentpunkten bei einem 95%-Konfidenzintervall von -2,82 bis 1,99 Prozentpunkten.
Die P4-Studie zeigt einen Weg, die PCI-Planung vor den Eingriff zu verlagern: Bei CCTA-gesteuerter Planung lag die mediane Prozedurdauer bei 46 statt 63 Minuten, der Kontrastmittelverbrauch bei 150 statt 170 mL. Wie Sie das in Ihrem Katheterlabor Schritt für Schritt umsetzen, steht im kostenlosen Praxis-Leitfaden. Kostenlosen Praxis-Leitfaden anfordern
Mit einem p-Wert für Nichtunterlegenheit von unter 0,001 unterschritt das Ergebnis die vordefinierte Nichtunterlegenheitsmarge von 4,5 Prozentpunkten deutlich.
Prozedurale Unterschiede und Behandlungsdauer
Neben den klinischen Resultaten traten signifikante Unterschiede bei den Verfahrensabläufen im Herzkatheterlabor zutage. So fiel die mediane PCI-Dauer in der CCTA-Gruppe mit 46 Minuten im Vergleich zu 63 Minuten in der IVUS-Gruppe um 17 Minuten kürzer aus.
Auch der mediane Verbrauch an Kontrastmitteln war mit 150 mL gegenüber 170 mL geringer. Auf der anderen Seite kamen bei der CCTA-gestützten Planung häufiger fortgeschrittene Systeme zur Kalziummodifikation zum Einsatz: Diese Devices wurden bei 9,2% der Patienten in der CCTA-Gruppe genutzt, verglichen mit 3,8% in der IVUS-Gruppe.
Fachliche Einordnung und Limitationen
Studienleiter Carlos Collet betonte, dass die PCI-Planung durch die Computertomographie bereits vor den eigentlichen Kathetereingriff verlagert werden könne. Dennoch weist die P4-Studie methodische Limitationen auf.
Kürzere Prozeduren entlasten Ihr Katheterlabor — aber die CCTA-Planung braucht belastbare Kriterien: In der P4-Studie kamen Kalziummodifikations-Devices bei 9,2% der CCTA-Patienten zum Einsatz, gegenüber 3,8% unter IVUS. Unsere Entscheidungshilfe zeigt, wann sich der Wechsel lohnt und wann IVUS die passendere Wahl bleibt. Entscheidungshilfe jetzt abrufen
Neben dem mit 21,7% vergleichsweise geringen Frauenanteil zeichnete sich die Studienkohorte durch eine durchgehend hohe Anwendung der leitliniengerechten medikamentösen Therapie aus, was bei der Übertragung der Ergebnisse auf die breite Versorgungspraxis berücksichtigt werden muss.
